Kultur

Das Industriemuseum stellt sich modern auf

Mit kleinen Hörspielen, so genannten Podcast, will das Industriemuseum die Geschichten zu Ausstellungsgegenständen und den Menschen, die sie nutzten, erzählen. So auch zu diesem alten Radio. Fotos: Christian Beier
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Mit kleinen Hörspielen, so genannten Podcast, will das Industriemuseum die Geschichten zu Ausstellungsgegenständen und den Menschen, die sie nutzten, erzählen. So auch zu diesem alten Radio.

Nicole Scheda und ihr Team strukturieren die Eingangshalle um, eine Familienwerkstatt ist entstanden.

Von Philipp Müller

Solingen. Ganz versteckt in der Ecke des Industriemuseums steht ein altes Röhrenradio aus den 1950er Jahren. Plärrten daraus damals Rudi Schurikes „Capri Fischer“ oder wurden von den Arbeitern Nachrichten zum Wirtschaftswunder verfolgt? Demnächst wird das ein Podcast verraten. Der Solinger Hörspielmacher Peter Schilske erstellt nicht nur für das Radio kleine Geschichten zusammen mit dem Team des Industriemuseums um dessen Leiterin Nicole Scheda.

Nicole Scheda und ihr Team krempeln das Industriemuseum um und erneuern das Aussehen, das zuletzt 1999 optische Korrekturen erhielt.

„Warum gehst Du eigentlich zur Arbeit? Ihr habt doch geschlossen“, höre sie ständig aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, erzählt Nicole Scheda im Schlüssellager des Museums. Doch es sei gerade jetzt viel zu tun, denn die ehemalige Gesenkschmiede Hendrichs erhalte an einigen Stellen im Verlauf des Jahres ein völlig neues Gesicht. Zudem bereitet sich das Museum auf die Teilnahme an der großen Ausstellung „#futur21“ vor. Die sieben Orte des Industriemuseums des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), zu dem die Merscheider Gesenkschmiede gehört, und die 14 Industriemuseumsorte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe bereiten sich gerade auf 75 Jahre Nordrhein-Westfalen vor. „Das wird umfangreich und selbst Weltstars werden wir empfangen.“ Das genaue Programm für die Festwoche im März 2022 darf sie aber noch nicht verraten.

Dafür gibt Scheda im Eingangsbereich des Museums einen kurzen Überblick, was sich dort alles ändern soll. Wie an vielen Stellen im Museum wird es in Sachen Inklusion rollstuhl- und behindertengerechter zugehen. Das Thema sei dem LVR als Träger sehr wichtig. Der Kassenbereich wandert direkt an den Haupteingang. In die Mitte der Eingangshalle entsteht eine Lounge. Sie soll Sitzplätze bieten, damit sich Besucher erst einmal orientieren können, was das Museum alles zu bieten hat. Ein Film läuft, der das Museum darstellt. Der Umfang der Umbauten hänge aber noch von einer Förderzusage des LVR ab. „Es passiert aber auf jeden Fall in diesem Jahr etwas. Wir haben dafür auch einen Plan B oder C, egal, wie hoch die Förderung ausfällt“, erklärt Nicole Scheda. Zugleich sei der Förderverein des Industriemuseums an ihrer Seite und beteilige sich auch finanziell an den Modernisierungsmaßnahmen.

Neu ist auch die Familienwerkstatt. Die hätte der Hausmeister des Museums, der Schreinermeister sei, mit weiteren Fachleuten bereits fertiggestellt, sagt die Museumsleiterin.

„Das Museum ist toll, muss aber moderner werden.“
Nicole Scheda, Museumsleiterin

Dort gibt es 15 Arbeitsplätze. Das sei auch im Hinblick auf Schulklassen so konzipiert. Die eine Hälfte könne werkeln, die andere Hälfte besuche parallel das Museum. Hintergrund aller Anstrengungen ist – in der Zeit, in der das Museum durch Corona geschlossen ist – das Industriemuseum insgesamt moderner und besucherfreundlicher zu gestalten. Dazu diene auch, an noch mehr Stellen mit einem QR-Code Infos zur Ausstellung abrufbar zu machen. Scheda sagt: „Das Museum ist bereits toll, muss aber moderner werden.“

Die Schraubstöcke werden in der neuen Familienwerkstatt für die Kinder und deren Eltern aufgebaut. Auch Schüler werden sie beim Besuch der Gesenkschmiede Hendrichs nutzen können, wenn das Museum wieder öffnet.

Deshalb werde auch der Museumsshop umgestaltet. In ihm gibt es auch Solinger Stahlwaren. Doch der Shop müsste ansprechender, klarer strukturiert sein, weiß Scheda. Sie hatte sich dazu mit Dr. Peter Born von der Messermanufaktur Güde ausgetauscht.

Größte Hürde sei aber, dass das Museum das 1000 Quadratmeter große Depot im Halfeshof in diesem Jahr räumen müsse. Darin befinden sich viele Ausstellungsstücke zum Beispiel aus aufgelösten Firmen. Das habe ihr Vorgänger Dr. Jochem Putsch mit viel Liebe und Einsatz aufgebaut. Als Lösung wünscht sie sich eine Halle in Solingen, die angemietet werden könne. Klappe das nicht, wandere das gesamte Depot nach Oberhausen zum LVR.

Industriemuseum

Das LVR-Industriemuseum Solingen wurde in der Gesenkschmiede Hendrichs im März 1999 eröffnet. Schon 1986 hatte der LVR die frühere Firma übernommen. Im selben Atemzug übernahm der LVR das Industriedenkmal. Es begann die Herrichtung des Museums unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Auflagen.

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