Berufswelt

Industrie wirbt mit Truck für technische Berufe

Andreas Dostmann vom Truck-Team (3. von rechts) stellte Schülern vor, was in der Elektro- und Metallindustrie gefertigt wird. Foto: asc
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Andreas Dostmann vom Truck-Team (3. von rechts) stellte Schülern vor, was in der Elektro- und Metallindustrie gefertigt wird.

Mobile Berufsberatung macht an der Realschule Vogelsang Station.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Knapp 18 Meter lang und 32 Tonnen schwer ist der Truck, der seit gestern auf dem Gelände des Schulzentrums Vogelsang steht. Das fliegende Klassenzimmer, wie Michael Hoeffer vom Truck-Team, den Lkw nennt, informiert Schüler und Schülerinnen der Realschule Vogelsang über Ausbildungsberufe in der Metall- und Elektroindustrie. „In unseren Betrieben gibt es viele unbesetzte Stellen“, erklärt Michael Schwunk, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Solingen. „Es ist uns wichtig zu zeigen, dass das nicht mehr die Arbeit in öligen Hallen ist.“

Rund 15 Prozent der Ausbildungsplätze seien allein in der Solinger Metallindustrie nicht besetzt, ergänzt der Vorsitzende des Arbeitverbandes, Horst Gabriel. Im Juli waren noch 1385 Plätze im Städtedreieck frei. Auch sein Unternehmen, die Ernst Ludwig Emde GmbH, suche noch einen Auszubildenden zum Werkzeugmechaniker oder Werkzeugmechanikerin. „In Zukunft werden wir noch mehr ausbilden.“ Denn Fachkräfte zu bekommen, sei schwer: „Irgendwann müssen wir Aufträge ablehnen, weil wir keine Leute mehr haben.“

Seine Firma bilde zu 100 Prozent für den eigenen Bedarf aus. „Das sind die besten Mitarbeiter“, betont Gabriel. Auch ihm geht es darum, jungen Leute zu vermitteln, wie die Berufe in der Industrie heute aussehen. „Wo früher Öl spritzte und Späne flogen, wird heute an geschlossenen Maschinen gearbeitet.“

Wegen des Lockdowns fielen die Praktika in Solingen aus

Ein Beispiel können die Schüler im Truck sehen und nach Anleitung sogar selbst betätigen. An einer CNC-Fräsmaschine können sie anhand einer zuvor erstellten Zeichnung und dem Programmieren der Steuereinheit den Namen ihrer Klasse in einen Aluwürfel fräsen, erklärt Hoeffer. „Da sehen die Schüler dann auch, wie sie ein Koordinatensystem in der Praxis anwenden.“

Im Truck gibt es zudem die Steuerung eines Aufzugs, die die Schüler programmieren können. An weiteren Schaltkästen gilt es, Maschinen zum laufen und Lampen zum Leuchten zu bringen. Auf Touchscreens und mit Filmen wird über Ausbildungsmöglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie informiert.

Diese reichen vom Automatisierungstechniker über den Industriemechaniker und den Fachinformatiker bis zum IT-Systemkaufmann. Welches Unternehmen freie Ausbildungsstellen hat, können die Jugendlichen gleich am Bildschirm oder über die neue App ME-Berufe abfragen. Auch Solinger Firmen sind dabei.

Ekrem (16), Leonardo (15) und Ahmad (15) gehörten zu den Zehntklässlern, die gestern den Truck besuchten. „Wir haben Filme gesehen, in denen verschiedene Berufe vorgestellt wurden“, berichtete Leonardo. Er wolle nach dem mittleren Schulabschluss eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen. Ahmad kann sich den IT-Bereich vorstellen.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem Truck gemacht, der schon öfter an unserer Schule war“, sagt Birgit Schoel, Leiterin der Realschule Vogelsang. „Fast alle der dort vorgestellten Berufe werden in Solingen auch ausgebildet.“ Bei der Berufsorientierung seien gerade die jetzigen Zehner gebeutelt, die 2022 ihren Abschluss machen. „Ihr dreiwöchiges Berufspraktikum ist im vergangenen Schuljahr wegen des Lockdowns ausgefallen.“

„Wegen der Corona-Pandemie war wenig möglich“, bestätigt Jürgen Steidel vom Arbeitgeberverband Solingen. „Aber ohne Einblicke ist es schwer, die Jugendlichen für die Berufe zu begeistern. Wir hoffen, dass der Truck das schafft.“ Gerade weil in diesem Jahr die Unternehmen den Mangel an Auszubildenden besonders spüren. In der Metall- und Elektroindustrie hätten Schüler „super Aussichten“, betont Michael Schwunk. Auch Mädchen wolle man für die Berufe gewinnen.

Mobile Berufsinformation

Info-Truck: Zehn Info-Trucks touren durch ganz Deutschland, um Jugendliche für Ausbildungsberufe in der Metall- und Elektroindustrie zu begeistern: an Schulen ebenso wie auf Ausbildungsmessen. Finanziert wird das Angebot vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und den angeschlossenen Unternehmen.

Branche: In der Metall- und Elektroindustrie arbeiteten in Deutschland rund vier Millionen Menschen, erklärt Michael Hoeffer vom Truck-Team. „Es gibt über 25 000 Unternehmen.“

meberufe.info

Im Oktober startet ein neuer Ausbildungsgang in Ohligs. Die Pflegefachassistenz.

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