An IBM verkauft

Instana bleibt eine Solinger Erfolgsgeschichte

Der IT-Unternehmer Mirko Novakovic bleibt nach dem Verkauf an IBM Chef von Instana – und die Firma in Solingen. Archivfoto: Christian Beier
+
Der IT-Unternehmer Mirko Novakovic bleibt nach dem Verkauf an IBM Chef von Instana – und die Firma in Solingen.

Mirko Novakovic hat das Start-up, das IBM nun kauft, zur festen Größe für Künstliche Intelligenz entwickelt.

Von Philipp Müller

Solingen. In drei Etappen seit 2016 haben Investoren 57 Millionen US-Dollar in das in Solingen gegründete Start-up-Unternehmen Instana investiert. Nun gab der IT-Riese IBM bekannt, das Unternehmen gekauft zu haben. Mirko Novakovic hatte den IT-Dienstleister gegründet. Der Solinger bleibt weiterhin Chef von Instana. Und die Software-Schmiede werde auch weiterhin das Entwicklungszentrum am Standort Solingen betreiben. Mittlerweile arbeiten 160 Mitarbeiter in Solingen, München und in den USA für Instana.

Novakovic erklärt, sein Unternehmen gehöre zu den zehn in Deutschland ansässigen Firmen, die sich überhaupt der Schaffung von Informationstechnologie (IT) widmen würden. „Es ist daher auch ein Ausrufezeichen für den IT-Standort Deutschland, wenn ein Global Player wie IBM sich dafür interessiert.“ Zugleich mache das Volumen des Verkaufs es auch zu einem der größten IT-Geschäfte dieser Art in der Geschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Zustimmen müssen dem Kaufvertrag in Deutschland das Außenwirtschaftsministerium und in den USA die Kartellbehörden. Instana ist in Solingen eine GmbH und in den USA rechtlich eine Inc. – eine Form der Aktiengesellschaft. IBM hatte diese Woche verkündet, mit den Zustimmungen zum Kauf im ersten Quartal 2021 zu rechnen.

„Alle Mitarbeiter haben Firmenanteile, die sie jetzt mit Gewinn verkaufen.“
Mirko Novakovic, Instana-Chef

Für Mirko Novakovic ist das aber nicht nur ein Geschäft. Es sei auch eine Anerkennung der geleisteten Arbeit. Die zahle sich jetzt übrigens nicht nur für die Investoren aus, zu denen in Solingen Codecentric und er selbst gehören. „Alle Mitarbeiter haben Firmenanteile, die sie jetzt mit Gewinn verkaufen.“ Das sei das Modell des Silicon Valley in den USA, alle Gründer am Erfolg zu beteiligen. Er hoffe, dass das Geld auch weiter in neue Start-ups investiert werde. Er selbst hat das mit seinem Start-up-Center an der Prinzenstraße vor, das gerade eingerichtet wird.

Der Investor Accel aus den USA, der alleine 20 Millionen Dollar bereitgestellt hatte, sagt zum Verkauf: „Instana ist viel mehr als eine Solinger Erfolgsgeschichte.“ Die Firma habe sich „zu einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Application Performance Management entwickelt.“

Was ist das genau? Es geht um AI (Artificial Intelligence), zu deutsche Künstliche Intelligenz. Instana hat eine Software entwickelt, die sich ganz unspektakulär zunächst die Abläufe der IT beim Kunden anschaut und analysiert. Werden Probleme erkannt, meldet die Software sie und gibt Lösungsideen. Je öfter und bei je mehr Kunden Instana das macht, umso schneller und genauer wird der Überwachungsprozess. Denn die Instana-Software merkt sich jede Problemstellung und Lösung. So entsteht ein immer besseres digitales Schweizer Messer mit einer wachsenden Zahl an kleinen Software-Werkzeugen, um auf IT basierende Arbeitsabläufe zu optimieren.

Namhafte Firmen setzen bereits auf die Instana-Technologie

Mit Douglas, Porsche, Paypal, Ebay, Mercedes, der Telekom oder Vodafone würden schon viele große Unternehmen auf die Analyse und Hilfestellung durch das Instana-Tool setzen, erklärt Novakovic. Es gehe jetzt darum, unter dem Dach von IBM deren Software-Lösungen mit denen von Instana zu verbinden: „IBM hat bisher eher auf eine ältere Technik gesetzt, das wird in der Kombination einen Fortschritt bedeuten, denn zur Weiterentwicklung kann jetzt auf Tausende Software-Experten von IBM zugegriffen werden.“

Das alles sei ein langfristiges Geschäft, denn Instana werfe noch keine Gewinne ab. Trotzdem sei jeder Dollar gut investiert, ist Novakovic sicher: „Das muss man wie beim Kraftwerksbau sehen. Zuerst stellt man das hin und es wirft später im laufenden Betrieb die Renditen ab.“ Daran werde jetzt schnell gearbeitet. | Standpunkt

Stimmen

IBM: Rob Thomas, Senior Vice President, sagt: „Die Übernahme von Instana durch IBM ist ein wichtiger Schritt, den wir unternehmen, um Firmen das umfassendste Portfolio an AI-automatisierten Lösungen zur Verfügung zu stellen.“

Instana: Mirko Novakovic sagt: „Instana in Kombination mit IBM bietet Kunden einen vollständigen Überblick über ihre Anwendungsprozesse.“

Standpunkt: Solingen ist IT-Standort

Von Philipp Müller

Wer weiß schon so genau, was in einem Computer so alles vorgeht? Die Softwareentwickler unter den 160 Beschäftigten von Instana schon. Nicht nur das. Sie lassen ein Programm auf die IT-Welt ihrer Kunden los, das von Tag zu Tag – ach was – von Sekunde zu Sekunde schlauer wird.

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Webshops werden so genauer, Bezahlvorgänge im Internet sicherer und am Produktionsband von Porsche oder Mercedes fluppt es auch besser. Solche Nachrichten erwartet man eher aus dem Silicon Valley in Kalifornien und nicht aus Solingen. Und doch ist es dem IT-Kaufmann Mirko Novakovic gelungen, Experten der Branche an die Wupper zu locken. 

Der doppelte Lohn: Der riesige IT-Tanker IBM kauft die Firma nicht nur schnöde, er setzt auch weiter auf die Tüftelkünste aus Solingen und die kaufmännische Weitsicht von Novakovic. Auf den ersten Blick mag man den Abverkauf in die USA bedauern. Auf den zweiten Blick ist das Geschäft aber auch ein Zeichen ganz positiver Art. Im IT-Neuland Deutschland gibt es auch Weltmarktführer. Ausgerechnet aus Solingen. Klasse. 

Auf der einen Seite steht der chronische Fachkräftemangel der Wirtschaft bei der Informationstechnologie (IT). Auf der anderen Seite ringen die Solinger Schulen um den schnellsten Weg, die Digitalisierung der Schulgebäude und des Unterrichts umzusetzen. Geht das nicht gemeinsam, digital Inhalte auch für das spätere Berufsleben zu vermitteln?

Der Ohligser Unternehmer Mirko Novakovic verlässt Solingen und zieht am Donnerstag mit seiner Ehefrau Dragana und seinen drei Kindern nach San Francisco.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Zwei verletzte Personen nach Zusammenstoß - Hoher Sachschaden
Zwei verletzte Personen nach Zusammenstoß - Hoher Sachschaden
Zwei verletzte Personen nach Zusammenstoß - Hoher Sachschaden
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare