Schweinepest

Jäger haben Wildschweine im Visier

Dr. Heinrich Apfelstedt ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Solingen. Archivfoto: cb
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Dr. Heinrich Apfelstedt ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Solingen.

Gründe dafür sind steigende Populationen und die drohende Afrikanische Schweinepest. Ordnungsämter melden häufig Wildschäden.

Von Kristin Dowe

Solingen. Bei Landwirten im Bergischen sind sie gefürchtet, denn Wildschweine suchen nur zu gerne auf Äckern nach Futter wie Engerlingen und Käfern und machen dabei die Ernte zunichte. Auch bei Grundstückbesitzern im ländlichen Raum sind die Borstentiere nicht gerade beliebt, richten sie in Gärten und Grünanlagen doch immer wieder große Schäden an. So hätten auch die Ordnungsämter im Städtedreieck vermehrt Wildschäden zu verzeichnen, heißt es aus dem Bergischen Veterinär- und Lebensmittelamt (BVLA) auf Nachfrage.

Auch deshalb machen Jäger in diesen Tagen nachts verstärkt Jagd auf Wildschweine. „Es herrscht ja gerade Schonzeit und das Wildschwein ist somit das einzige Tier, das momentan bejagt werden darf“, berichtet Dr. Heinrich Apfelstedt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Solingen. Dabei gehe es nicht nur um die Eindämmung von Wildschäden, sondern auch um die Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Die durch ein Virus übertragene Tierseuche ist bislang vor allem in Osteuropa verbreitet, doch auch hierzulande sei man vor dem Problem nicht gefeit, mahnt der Jäger. „Die ASP steht vor den Toren Deutschlands. Wenn sie eingeschleppt würde, hätte dies verheerende Konsequenzen für viele Schweinebetriebe, die ihre Tiere dann keulen müssten“ befürchtet Apfelstedt. „Auch für die Wildschweine selbst ist die ASP natürlich eine Bedrohung. Auch wenn sie von vielen immer als ,Täter’ gesehen werden, so sind die Wildschweine doch auch Opfer.“

Auch Dr. Dagmar Senczek, Leiterin des BVLA, warnt mit Blick auf Deutschlands Nachbarländer vor der Tierseuche: „Direkt an der polnischen Grenze und im belgischen Grenzbereich sind Ausbrüche bei Wildschweinen festgestellt und Reglementierungen nach EU- und landesspezifischen Vorgaben eingeleitet worden. So wurden an der deutsch-polnischen Grenze etwa Elektrozäune installiert.“ Generell stiegen die Wildschweinpopulationen auch im Städtedreieck bereits seit Jahren. „Dafür sind auch biologische Gründe zu benennen, da durch die warmen Winter etwa eine höhere Vermehrungsrate festzustellen ist.“

Exakte Angaben über die tatsächlichen Wildschweinbestände in den drei Bergischen Großstädten könne das BVLA nicht machen, bedauert Senczek. Über die Jagdstrecken der Jäger, also das erlegte Schwarzwild pro Zeiteinheit, erhalte die Behörde aber Hinweise auf die ungefähre Population. „Die Reviere im Städtedreieck wurden unterschiedlich bejagt.“

Die Voraussetzungen für die Wildschweinjagd werden landesgesetzlich geregelt – ohne einen Ausbruch der Seuche dürfe das BVLA den Jägern diesbezüglich keine Vorgaben machen. Ändern würde sich dies für den Fall, dass im Städtedreieck die Afrikanische Schweinepest festgestellt wurde. „Dann wären mannigfaltige Eingriffe und Anordnungen über die Veterinärbehörde erforderlich und legitimiert.“

Derweil stehe das BVLA mit den Jägern laufend in Kontakt und, „so dass unter anderem seit mehreren Jahren von verendet aufgefundenem oder auffällig geschossenem Schwarzwild Proben genommen werden, die auf die Afrikanische sowie die Klassische Schweinepest untersucht werden“, so Senczek.

Wildfleisch bietet Vorteile gegenüber der Massentierhaltung

Das erlegte Wild biete – etwa im Vergleich zu den Produktionsbedingungen in der Massentierhaltung – auch Vorteile, argumentiert Heinrich Apfelstedt. „Es handelt sich um ein sehr gesundes und ökologisches Fleisch, das frei von Antibiotika ist und das die Jäger entweder für den Eigenbedarf nutzen oder weiterverkaufen. Außerdem ist es bedenkenlos genießbar, da wir hier keine Probleme mit Radioaktivität oder ähnlichem haben. Das Tier wird durch einen sauberen Schuss aus dem Leben genommen – und hat ansonsten in freier Wildbahn gelebt.“

KREISJÄGERSCHAFT

JAGDSCHEIN Wie man den Jagdschein erwirbt und welche Voraussetzungen man für den Erwerb mitbringen muss, darüber informiert die Kreisjägerschaft Solingen auf ihrer Homepage. Die Jäger betonen, dass sie in Solingen ein gutes Verhältnis zu den Naturschützern hätten und sich selbst als solche betrachteten. Apfelstedt: „Wir führen zum Beispiel gemeinsam mit dem Nabu die Aktion ,Sauberer Wald’ durch.“

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