ST vor Ort

Interview mit Paul Westeppe (CDU): Bekämpfung der Flutschäden ist jetzt die Hauptaufgabe

Vom Pfaffenberger Weg blickt Bezirksbürgermeister Paul Westeppe über die Wupperberge. Foto: Christian Beier
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Vom Pfaffenberger Weg blickt Bezirksbürgermeister Paul Westeppe über die Wupperberge.

Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU) setzt auf gute Kommunikation im Stadtteil.

Von Simone Theyßen-Speich

Von 1999 bis 2014 und jetzt wieder seit 2020 sind Sie Bezirksbürgermeister in Höhscheid. Wie hat sich die Situation in den zwei Amtszeiten verändert?
Paul Westeppe: Mit meinem Start 1999 wurde es ja die gemeinsame Bezirksvertretung (BV) Burg/Höhscheid. Aber auch in der größeren Runde war und ist es gute Tradition, in einem sehr kollegialen Klima zu arbeiten. Ich habe mal bei der Adenauer-Stiftung Seminare zur Kommunalpolitik gegeben und den Satz geprägt „Dem Bürger ist es egal, mit welcher Mehrheit die Kanalrohre vor Ort in die Erde kommen“. Auch mit Axel Birkenbeul von der SPD, dessen Stellvertreter ich von 2014 bis 2020 war, habe ich immer gut zusammengearbeitet.
Ihre Wahl 2020 kam ja dann für alle etwas überraschend – auch für Sie?
Westeppe: Tatsächlich war es auch für mich überraschend. Aber die Wahl hat gezeigt, dass man nicht auf Stadtebene planen kann, wer wie was im Stadtteil machen soll. Jetzt sind wir dabei, in der Bezirksvertretung das neue Team vertrauensvoll aufzubauen. Wichtig ist dabei immer, die Interessen der Bürger im Blick zu haben. 95 Prozent der Entscheidungen in der BV sind ja völlig ideologiefrei und sollten auch so beantwortet werden. Ich bin auf jeden Fall bemüht, ein gutes Klima für die Wahlperiode sicherzustellen.
Welche großen Themen müssen Sie in Höhscheid angehen?
Westeppe: Seit der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ist unsere Agenda natürlich durch ein riesengroßes Thema erweitert, die Bekämpfung der Folgen durch die Hochwasser-Katastrophe. Neben den immensen Schäden im Stadtteil Burg ist auch Höhscheid mit den Wupperschäden zwischen Müngsten und Haasenmühle und den vielen anderen Schäden, etwa in den Kotten, stark betroffen. Neben der Hilfe und dem Wiederaufbau müssen wir auch fragen, ob unser Warnsystem noch zeitgemäß ist. Im Tal der Wupper gibt es mehrere Funk- und damit auch Alarmierungslöcher. Obenrüden beispielsweise hat keinen Handyempfang. Das zentrale Warnsystem müssen wir auf Stadtebene lösen.
Mit dem schönen Blick auf die Wupperberge – welche Rolle spielt das Thema Wald in den kommenden Jahren?
Westeppe: Das ist ein ganz großes Thema. Höhscheid ist zwar nicht der bevölkerungsstärkste, aber der größte Solinger Stadtteil – und der mit der meisten Waldfläche. Bei genauer Betrachtung sind die Schäden am Wald immens, besonders an den Fichten, die durch Dürre und Borkenkäfer-Befall sehr gelitten haben. Wir müssen beim Waldumbau ökologische, klimatische und touristische Aspekte unter einen Hut bringen. Mit Blick auf die Hochwasser-Katastrophe spielt der Wald auch als Wasserspeicher eine große Rolle. Markus Schlösser, zuständiger Abteilungsleiter vom Stadtdienst Natur und Umwelt, hat einen „Runden Tisch Wald“ eingerichtet, ich denke, dass das Thema bis zu unserer September-Sitzung beratungsreif ist. Teilweise haben die Förster auf den geräumten Waldflächen schon Zwischensaaten eingebracht und auch neu bestockt, um die Erosion zu verhindern.
Welche Aufgaben stehen denn jetzt mit Blick auf den Tourismus dringend an?
Westeppe: Wir müssen schnell die vom Hochwasser zerstörten Wanderwege wieder in den Griff bekommen, die Brücke am Obenrüdener Kotten sanieren, auch am Wupperhof, in Rüden-Friedrichstal, an der Haasenmühle und der Ölmühle gibt es extreme Zerstörung. Wie lange das alles dauern wird, ist aber reine Spekulation.
Auf den Höhscheider Ortskern bezogen – dort ist kein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) geplant wie in Ohligs oder Wald. Welchen Weg wollen Sie gehen?
Westeppe: Ein Stadtteilentwicklungskonzept – unter anderem Namen – haben wir schon 2004 für den Bereich Neuenhofer / Grünewalder Straße in der BV beschlossen. Vom Haltepunkt Grünewald bis zur Einmündung Erfer Straße gibt es einen festgelegten Einzelhandelsbereich. Die Besonderheit des Stadtteils mit seinen drei Höhenrücken Widdert, Höhscheid und Katternberg ist ja, dass es nie nur einen Ortskern wie in Ohligs, Wald oder Gräfrath gab. Der Handel hat sich entlang der Straßenachse entwickelt. Der Vorteil ist, dass man mit dem Auto bis vors Geschäft fahren kann. Auch das Grünewaldzentrum funktioniert mitten in dem Bereich – und nicht auf der grünen Wiese. Andererseits fehlt in den Peripherie-Bereichen wie Katternberg, Vockert oder Widdert die Nahversorgung. Leider lohnt sich auch der Markt auf dem Peter-Höfer-Platz, wo es donnerstags nur noch einzelne Stände gibt, kaum.
Wie kann die Politik vor Ort gegensteuern?
Westeppe: Die Politik kann sich für Dinge stark machen, aber das lohnt nicht, wenn das Angebot nicht angenommen wird. Bereits beschlossen haben wir die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Bereich zwischen Erfer Straße und Fritz-Reuter-Straße. Damit wollen wir in eine zusätzliche Marktansiedlung ordnend eingreifen und auch Einfluss auf die Optik der Bebauung nehmen.
Drei Höhenrücken und mittendrin die Bundesstraße 229 – wie sieht der Nahverkehrsplan für Höhscheid aus?
Westeppe: Wir müssen uns dem Nebeneinander der Verkehrsarten widmen. Wir haben vom Bahnhof Mitte nach Grünewald eine kurze Bahnverbindung und eine 7-Minuten-Verbindung nach Ohligs. Probleme macht die Peripherie. Nach Rüden, Kohlsberg, Katternberg, Wupperhof und Leichlingen wird die Busstrecke teilweise nur stündlich bedient. Das müssen wir optimieren, um Anreize zu schaffen. Bei der Verkehrsbelastung auf der B 229 könnte auf Stadtebene nachgedacht werden, wie man etwa einen zentralen Speditionshof für die Belieferung von Handel und Privatleuten schafft.
Höhscheid hat eine Gesamtschule und fünf Grundschulen. Welche Aufgaben stehen da an?
Westeppe: Bei den Grundschulen steht der Ausbau der Schule Schützenstraße auf drei Züge an. Für einen Erweiterungsbau auf dem Schulgelände müssten aber Teile der Schule ausgelagert werden – etwa in die ehemalige Hauptschule Höhscheid. Die wird derzeit aber noch als Ausweichquartier des Gymnasiums Schwertstraße gebraucht. Es gibt also viel zu tun, aber es bleibt spannend und es macht Spaß.

Weitere Themen

Themen der Woche:

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Im Stadtteil Höhscheid geht es in dieser Woche um die Sanierung der Lutherkirche, deren Gemeinde größtenteils in Höhscheid beheimatet ist. Zudem startet die Gesamtschule Höhscheid erstmals Richtung Abitur. Auch Höhscheids „kleine Schwester“ Widdert wird besucht. Zudem geht es um die aktuelle Situation von Obenrüdener, Balkhauser und Wipperkotten.

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier.

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