Nahost-Konflikt

Israel-Flagge vor Rathaus angezündet

Der zweite Fahnenmast ist leer. Unbekannte hatten am Rathaus die israelische Flagge angezündet, die dort am Mittwoch anlässlich eines Gedenktages gehisst worden war.
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Der zweite Fahnenmast ist leer. Unbekannte hatten am Rathaus die israelische Flagge angezündet, die dort am Mittwoch anlässlich eines Gedenktages gehisst worden war.

Unbekannte haben die Israel-Flagge am Solinger Rathaus angezündet. Der Staatsschutz ermittelt zudem wegen antisemitischer Schmierereien am Solinger Hauptbahnhof.

Solingen. Unbekannte haben am Mittwochabend die israelische Flagge verbrannt, die vor dem Solinger Rathaus wehte. Die Stadt Solingen hatte sie am gestrigen 12. Mai dort gehisst, um an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel am 12. Mai 1965 zu erinnern. Vor dem Hintergrund des aktuell wieder aufgeflammten Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis sorgte dieser Schritt allerdings umgehend für heftige Diskussion auch in den so genannten Sozialen Medien. Das Hissen der Flagge wurde dort als einseitige Solidaritätsbekundung gegenüber Israel verstanden.

Gegen 23.15 Uhr ging dann die Anzeige bei der Polizei ein. Unbekannte hatte die Flagge angezündet. Zudem tauchten Schmierereien mit Bezug zum aktuellen Israel-Konflikt im Bereich des Solinger Hauptbahnhofes auf, berichtet die Polizei.

Israel-Flagge in Solingen angezündet - OB Kurzbach wünscht Vernunft und Menschlichkeit auf allen Seiten

„Diese schändliche Tat ändert nichts an unserer Haltung“, erklärt Kurzbach am heutigen Donnerstag. „Wer glaubt, mit dem Verbrennen einer Fahne unsere Solidarität erschüttern zu können, täuscht sich. Dem Hass gegen jüdische Menschen, der gegenwärtig immer deutlicher zu beobachten ist, treten wir entschieden entgegen. Wir setzen uns ein für die Würde eines jeden Menschen auf der ganzen Welt!“

Oberbürgermeister Tim Kurzbach hatte am Mittwoch ein Bild der nebeneinander wehenden deutschen und israelischen Flagge auch auf Instagram gepostet. Im Text erinnerte er an die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen beider Länder, die Gründung der Deutsch-israelischen Gesellschaft ein Jahr später sowie die „lebendige Städtepartnerschaft mit Ness Ziona“. Zudem verweist er in seinem Post auf die gerade eröffneten Ausstellungen im Zentrum für verfolgte Künste Solingen anlässlich des Festjahres „1700 Jahre deutsches Leben in Deutschland“.

„Den Antisemitismus zu bekämpfen bleibt die ständige Aufgabe aller aufgeklärten und vernünftig denkenden Menschen in unserem and und in ganz Europa“, schreibt der Solinger Oberbürgermeister in seinem Statement. „Deshalb hissen wir heute die Flagge Israels und senden damit ein Zeichen unserer unverbrüchlichen Freundschaft und Solidarität mit Israel und auch mit den Jüdinnen und Juden in der Klingenstadt und im Bergischen Land.“

Die Kommentarfunktion zu seinem Instagram-Post hat Kurzbach inzwischen deaktiviert. Auch angesichts des aktuell aufgeflammten Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis hatte es neben sachlicher Diskussion auch zahlreiche unsachliche Kommentare gegeben. „Das können wir hier nicht fair und angemessen moderieren, deshalb werden wir vorübergehend die Kommentarfunktion abschalten“, postete Kurzbach.

„Ich wünsche den jüdischen und arabischen Menschen von Herzen, dass auf allen Seiten Vernunft und Menschlichkeit siegen und ein friedlicher Interessenausgleich und ein gedeihliches Zusammenleben möglich sein werden. Wenn aber auf allen Seiten Hardliner die Richtung vorgeben, sieht es dafür leider nicht gut aus.“

Der Oberbürgermeister kündigt an: „Gemeinsam werden wir in unserer Stadtgesellschaft deutliche Zeichen gegen Antisemitismus und für den Frieden in unserer Stadt, im Nahen Osten und auf der Welt setzen.“ Darüber werde man sich in den nächsten Tagen intensiv beraten.

Der Freundeskreis Ness Ziona aus Solingen verurteilte die Tat scharf und kündigte Aktionen gegen Antisemitismus an: den 4. Kippa-Tag im August und die Wanderausstellung 1948.

Stadt Hagen holt Israel-Flagge wieder ein, um Missverständnisse zu vermeiden

Auch andere Kommunen hatten am Mittwoch die Israel-Flagge gehisst - was von Außenstehenden zum Teil als Solidaritätsbekundung gegenüber Israel verstanden wurde. Die Stadt Hagen etwa holte die Flagge noch am gleichen Tage wieder ein, um Missverständnisse zu verhindern, berichten dortige Lokalmedien. neu

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