Unternehmen beweisen Kreativität

Inhabergeführte Modeläden kämpfen gegen die Krise

Seit 2015 bietet Frank Schlemper nicht nur in seinem Geschäft an der Düsseldorfer Straße Damenmode an, sondern zusätzlich in einem eigenen Onlineshop. Foto: Tim Oelbermann
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Seit 2015 bietet Frank Schlemper nicht nur in seinem Geschäft an der Düsseldorfer Straße Damenmode an, sondern zusätzlich in einem eigenen Onlineshop.

Unternehmer beweisen Kreativität mit Onlineshops, zusammengestellten Outfits und WhatsApp-Gruppen

Solingen. Ein Freund hat Frank Schlemper 2015 auf die Idee gebracht, einen Onlineshop zu eröffnen. Der ursprüngliche Plan war, die stagnierenden Umsätze im stationären Handel auszugleichen. In der Corona-Pandemie hat sich das digitale Angebot zur Lebensversicherung entwickelt. „Ohne würde es das Geschäft nicht mehr geben“, sagt der Inhaber von Exquisit-Moden Schlemper an der Düsseldorfer Straße. Das Beispiel zeigt, wie sich der inhabergeführte Textileinzelhandel gegen die Krise stemmt.

„Für kleine Geschäfte wie unseres ist die Lage unheimlich schwierig“, erzählt Erhard Sluiters. 2021 verläuft für sein Herrenmodegeschäft Männerwerk bislang wenig zufriedenstellend. Im achten Jahr existiert der Laden in der Ohligser Fußgängerzone. In dieser Zeit hat Sluiters viele Stammkunden gewonnen, die ihm auch in der Krise die Treue halten. „Sie erzählen mir von ihren Vorstellungen und ich schicke ihnen Outfits nach Hause“, erzählt er.

Mein Onlineshop hat so viel gekostet wie mein Laden.

Frank Schlemper, Exquisit-Moden

Ähnlich geht Eva Hartkopf mit der Situation um. Mit einigen Kunden ihres Damenmodengeschäfts an der Düsseldorfer Straße hat sie eine Whats-App-Gruppe gegründet. Darüber verschickt sie Fotos verschiedener Produkte. „Das ist natürlich nicht mit dem persönlichen Umgang vergleichbar. Wir sind aber um jedes Teil froh, das wir verkaufen“, betont Hartkopf. Über einen Onlineshop verfügt ihr Geschäft nicht. Zu viele Kapazitäten würden Einrichtung und Betrieb fordern. Außerdem sei es schwierig, im Wettbewerb gegen die großen Konkurrenten im Internet zu bestehen.

Dass sich das Onlinegeschäft nicht von heute auf morgen aufbauen lässt, musste auch Frank Schlemper durchaus schmerzlich feststellen. „Am Anfang habe ich eine Menge Lehrgeld gezahlt“, erinnert sich der Ohligser schmunzelnd. Die anfallenden Kosten seien nicht zu unterschätzen: Fotos, Texte, gute Suchmaschinen-Platzierung sowie ein juristisch einwandfreies Impressum und unanfechtbare Allgemeine Geschäftsbedingungen. „Mein Onlineshop hat so viel gekostet wie mein Laden“, überschlägt Schlemper.

Doch heute rechnen sich die Investitionen. Vornehmlich über Google stoßen Kundinnen aus 20 Ländern auf das Ohligser Geschäft. Die Bestellungen versendet Schlemper unter anderem nach Skandinavien, Frankreich, Österreich und Luxemburg.

Modehändler haben bereits die Wintermode bestellt, ohne zu wissen, ob sie öffnen können

Modegeschäfte sind in einer schwierigen Lage. Einerseits versuchen sie, mit Rabatten und Aktionen die aktuellen Kollektionen an die Frau und den Mann zu bringen. Andererseits müssen sie ein halbes Jahr in die Zukunft blicken, ohne zu wissen, wie sich die Corona-Pandemie bis dahin entwickelt. „Die Bestellungen für Herbst und Winter sind raus“, bestätigt Erhard Sluiters. Dabei habe er sich Zurückhaltung auferlegt. Schließlich muss er für die Ware in Vorleistung treten.

Auch Frank Schlemper hat für den kommenden Winter weniger bestellt als in normalen Jahren. Bei den Lieferanten kam das nicht gut an. „Das waren unangenehme Gespräche. Die Nerven liegen auch dort blank“, berichtet der 71-Jährige. Doch die aktuelle Situation habe ihm keine Wahl gelassen. Zumal von den versprochenen Staatshilfen bislang nur Abschlagszahlungen bei ihm eingegangen seien.

65 Jahre Exquisit-Moden - Inhaber denkt nicht ans Aufgeben

Für Exquisit-Moden ist die aktuelle Phase wohl eine der schwierigsten in der 65-jährigen Firmengeschichte. 1956 gründeten Frank Schlempers Eltern Magdalene und Rudolf das Damenmodegeschäft. Zunächst hatte es seinen Standort an der Anfang-, später an der Keldersstraße. Seit 1964 ist die Düsseldorfer Straße die Heimat des Unternehmens.

Die Fußgängerzone wird in den kommenden Jahren ihr Gesicht verändern. Die angekündigte Umgestaltung sorgt bei Frank Schlemper für gemischte Gefühle. „Auf lange Sicht wird die Sanierung den Standort Ohligs stärken“, betont er. Der Weg dorthin, die Bauarbeiten, könnte dem Geschäft jedoch schaden, fürchtet er: „Da droht nach Corona die nächste Durststrecke.“

Aufgeben kommt dem 71-Jährigen jedoch nicht in den Sinn. Er möchte mit seinen neun Mitarbeiterinnen ein Teil von Ohligs bleiben, sich neuen Herausforderungen stellen. An den Ruhestand denkt Schlemper noch nicht: „Ich habe außer Motorradfahren keine Hobbys. Mir macht der Job einfach Spaß.“

Geschichte

1956 gründeten Magdalene und Rudolf Schlemper in Ohligs ein Fachgeschäft für Damenmode. Sohn Frank führt es unter dem Namen Exquisit-Moden Schlemper bis heute. Höhepunkte der Firmengeschichte waren die mehr als 35 Modenschauen, die das Unternehmen seit seiner Gründung veranstaltet hat. Im März 1980 kamen mehr als 1500 Besucher zu zwei Veranstaltungen in den Konzertsaal, um die neuen Kollektionen und Stargast Ingrid Steeger zu sehen.

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