Werkstatt-Standort

Initiativkreis Inklusion kritisiert Lebenshilfe

Die Mitglieder des Initiativkreises Inklusion sehen bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderung noch Nachholbedarf: Monika Wolter von der Kokobe (von links), Gründungsmitglied Dorothee Daun, Philipp Rottner von der Unabhängigen Teilhabeberatung und Marco Roth (Kokobe). Foto: Tim Oelbermann
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Die Mitglieder des Initiativkreises Inklusion sehen bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderung noch Nachholbedarf: Monika Wolter von der Kokobe (von links), Gründungsmitglied Dorothee Daun, Philipp Rottner von der Unabhängigen Teilhabeberatung und Marco Roth (Kokobe).

Gremium fordert mehr Mitsprache für die Mitarbeiter bei den Plänen für einen neuen Werkstatt-Standort

Solingen. Die Nachrichten aus der Lebenshilfe Solingen Anfang der Woche haben für Aufregung gesorgt. Wie das ST berichtete, gibt es Überlegungen, die Werkstatt für Menschen mit Behinderung von Wald an die Stadtgrenze zu Wuppertal zu verlegen. „Viele Mitarbeiter haben davon aus der Zeitung erfahren“, sagt Ursula Theresia Mihm vom Lebenshilfe-Werkstattrat. „Inklusion ist das, was da geplant wird, wirklich nicht.“ Heute ist der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Zum Aktionstag macht der Solinger Initiativkreis Inklusion darauf aufmerksam, wo auch in der Klingenstadt noch Nachholbedarf bei der Teilhabe behinderter Menschen besteht. In dem Gremium sind verschiedene Einrichtungen, Beratungsstellen und Vereine vertreten.

Angesichts der Lebenshilfe-Pläne fordert Dorothee Daun, Gründungsmitglied des Initiativkreises und Vorsitzende von Autismus Rhein-Wupper: „Mit allen Beteiligten muss vernünftig kommuniziert werden. Man sollte nicht für, sondern mit den Menschen mit Behinderung sprechen.“ Die Corona-Pandemie macht es für die Beschäftigten jedoch schwierig, sich zu organisieren. „Eine Versammlung ist derzeit nicht möglich“, sagt Ursula Theresia Mihm. Einen möglichen Umzug nach Gräfrath lehnen die Mitarbeiter aus mehreren Gründen ab, berichtet sie. „Wer mit dem Bus dorthin fährt, muss danach noch 500 Meter den Berg rauflaufen.“ Hinzu kommt: Am derzeitigen Werkstatt-Standort an der Freiheitstraße seien Hilfeeinrichtungen wie die Kokobe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung) und die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) in unmittelbarer Nähe. „Da muss man nur eben hinüberlaufen.“ Das würde in Gräfrath wegfallen.

Die Vertreter der Beratungsstellen sehen die Pläne der Lebenshilfe ebenfalls kritisch. „Wenn zum neuen Standort Fahrdienste organisiert werden müssen, schafft das Abhängigkeiten“, sagt Monika Wolter von der Kokobe.

Solingen: Zusätzliche Hindernisse durch die Pandemie

Die Arbeit der Beratungsstelle ist aktuell durch die Corona-Regeln eingeschränkt. Der direkte Kontakt in der Beratungsstelle an der Weyerstraße sei derzeit nicht möglich, berichtet Wolter. „Wir beraten jetzt online und telefonisch.“ Für viele Menschen mit Behinderung stellt das jedoch eine Hürde dar: etwa weil kein schnelles Internet vorhanden ist oder die Geräte fehlen. An virtuellen Veranstaltungen teilnehmen zu können, sei aber eine wichtige Form der Teilhabe, betont Aldona Gonzalez Thimm, Behindertenkoordinatorin der Stadt Solingen.

Auch in anderen Bereichen sehen die Mitglieder des Initiativkreises noch Handlungsbedarf. So seien etwa Reisen für Menschen mit Behinderung oft teuer, wenn speziell ausgestattete Hotels und eine Hebebühne für den Reisebus vorhanden sein müssten, erklärt Dorothee Daun. Ein weiteres Beispiel seien strukturelle Hindernisse, sagt Jana Westphal von der unabhängigen Beratung EUTB. Oft sei es leichter, einen Rentenantrag zu stellen, als weiter nach einer Arbeitsstelle zu suchen.

Initiativkreis

Der 2011 gegründete Initiativkreis Inklusion Solingen organisiert mit Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) Treffen, Workshops, Chorproben, Einkaufsbummel, Ausflüge und Reisen, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung etwas unternehmen.

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