ST vor Ort

Nach der Flut: In den Kotten schaut man optimistisch nach vorne

Reinhard Schrage an der neuen Brücke des Wipperkotten, die aus baurechtlichen Gründen solch ein hohes Geländer haben muss.
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Reinhard Schrage an der neuen Brücke des Wipperkotten, die aus baurechtlichen Gründen solch ein hohes Geländer haben muss.

Wipperkotten und Balkhauser Kotten waren bei der Flutkatastrophe vor einem Jahr stark beschädigt worden. Das ist der Stand nach einem Jahr:

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Nicole Molinari ist im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Ist-Zustand, ein Jahr nach der Flut. Die Vorsitzenden des Kuratoriums Balkhauser Kotten ist froh, dass die lange Trocknungsphase weitgehend abgeschlossen ist und die konstruktiven Arbeiten beginnen können. „Allerdings treten jetzt auch die Schäden verstärkt zutage, die wir vorher nicht so ernst genommen haben, zum Beispiel, dass die Schlagläden- und Balkenfarbe außen abplatzt und dringend erneuert werden muss“, sagt sie. „Ich hoffe nicht, dass das Holz schon so viel Schaden genommen hat, dass komplett ausgetauscht werden muss.“

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Im Inneren sieht es – für Laien – noch wüst aus. Nicht für Nicole Molinari. Im Gespräch ist zu spüren, dass sie „ihren“ Kotten bereits vor dem inneren Auge in alter oder neuer Pracht wieder auferstehen sieht. Sie hofft auf den Sommer 2023, pünktlich zum traditionellen Reibekuchen-Tag.

Was bis dahin noch alles zu tun ist, erläutert sie: „Die Heizung ist zerstört, damit stellen wir um von Öl auf eine moderne Wärmegewinnung.“ Im Gespräch sei eine Wasser-Wärme-Pumpe. „Direkt an der Wupper gelegen, bietet sich das an und schafft zudem eine Verbindung zur Historie, als Wasserkraft für den Arbeitsvorgang gebraucht wurde – als Antrieb für die Wasserräder, die die Schleifsteine in Bewegung setzten. Der Vorteil dieser neuen Heizmethode sei, dass „wir den Raum, in der bislang der Öltank stand, zu einer geräumigen Unisex-Toilette umbauen können, die alten WCs waren grenzwertig, weil viel zu eng und im Grunde eine Zumutung“.

Millionenschaden am Balkhauser Kotten

Im Verkaufsraum soll die Theke auf die andere Seite wandern. „Damit das Personal Kotten-Besucher und Kunden gleichermaßen im Blick halten kann“. Außerdem werden die Gefache der Außenwand original hergerichtet und mit einer Glasscheibe versehen, so dass man die Lehm-Stroh-Mischung sehen kann, mit der in früheren Zeiten gebaut wurde.

Die künftige Ausstellung soll erweitert werden, zum Beispiel um die Themen „Die Frau im Kotten“ und „Welche Bedeutung hat die Nähe zur Wupper für den Kotten“. „Dafür arbeiten wir eng mit Museumsdidakten zusammen, deren Arbeit durch bewilligtes Fördergeld sichergestellt ist“, sagt Nicole Molinari.

Sorgen macht ihr das durch die Fluten entstandene Steilufer. Vor allem die gegebene Gefahr eines Kanten-Abbruchs treibt sie um. „Das Feld aus Geröll und Erde, das sich in der Kurve unserem Gelände gegenüber angelagert hat, ist die Substanz, die uns hier fehlt“, sagt sie. „Leider ist dieser Vorgang nicht abgeschlossen, sondern das Wasser höhlt immer mehr aus, so dass ich diese Wiese hier absperren muss, sobald wir wieder öffnen und Besucher auf dem Gelände sind. So, wie es aktuell ist, ist es gefährlich.“

Sanierung am Wipperkotten ist weit vorangeschritten

Auch für Reinhard Schrage, Vorsitzender des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten, ist das dazugehörende Außengelände derzeit der noch wunde Punkt in der ansonsten schon weit vorangeschrittenen Sanierung des gebeutelten Objektes. „Die Zäune sind durch die Flut zerstört worden, folglich kann ich vorne niemanden aufs Gelände lassen, das ist viel zu gefährlich“, sagt er. Außerdem muss der Bereich um den Eingang herum neu mit Grauwackesteinen gepflastert werden. „Es herrscht überall Mangel an Arbeitskräften, wir werden von Woche zu Woche vertröstet“, bedauert er.

Ansonsten sieht er seinen historischen Schützling nach der Flutkatastrophe gut auf dem Weg. „Innen ist fast alles fertig saniert“, sagt er voller Dankbarkeit für die vielen Spenden aus der Bevölkerung, von Firmen, Instituten und Stiftungen, die das ermöglicht haben. Ebenso dankbar ist er der Baufirma aus Burscheid, die den Kotten schon seit vielen Jahren durch ihre Spezialisierung auf denkmalgeschützte Objekte unterstützt.

Schleiferei Wipperkotten erhält ein neues Wasserrad

So ist das Parterre, das sehr gelitten hatte, wieder hergestellt. „Die Produktion unserer nach wie vor laufenden Schleiferei ist gottlob im ersten Stock und war nicht betroffen“, sagt Schrage. Allerdings beobachtet er seit einiger Zeit eine Unwucht an den Antriebswellen – möglicherweise habe sich das Holz durch das tagelange Hochwasser verzogen. „Der Treibriemen läuft ganz außen, das darf nicht sein.“ Am 4. September ab 11 Uhr findet das Kottenfest am Wipperkotten statt.

Infos zu den Kotten unter:
www.balkhauser-kotten.de
schleiferei-wipperkotten.de

Lesen Sie auch: Wupperverband entlastet: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen nach Hochwasser ein

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