Pandemie

Impfzentrum kommt in den Kaufhof

Im ehemaligen Kaufhof in der Solinger Innenstadt entsteht in den kommenden Tagen das Impfzentrum.
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Im ehemaligen Kaufhof in der Solinger Innenstadt entsteht in den kommenden Tagen das Impfzentrum.

Neue Regeln: Quarantäne gilt für positiv Getestete jetzt automatisch – Schulsport wird in Teilen ausgesetzt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Das Solinger Impfzentrum, in dem die Corona-Impfungen zukünftig stattfinden sollen, wird derzeit in dem ehemaligen Kaufhof-Gebäude in der Innenstadt eingerichtet. Das teilte die Stadtspitze am Donnerstag auf ihrer virtuellen Pressekonferenz mit. „Das Gebäude hat einen guten baulichen Zustand, ist gut erreichbar und bietet eine gute Logistik, um die Impfseren anliefern zu können“, begründete Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) die Entscheidung.

Neben der Stadt, die das Impfzentrum im Auftrag des Landes bis zum 15. Dezember einrichtet, und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, die Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal stellen wird, ist auch die Feuerwehr für die Organisation und die IT-Ausstattung mit im Boot. Deren Leiter Dr. Ottmar Müller erläuterte erste Details. „In dem Gebäude vorgesehen sind zehn Impfstraßen, in denen parallel geimpft werden kann.“ Beginnen werde man, je nach Menge des anfangs zur Verfügung stehenden Impfstoffes, mit zwei bis drei Impfstraßen, die an sieben Tagen pro Woche täglich zwölf Stunden besetzt sein können. „Bei 20 möglichen Impfungen pro Stunde und Impfstraße könnten das 240 Impfungen pro Impfstraße und Tag sein“, so Dr. Müller. Bei Vollauslastung käme man also auf täglich maximal 2400 Impfungen in dem Impfzentrum.

Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) betonte aber, dass zuerst die vulnerablen Gruppen, also etwa kranke Menschen in den Einrichtungen, geimpft werden. Dazu sei ein mobiles Team, ebenfalls mit Mitarbeitern der KV, in den Einrichtungen unterwegs. Erst nach dieser Personengruppe sowie den Solingern in medizinischen und systemrelevanten Berufen werde mit einer Impfung der Allgemeinheit begonnen. „Die Terminvergabe wird dann vermutlich auch über die KV geregelt“, so Dr. Ottmar Müller.

Für positiv Getestete gilt Quarantäne jetzt automatisch

Eine wichtige neue Landesverordnung gibt es mit Blick auf die Quarantäne. „Menschen, die ein positives Testergebnis erhalten, müssen sich ab sofort umgehend selbst in Quarantäne begeben, ebenso die Angehörigen ihres Haushalts“, betont Jan Welzel. Einen Bescheid der Stadt dazu wird es nicht mehr geben. Die Quarantäne für positiv Getestete dauere mindestens zehn Tage, wenn sie dann symptomfrei sind, erläuterte Britta Schroer vom Gesundheitsamt. Angehörige könnten die Quarantäne von 14 auf zehn Tage mit einem Negativtest verkürzen.

Eine neue Regelung gibt es ab Montag auch für den Schulsport. Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, darf an weiterführenden Schulen, mit Ausnahme von Sport-Abiturkursen, kein Sport mehr in den Hallen betrieben werden. „Grund- und Förderschulen sind von dieser Regelung aber ausgenommen“, betonte Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Derweil bewegen sich die Corona-Fallzahlen in Solingen auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Am Donnerstag verstarb ein 71-jähriger Mann mit Vorerkrankungen, die Zahl der Toten stieg somit auf 48.

Da die Inzidenz mit 202,5 immer noch über der Grenze von 200 liegt, diskutierte Jan Welzel mit dem NRW-Gesundheitsministerium aktuelle Maßnahmen. „Eine abschließende Bewertung zum möglichen Wechsel- oder Hybridunterricht in Schulen gibt es noch nicht. Ein Gesamtpaket auch mit Blick auf Abstandsregeln im öffentlichen und privaten Raum soll nächste Woche geschnürt werden.“ Zusammen mit fünf anderen ebenfalls von 200er-Inzidenzen betroffenen NRW-Städten hat Oberbürgermeister Kurzbach zudem eine Initiative ergriffen. Gemeinsam will man in Gespräche mit dem Gesundheitsministerium einsteigen.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Die Stadt hat geliefert. Der Ort für ein Impfzentrum steht fest, bis Mitte Dezember soll die Logistik dafür stehen. Mit der Feuerwehr hat man dafür einen Partner im Boot, der Experte für schnelle organisierte Hilfe ist. Die Koordination der Ärzte, die dort impfen werden, und die zukünftige Terminvergabe über die Kassenärztliche Vereinigung laufenzulassen, ist ebenfalls sinnvoll. 

Bleibt zu hoffen, dass auch das Land als dritter Partner zügig liefern wird. Die Verteilung der für NRW zugewiesenen Impfdosen muss fair, die Vorgaben für die Abläufe schnell und eindeutig sein. Zu lange Hängepartien zwischen Beschlüssen der Kanzler- und Ministerpräsidenten-Runde und dem daraus resultierenden Landeserlass haben die Umsetzung vor Ort in den vergangenen Tagen und Wochen erschwert. Und auch bei den anderen Corona-Baustellen muss jetzt Fahrt aufgenommen werden. Gut, dass Solingen gemeinsam mit anderen Städten Initiative ergriffen und das Gespräch mit dem Land gesucht hat. Das Problem in den Schulen darf nicht bis zu den Weihnachtsferien ausgesessen werden. Denn auch danach steht Corona noch auf dem Stundenplan.

Unser Artikel vom 3. Dezember, 16.15 Uhr

Solingen. Jetzt könnte es alles ganz schnell gehen. In den nächsten Tagen entsteht Solingens Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof in der Innenstadt. Das hat der Krisenstab der Stadt am Donnerstag bekanntgegeben. Die Konzeption für das Impfzentrum übernimmt die Solinger Feuerwehr.

Der Standort erfüllt alle Kriterien: Es gibt mehrere Ein- und Ausgänge, sodass Impfstraßen errichten werden können. Zehn Impfstraßen soll es in Solingen geben, sodass zehn Personen gleichzeitig geimpft werden können

Dazu ist der Kaufhof gut über öffentliche Verkehrsmittel erreichbar. Parkplätze sind ebenfalls genügend vorhanden. Schon bald könnten die ersten Solinger gegen das Coronavirus geimpft werden. Impfstoffe gibt es derweil von verschiedenen Unternehmen. Erste Genehmigungsverfahren laufen auf EU-Ebene. Zuletzt hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt, dass er im Januar mit einem Impfstart rechne. 

Solingen: Geimpft werden zunächst Risikogruppen und Pflegekräfte

Bundesweit sollen zunächst Risikogruppen - also ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen - geimpft werden können. Auch Pflegepersonal kann sich im ersten Schritt gegen das Coronavirus impfen lassen. Mit einer massenhaften Impfung aller Bevölkerungsgruppen rechnete Solingens Sozialdezernent Jan Welzel (CDU) nicht vor Juni 2021. Dann würden die Impfungen aber in Hausarztpraxen erfolgen.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert. wi/ sith/ sk

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