Immobilien

Investoren bauen mehr Sozialwohnungen

Im Neubau des Spar- und Bauvereins am Böckerhof wurden neun der 33 Wohnungen öffentlich gefördert. Sie müssen darum günstig angeboten werden.
+
Im Neubau des Spar- und Bauvereins am Böckerhof wurden neun der 33 Wohnungen öffentlich gefördert. Sie müssen darum günstig angeboten werden.

Die Zahl der neu geschaffenen, öffentlich geförderten Wohneinheiten hat sich 2020 verdreifacht.

Von Andreas Tews

Solingen. Rund 15 Millionen Euro investierten Bauträger und Eigentümer im vergangenen Jahr in öffentlich geförderte Wohneinheiten in Solingen. Damit schufen sie nach Angaben des Rathauses 92 Sozialwohnungen und damit deutlich mehr als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2019 waren es nur 28, im Jahr davor sogar nur 12 Einheiten. Bei der Stadtverwaltung und in weiten Teilen der Politik sieht man dies als Erfolg. Vor allem die CDU mahnt aber, auch bezahlbaren Wohnraum vor allem für die Mittelschicht zu schaffen.

Nach dem städtischen Handlungskonzept Wohnen sollen bis 2040 jährlich zwischen 20 und 45 neue Sozialwohnungen gebaut werden. Dies ist nötig, weil Jahr für Jahr ältere Wohnungen aus der Preisbindung für geförderten Wohnraum herausfallen. Sie stehen damit in vielen Fällen als Sozialwohnungen faktisch nicht mehr zur Verfügung. Als Ziel wurde in dem Handlungskonzept formuliert, dass 30 Prozent der in Solingen neu entstehenden Wohnungen öffentlich gefördert werden und damit besonders günstig sein sollen. Doch nicht jeder Investor ist dazu bereit. Viele Neubauprojekte bieten vor allem höherpreisige Wohnungen.

„Es gibt generell zu wenig bezahlbaren Wohnraum.“
Daniel Flemm, CDU-Fraktionschef

Die geförderten Projekte aus dem Jahr 2020 lassen sich dem 2019 beschlossenen Handlungskonzept noch nicht zuordnen, heißt es in einer Mitteilung des Rathauses an die Politik. Der Stadtdienst Wohnen verfolge das Ziel, die Unternehmen bei der Schaffung öffentlich geförderter Wohnungen zu unterstützen. Unter anderem bietet das Rathaus Hilfe beim Bemühen um öffentliche Zuschüsse an.

Größter Investor in diesem Segment ist in Solingen der Spar- und Bauverein (SBV). „Wir wollen ausgewogen sein und ein Angebot für alle schaffen“, erklärt Prokurist Klaus Rose. Darum strebe der SBV bei seinen Wohnungsprojekten einen Mix aus Wohnungen mehrerer Preissegmente an. Etwa ein Drittel der neu entstehenden Wohnungen des Unternehmens seien öffentlich gefördert. Neun geförderte Wohnungen hat der SBV 2020 zum Beispiel im Neubauprojekt Böckerhof geschaffen.

Die allgemeine Steigerung bei den Sozialwohnungen bezeichnet Thilo Schnor (Grüne), Vorsitzender des städtischen Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen, als positiv. Er spricht von einer „guten Tendenz“. Es sei aber nach wie vor ein Problem, dass Sozialwohnungen aus der Preisbindung herausfallen. Deren Zahl sei größer als die der neu geschaffenen Einheiten. Die Verwaltung müsse zudem darstellen, inwieweit die angestrebte 30-Prozent-Quote eingehalten werde. Die im Handlungskonzept erwähnte Zielmarke von 20 bis 45 neuen Wohnungen pro Jahr hält er für zu niedrig. Schnor verspricht: „Wir bleiben an dem Thema dran.“

Das sichert auch die SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Iris Preuß-Buchholz zu. Sie sieht „erste positive Zeichen“ bei der Schaffung neuer Sozialwohnungen. Eine Steigerung sei wichtig, da über Jahrzehnte zu wenig geschehen sei.

CDU-Fraktionschef Daniel Flemm räumt zwar ein, dass es „im Grundsatz richtig“ sei, mehr geförderte Wohnungen zu schaffen. Er lenkt den Blick aber auch auf Familien mit Kindern oder Zwei-Personen-Haushalte, also den „Mittelbau zwischen 30 Jahren und Rentenalter“. Viele, die keinen Anspruch auf Sozialwohnungen haben, hätten Schwierigkeiten, bezahlbare Wohnungen oder Immobilien in Solingen zu finden. Dies bereitet Flemm Sorgen, weil die Gefahr drohe, dass künftige Leistungsträger die Stadt verlassen. Auch sei es wichtig, die neu Zugezogenen nicht wieder zu verlieren. Flemm: „Die einzige Lösung ist: Es muss mehr gebaut werden.“ Darum solle die Stadt zusätzliche Flächen für Wohnungsbau schaffen.

SPD-Frau Preuß-Buchholz: sieht dies nicht ganz so dramatisch. Sie vertraut auf die Wohnungsbaugenossenschaften: „Die greifen regulierend in den Markt ein.“ 

Entwicklung beim sozialen Wohnbau

Summen: Rund 60 Millionen Euro wurden in den vergangenen fünf Jahren für geförderten Wohnungsbau ausgegeben. Dafür erhielten die Investoren öffentliche Zuschüsse in Höhe von insgesamt rund 33,2 Millionen Euro.

Wohneinheiten: 2020 wurden in diesem Segment 92 Wohnungen geschaffen. Dies waren deutlich mehr als 2019 (28), 2018 (12) und 2017 (29). Im Jahr davor wurden aber 211 öffentlich geförderte Wohnungen (für 28,9 Millionen Euro) gebaut.

Standpunkt: Markt regelt nicht alles

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Solingen ist als Wohnort für Menschen von der Rheinschiene zunehmend attraktiv. Die erfreuliche Folge ist, dass die Zahl der Einwohner tendenziell steigt. Soweit die guten Nachrichten. Diese Entwicklung hat aber Folgen. Nicht nur in Ohligs, dem Stadtteil, der am besten an die großen Städte am Rhein angebunden ist, steigen die Miet- und Immobilienpreise. Zustände wie in Köln, Düsseldorf oder gar München werden wir im Bergischen zwar nicht bekommen. Dennoch muss die Politik wachsam sein, denn der Markt regelt nicht alles so, wie es gewünscht ist. Dies zeigt unter anderem die Entwicklung bei den öffentlich geförderten Sozialwohnungen. Hier haben die Verantwortlichen jahrelang die Zügel schleifen lassen. Trotz der in dieser Stadt stark vertretenen Wohnungsgenossenschaften besteht in diesem Marktsegment ein großer Nachholbedarf. Aber nicht nur dort. Darum ist das Bestreben des Spar- und Bauvereins, möglichst durchmischte Siedlungen zu schaffen, zielführend. Die Stadt wird ihre Einwohner nur dann halten, wenn sie für jede Preisklasse etwas im Angebot hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz weiter über 50
Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz weiter über 50
Corona: Landesweit höchster Wert - 7-Tage-Inzidenz weiter über 50
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
Vollsperrung in der City wird aufgehoben
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
Solingerin Ricarda will bei Pro-7-Show 25.000 Euro gewinnen
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein
23-Jähriger schlägt auf Kontrolleurin ein

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare