Krise

Inflation setzt Verbraucher und Wirtschaft unter Druck

Stefan Grunwald blickt sorgenvoll auf die wirtschaftliche Zukunft im Bergischen.
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Stefan Grunwald blickt sorgenvoll auf die wirtschaftliche Zukunft im Bergischen.

Sparkasse und Unternehmen sehen schwierige Zeiten kommen − ein höheres Zinsniveau wird erwartet.

Von Philipp Müller und Björn Boch

Solingen. Hohe Inflation und steigende Energiepreise sind die zwei Seiten der gleichen Medaille – die eigentlich eine bittere Pille ist. Und die müssen die Solinger Verbraucher und die heimische Wirtschaft gleichermaßen schlucken. So warnt der Solinger Sparkassenchef Stefan Grunwald vor Realverlusten an Vermögen, wenn die hohe Inflation – im Oktober lag sie bei 10,4 Prozent – Spareinlagen und Gewinne aus anderen Wertanlagen auffressen, weil deren Zinserträge deutlich niedriger sind. Grunwald macht trotzdem deutlich: „Ohne Wertpapiere können die Solinger nicht an der Vermögensentwicklung teilhaben.“

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Thomas Wängler von der IHK.

Das sieht auch die IHK im Bergischen Land so. Sprecher Thomas Wängler erklärt: „Die Leidtragenden der negativen Realzinsen sind insbesondere die Sparer.“ Wie Stefan Grunwald, der eine in der Breite gut aufgestellte Wirtschaft im Bergischen sieht, will auch die IHK die Lage nicht schönreden. Sie sei zwar nicht „flächendeckend dramatisch“. Wängler sagt aber auch: „Die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate sind besorgniserregend. Insbesondere die Energiesituation stellt eine ganz erhebliche Herausforderung dar, deren Auswirkungen noch durchaus dramatisch werden können.“

Mittelfristig werde eine Erhöhung der Autarkie bei der Energieversorgung beispielsweise durch Photovoltaik sicherlich eine Lösungsstrategie sein. „Kurzfristig wird es nicht ohne Hilfsangebote durch die Politik gehen“, meint die IHK.

Gaspreisdeckel führt nicht zum alten Preisniveau

Jörg Püttbach von BIA Kunststoff- und Galvanotechnik.

Die Zeit, um der Wirtschaft zu helfen, ist laut Jörg Püttbach knapp. „Die Kosten sind immens. Und der Gaspreisdeckel, der erst im Februar oder März kommen soll, deckelt ja nicht so, dass wir wieder die alten Kosten haben“, erklärt der Geschäftsführer und Inhaber von BIA Kunststoff- und Galvanotechnik. Statt das Fünf- bis Sechsfache zahlen die Unternehmen dann immer noch das Zwei- bis Dreifache. „Und gerade bei den Automobilzulieferern ist es so, dass wir die Kosten nicht einfach weitergeben können, weil wir vertraglich gebunden sind.“

Die Inflation und die steigenden Zinsen führten dazu, dass Investitionen teurer werden. Eine Zurückhaltung in diesem Bereich sei bereits spürbar. Püttbach erwartet, dass auch der Arbeitsmarkt unter Druck geraten wird. Der Hersteller von galvanisierten Kunststoffteilen für die Automobilindustrie hat in Solingen noch rund 800 Mitarbeiter. „Wir waren mal 1000. Das hat auch mit den genannten Effekten zu tun.“ Ein BIA-Standort in Forst bei Karlsruhe mit 150 Mitarbeitern werde derzeit abgewickelt, die Arbeit auf andere Standorte verteilt.

Gesellschaft im Krisenmodus: „Es wird Gewinner und Verlierer geben“

Bei den Investitionen sieht die IHK weitere Aspekte: Für Unternehmen, die Darlehen aufnehmen, um Investitionen zu finanzieren, stellten die negativen Realzinsen kein Problem dar. Doch die Zinserhöhungen hätten bereits dazu geführt, dass die Nachfrage nach Baufinanzierungen stark rückläufig sei. Dies werde erhebliche Auswirkungen auf die Bauwirtschaft haben.

Um die Inflation und die damit verbundenen Realverluste der Vermögen zu bekämpfen, fordert Sparkassenvorstand Stefan Grunwald ein beherztes Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB). Aus Grunwalds Sicht müssen die Zinsen deutlich nach oben. Hohe Zinsen sind zugleich aber auch ein mögliches Gift für die Wirtschaft, warnt Thomas Wängler für die IHK: „Die EZB wird mit Augenmaß vorgehen müssen, um allzu schwere Belastungen für die Wirtschaft, die wegen der hohen Energiekosten stark unter Druck steht, zu vermeiden.“

Weil aber große Teile der Wirtschaft gut aufgestellt sind, sagt Stefan Grunwald: „Wir dürfen vor allem die Zuversicht nicht verlieren.“ Aber er gibt auch zu, „mit Respekt in die Zukunft der kommenden Zeiten“ zu schauen.

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