Montagsinterview

Kulturmanagerin Sonja Baumhauer: „Wir haben einiges auf den Weg gebracht“

Kulturmanagerin Sonja Baumhauer versucht auch in der Pandemie, kulturelle Akzente in der Stadt zu setzen. Archivfoto: Christian Beier
+
Kulturmanagerin Sonja Baumhauer versucht auch in der Pandemie, kulturelle Akzente in der Stadt zu setzen. Archivfoto: Christian Beier

Kulturmanagerin Sonja Baumhauer über das kulturelle Angebot in Solingen und die Probleme durch die Pandemie

Von Kristin Dowe

Frau Baumhauer, Sie haben Ihre Aufgabe als Kulturmanagerin der Stadt Solingen im vergangenen Jahr mitten in der Corona-Krise übernommen. Hatten Sie zwischenzeitlich jemals Zweifel an der Entscheidung?
Sonja Baumhauer: Es ist für alle eine herausfordernde Situation, und natürlich hätte ich mir meinen Start ein wenig anders vorgestellt. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass die Entscheidung richtig war, nach Solingen zu wechseln. Die Stadt verfügt über ein tolles Netzwerk und trotz der Corona-Pandemie habe ich schon viele Mitwirkende kennenlernen dürfen. Gemeinsam haben wir unter diesen erschwerten Bedingungen einiges auf den Weg gebracht.
Woran denken Sie da?
Baumhauer: Insgesamt haben wir das Angebot des Theater und Konzerthauses deutlich weiterentwickelt. Dabei haben wir verschiedene Schwerpunkte gesetzt und möchten zum einen die Stadtkultur bei uns im Haus einbinden, aber auch mit unseren Veranstaltungen raus in die Stadt gehen und Kulturinitiativen und Vereine deutlich stärker einbeziehen und unterstützen. Auch die kulturelle Bildung haben wir massiv ausgebaut. So gibt es zu vielen Veranstaltungen etwa Einführungsgespräche oder Workshops. Im Sommer nächsten Jahres werden wir das erste Hörspiel-Festival feiern können. Darauf freue ich mich sehr. Auch bei Eigenproduktionen binden wir die Solinger Kulturszene ein. Da sind Veranstaltungen wie „Rockcity is electric“, wo die Geschichte der Solinger Rockkultur aufgegriffen und variantenreich und unterhaltsam in Kooperation mit der Solinger Jugendförderung präsentiert wird. Das war für mich ein Highlight, das trotz Corona stattfinden konnte und auf sehr gute Resonanz gestoßen ist.
Zur allgemeinen Enttäuschung musste die Produktion „Aschenputtel und der Prinz“ zumindest als Präsenzveranstaltung abgesagt werden. Wie haben die Beteiligten das aufgenommen?
Baumhauer: Natürlich hat das bei allen erst mal große Traurigkeit ausgelöst. Schließlich wurde da schon zum zweiten Mal sehr viel Herzblut reingesteckt. Das Stück ist jetzt schon zum zweiten Mal bis zur Produktionsreife gelangt und es fehlten ja „nur“ noch die Aufführungen. Für das Ensemble und die Mitarbeitenden im Haus war das schon ein harter Schlag. Dennoch sind wir auf großes Verständnis gestoßen, weil in dieser schwierigen Zeit niemand irgendjemand anderen in Gefahr bringen möchte. Die Sorgen von Schulen und Eltern sind sehr stark an uns herangetragen worden. In dem Fall geht der Gesundheitsschutz einfach vor.

„Viele kommen genau deshalb zu uns, weil der Gesundheitsschutz einen sehr hohen Stellenwert hat.“

Sonja Baumhauer
Unter welchen Umständen muss eine Veranstaltung abgesagt werden?
Baumhauer: Die Absage von „Aschenputtel“ hatte vor allem mit der deutlich höheren Inzidenz unter Schülerinnen und Schülern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zu tun. Bei anderen Produktionen gibt es ganz verschiedene Kriterien. Wenn beispielsweise Darstellerinnen und Darsteller aus anderen Ländern kommen und dort mit einem Impfstoff geimpft wurden, der hier einfach nicht anerkannt wird, bedeutet das für die Beteiligten den Zwang einer 14-tägigen Quarantäne. Befinden sie sich auf einer Tournee, so sind die Zeiten meist so getaktet, dass es für den Tournee-Anbieter nicht mehr wirtschaftlich ist und es zu Absagen kommt. Das ist natürlich auch erforderlich, wenn im Bereich der Anbieter eine Corona-Infektion auftritt.
Bei einigen Veranstaltungen gilt sogar die Maskenpflicht am Sitzplatz. Was ist da der Hintergrund?
Baumhauer: Das gibt die seit 4. Dezember gültige Corona-Schutzverordnung des Landes vor. Die Maskenpflicht besteht demnach dann, wenn Zuschauer nicht im Schachbrett gesetzt wurden. Als diese Regelung noch nicht galt, haben wir die Karten nicht unter der Schachbrett-Maßgabe verkauft. Aus diesem Grund gibt es nun eine Maskenpflicht am Sitzplatz. Leider ist es auch nicht möglich, die Gäste noch umzusetzen, da wir ja seit einiger Zeit gar keine Nachverfolgung mehr haben und so nicht von jedem Besucher die Kontaktdaten vorliegen. Wenn nun eine Person beispielsweise zehn Karten für Freunde und Familie kauft, können wir nicht nachvollziehen, wen wir wie setzen müssen. Da treffen Theorie und Praxis aufeinander.
Wie läuft es mit der 2G-Plus-Regelung im Veranstaltungsbereich – stoßen Sie auf Verständnis der Besucher?
Baumhauer: Hier bildet sich die gesellschaftliche Gesamtentwicklung ab. Es gibt sehr viele Menschen, die uns unterstützen und genau deshalb zu uns kommen, weil der Gesundheitsschutz einen sehr hohen Stellenwert für uns hat. Aber es gibt auch das andere Extrem, Menschen, die Unverständnis zeigen, weil ihnen der Mehraufwand, eine Veranstaltung zu besuchen, zu hoch ist. Wir stellen ja überall fest, dass kontrovers diskutiert wird und es teils sehr konfrontativ zugeht.
Auch wenn es durch die Corona-Situation natürlich große Einschränkungen beim Angebot gab – hatten Sie in Solingen ein Kulturerlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Baumhauer: Vieles konnte nicht stattfinden oder fand anders statt als gewohnt. Beispielsweise fand ich es toll, dass wir die Kulturnacht durch die Veranstaltung „Spot on – Kultur“ wenigstens ein Stückchen retten konnten. Wir haben bestimmt fünf verschiedene Konzepte entwickelt – wohl gemerkt unter unterschiedlichsten Corona-Schutzverordnungen, die in der Vorbereitung abwechselnd gültig waren. Dementsprechend froh waren wir, dass wir anstelle einer Absage mit den Kulturpartnern eine kleine Variante mit einem vielfältigen Programm anbieten konnten.
Das Theater und Konzerthaus hat während der Pandemie immer wieder auf digitale Veranstaltungsformate gesetzt. Sehen Sie darin auch nach Corona Potenzial?
Baumhauer: Als Ergänzung kann ich mir das sehr gut vorstellen. Allerdings lebt Kultur auch vom Live-Erlebnis und dem Austausch untereinander. Die Interaktion der Akteure auf der Bühne mit dem Publikum ist sehr wichtig und die persönlichen Begegnungen vor und nach einer Veranstaltung sind nicht zu ersetzen.
Zuletzt haben viele Mitarbeitende im Theater und Konzerthaus das Ordnungsamt bei der Kontaktverfolgung unterstützt. Wie sieht jetzt die personelle Situation dort aus?
Baumhauer: In der Zeit, als der Lockdown das Theater und Konzerthaus so getroffen hat und wir keine Veranstaltungen durchführen konnten, haben wir mit unserem Personal Ordnungs- und Gesundheitsamt sowie das Impfzentrum unterstützt. Deshalb waren viele aus unserem Team gar nicht im Haus. Nichtsdestotrotz haben die Verbleibenden hier alles ermöglicht, was stadtintern gelaufen ist. Da unser Haus über die größten Räumlichkeiten verfügt, wurden hier beispielsweise die Menschen angelernt, die in der Kontaktverfolgung tätig waren. Auch die Kontaktverfolgung fand zeitweise durch die Bundeswehr unterstützt in unseren Räumlichkeiten statt. Seitdem das Haus wieder für Veranstaltungen geöffnet ist, haben wir das Personal auch wieder zurück. Denn auch wir müssen bei den jetzigen Kulturveranstaltungen einen deutlich höheren Hygienestandard sicherstellen, der natürlich deutlich mehr Personalaufwand bedeutet.
Was zeichnet ein gutes Kulturangebot für Sie aus, wenn die finanziellen Mittel – wie in Solingen – begrenzt sind?
Baumhauer: Man sollte die maximalen Möglichkeiten ausschöpfen. Dazu gehört für mich, zum einen auf die künstlerische Qualität der Angebote zu achten, zum anderen aber auch dafür Sorge zu tragen, dass es ausreichend Veranstaltungen gibt, damit die Solingerinnen und Solinger auch ein attraktives Kulturangebot haben. Natürlich ist das unter den finanziellen Voraussetzungen immer ein Balanceakt. Und das Angebot muss natürlich den Besucherinnen und Besuchern gefallen. Dazu führen wir regelmäßig Umfragen durch, in denen wir glücklicherweise sehr gut abschneiden.

Zur Person

Sonja Baumhauer leitet seit Mai 2020 das städtische Kulturmanagement und löste Hans Knopper ab. Vor ihrer Tätigkeit in Solingen verantwortete sie etwa das Ulla-Hahn-Haus in Monheim.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Impfpflicht für Personal wirft in Solingen Fragen auf
Impfpflicht für Personal wirft in Solingen Fragen auf
Impfpflicht für Personal wirft in Solingen Fragen auf
Die Eschbachstraße wird wieder zur Baustelle
Die Eschbachstraße wird wieder zur Baustelle
Die Eschbachstraße wird wieder zur Baustelle
Corona: Inzidenz steigt auf 1138,9
Corona: Inzidenz steigt auf 1138,9
Corona: Inzidenz steigt auf 1138,9
Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen
Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen
Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen

Kommentare