Solingen

Solingen ist besser als sein Ruf – außer bei Baustellen

stefan.kob @solinger-tageblatt.de
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Erneut wurde Solingen als „Europäische Energie- und Klimaschutzkommune“ ausgezeichnet, beim Thema Verkehr ist die Stadt aber hintendran.

Von Stefan M. Kob

Solingen ist besser als sein Ruf. Das liegt nicht nur daran, dass der Ruf so schlecht ist, wie böse Zungen behaupten. Vielmehr läuft einiges richtig gut in unserer Stadt. Erneut wurde Solingen jetzt als „Europäische Energie- und Klimaschutzkommune“ ausgezeichnet; dank langfristiger Digitalisierungsstrategie sahnte man beim Digitalpakt Schule in NRW groß ab und ist eine von 13 Modellkommunen des Bundesprogramms „Smart City”; für die Stadtkerne gibt es kluge Erneuerungsprogramme mit Millionenförderung; Schloss Burg wird gerade mit sagenhaften 32 Millionen saniert und die Welterbe-Bemühungen in Müngsten zahlen sich schon aus, bevor feststeht, ob der Sechs-Brücken-Wettbewerb ein Erfolg wird.

Doch in einem Feld ist Solingen sowas von hinter dem Mond, dass man es kaum fassen kann: bei der Baustellen-Koordinierung. Steht eine größere Straßensanierung an, kann man fast Wetten darauf abschließen, dass die Information und Koordination zu notwendigen Umleitungen und Sperrungen schiefgeht: Da werden Straßen dichtgemacht, ohne zuvor die Anwohner zu informieren; die Baumfällaktion mit Sperrung der Bundesstraße 229 in Müngsten begann früher als angekündigt; die großräumige Umfahrung der unpassierbaren Eschbachstraße in Burg wurde erst ausgeschildert, als massenhaft Autofahrer in der Sackgasse strandeten – die Pleiten-, Pech- und Pannen-Liste ist lang. Krönung in der vergangenen Woche: das selbst verursachte Baustellenchaos in der Innenstadt: Da wird die Peter-Knecht-Straße, die als Bypass für die neue Einbahnregelung auf der Max-Leven-Gasse geplant war, mal eben für Tiefbauarbeiten dicht gemacht. In der Folge wurden hunderte Autofahrer tagelang in Dauerstaus gegrillt, aus denen es kein Entrinnen gab. „Alternativlos” befand die Stadt ungerührt. Dass dies eine Schutzbehauptung war, zeigt das Einknicken vor dem Bürgerzorn und den aufgeregten Nachfragen der Bezirkspolitiker: Am Dienstag drehte die Stadt die Einbahnregelung wieder um, damit der Verkehr fließen kann. Man steht fassungslos vor soviel Ignoranz. Warum gibt es nicht auch bei uns so etwas wie ein Büro für Baustellenkoordination, wo solche Konstellationen erkannt und präventiv vermieden werden?

Die Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen der Autofahrer beruhigt nicht gerade, was die derzeitige Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts für die Innenstadt angeht. Das soll ab 2022 den gordischen Verkehrsknoten in der City endlich durchschlagen. Laut offizieller Beteuerungen gibt es keine Denkverbote, Dogmen oder ideologische Debatten. Was schon deshalb nicht stimmt, weil es durchaus die Vorgabe gibt, den Anteil des Bus- und Bahnverkehrs auf 30 Prozent zu erhöhen. Das muss kein Problem sein, wenn die Steigerung erreicht würde, indem das Busfahren attraktiver wird. Doch das scheitert ja schon an so simplen Dingen wie Haltestellen-Ansagen oder Ticketverkauf in jedem Bus. So steht zu befürchten, dass die Quote erfüllt werden soll, indem man das Auto verdrängen will. Dann könnten die künstlichen Staus der vergangenen Woche schon mal ein Vorgeschmack sein.

TOP: Nach Kitas und Schulen kehrt auch die Politik in den Normalbetrieb zurück.

FLOP: Wegen Corona: Immer weniger Kinder können schwimmen.

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