Fußball-Anhänger

Italienische Fans feiern in Ohligs

Nach dem Sieg der italienischen Nationalelf im EM-Viertelfinale feierten Anhänger in Ohligs. Dass Abstandsregeln meist nicht eingehalten wurden, sorgte für Kritik in den Sozialen Netzwerken. Foto: Tim Oelbermann
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Nach dem Sieg der italienischen Nationalelf im EM-Viertelfinale feierten Anhänger in Ohligs. Dass Abstandsregeln meist nicht eingehalten wurden, sorgte für Kritik in den Sozialen Netzwerken.

Stadtteil wird bei der EM zum Hotspot von Fußball-Anhängern.

Von Holger Hoeck

Solingen. Auch an üblichen Tagen können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Cafés Any Paradise am Ohligser Markt nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Am Abend des Fußball-EM-Viertelfinalspiels der italienischen Nationalmannschaft gegen Belgien herrschte jedoch noch stärkerer Andrang. Nach dem Sieg der Italiener wurde der Stadtteil zur Partymeile. In den Sozialen Netzwerken gab es jedoch auch Kritik, weil Abstandsregeln zum Teil nicht eingehalten wurden.

Any-Paradise-Inhaber Giuseppe Tarancino hatte erstmals einen Fernseher vor seinem Geschäft aufgestellt und den Tisch würdevoll mit einer italienischen Fahne geschmückt. Rund 50 Personen, überwiegend Familien, hatten sich schon frühzeitig ihren Platz gesichert und fieberten mit Hula-Ketten, Tröten und Perücken in Nationalfarben dem Anpfiff entgegen. Auch in den Restaurants an der Lennestraße kam die Außengastronomie nicht ohne TV-Geräte aus. Freie Sitzplätze waren vor der Trattoria Mediterraneo, dem Eis-Café Sabri oder dem Café Paradise 2000 rar. Francesco Cardelli hatte es sich mit Frau und Kindern auf einer Hauseingangstreppe mit bestem Blick aufs mediale Geschehen gemütlich gemacht. „Das ist uns zu voll. Wir möchten lieber mehr Abstand halten.“

Das jüngere Publikum hatte indes das Café Timeout am Markt fürs Rudelschauen auserkoren, wo sich auch deutsche Fußballfans unter das vielfach in grün-weiß-rote Fahnen gehüllte Publikum gemischt hatten. „Ich trage die Fahne zu Ehren meines vor kurzem verstorbenen Onkels, der Italiener war. Ich sehe das als eine Art Huldigung“, erklärte der 19-jährige Tristan, dessen Eltern aus Kroatien und Deutschland stammen.

Drinnen fieberte Marlon Ania, die Nationalfahne stolz als Umhang tragend, mit seinen Kumpels im Italia-Outfit in der ersten Reihe vor der Leinwand mit. Bei jeder halbwegs gefährlichen Aktion ließen die jungen Männer lautstark ihrem Temperament freien Lauf.

In der 13. Minute dann erster Jubel vor dem Any Paradise, der aufgrund technischer Verzögerungen fünf Sekunden später auch im Timeout aufbrandete. Doch zu früh gefreut – Abseitstor! Knapp 20 Minuten später war es so weit: Italien führte! Als kurz vor der Halbzeit das 2:0 fiel, bekamen einige Gäste vor der Tür eine Bierdusche spendiert; der 57-jährige Pietro Kasano aus Hilden orderte umgehend eine Runde Ramazotti für seine Tischnachbarn. Ernüchterung jedoch, als Belgien in der Nachspielzeit per Elfmeter verkürzen konnte.

Binnen Minuten war die Lennestraße übervölkert

Bewusst zeigten Ordnungsamt und Polizei verstärkt Präsenz, hielten sich indes diskret zurück. „Letzten Samstag waren rund 800 Leute hier. Mal sehen, wie viele es heute werden, wenn Italien wieder gewinnt“, orakelte ein Ordnungsamt-Mitarbeiter.

Doch zunächst war Zittern angesagt. Aufschreie bei belgischen Torchancen, riesige Enttäuschung bei misslungenen italienischen Aktionen. Als auch die Nachspielzeit vorüber war, gab es aber kein Halten mehr. Von überall strömten jubelnde Menschen zur Lennestraße, die binnen Minuten übervölkert war. Dauerhupende Autos, aus deren Fenster grölend italienische Fahnen geschwungen wurden, erhielten überschwängliche Handschläge auf Dach und Motorhaube. Bengalische Fackeln wurden entzündet, und fremde Menschen lagen sich überglücklich in den Armen.

Die Straßen rund um den Markt wurden zur Partymeile. Mittendrin war auch Marlon Ania mit seinen Freunden. „Wir haben das beste Team, und wir werden diese EM mit Sicherheit gewinnen“, tippte er ein 4:0 im Halbfinale gegen Spanien. „Doch jetzt wird erst mal total ausgerastet.“

Statistik

Laut Statistik leben im Stadtteil Ohligs die meisten Personen italienischer Abstammung. In ganz Solingen wohnten 2019 rund 6000 Menschen mit italienischem Pass. Wegen der überwiegend italienischen Gastronomie um den Ohligser Markt wird dieser bei Fußball-Großereignissen zum Hotspot Feierwilliger.

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