An der Kölner Straße geht es hinein

Impfzentrum im Kaufhof ist einsatzbereit

Feuerwehr-Chef Dr. Ottmar Müller (von links), der Leiter des Impfzentrums Udo Stock und Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) stellten das Zentrum gestern vor. In der ersten Etage – in der ehemaligen Kaufhof-Spielwarenabteilung – sollen frisch Geimpfte 30 Minuten beobachtet werden.
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Feuerwehr-Chef Dr. Ottmar Müller (von links), der Leiter des Impfzentrums Udo Stock und Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) stellten das Zentrum vor. In der ersten Etage – in der ehemaligen Kaufhof-Spielwarenabteilung – sollen frisch Geimpfte 30 Minuten beobachtet werden.

Bis zu 2400 Menschen könnten an einem Tag geimpft werden.

Von Anja Kriskofski

Das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof ist fertig. Noch vor dem Stichtag am 15. Dezember sei Solingen damit einsatzbereit, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Montag bei einem Pressegespräch. Wann es in Betrieb geht, ist noch offen: Denn noch ist kein Impfstoff in der EU zugelassen.

Beim Pressegespräch kündigte Ordnungsdezernent Jan Welzel zudem an, dass es in Solingen wegen des auf über 280 gestiegenen Inzidenzwerts „sehr wahrscheinlich Ausgangsbeschränkungen geben wird“.

Der Eingang zum Solinger Impfzentrum ist an der Kölner Straße neben Peek & Cloppenburg. Vor der Tür gibt es Behindertenparkplätze.

Die Stadt Solingen sei in Gesprächen mit dem NRW-Gesundheitsministerium. Der Anreiz, sich zu treffen, müsse weiter minimiert werden, da die Solinger Kliniken bei der Unterbringung von Patienten an ihre Grenzen kommen, betonte Welzel.

Solingen: Kontakte sollen auch in Schulen weiter begrenzt werden

Kontakte sollen auch in den Schulen weiter begrenzt werden. Die Turnhallen würden deshalb geschlossen, ein Abstand von 1,5 Metern müsse konsequent eingehalten werden. Das sei seit Montag auch möglich, berichtete Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne). Laut einer Umfrage seien in den Grundschulen am Montag nur die Hälfte der Kinder zum Präsenzunterricht erschienen, in den Klassen 5 bis 7 seien es ebenfalls rund 50 Prozent gewesen. Eltern können ihre Kinder seit Montag zu Hause lernen lassen. Ab Jahrgangsstufe 8 gilt für alle Distanzunterricht.

„Zunächst wird in den Altenheimen geimpft.“
Oberbürgermeister Tim Kurzbach

Auch wenn das Impfzentrum nun steht, werden die ersten Solinger vermutlich nicht dort, sondern in den Altenheimen geimpft, kündigte Kurzbach an. „Die Strategie ist, die Alten zu schützen.“ Zum Impfzentrum gehörten auch mobile Teams, erläuterte Udo Stock, Chef des Ordnungsamts, der die organisatorische Leitung übernommen hat. Das medizinische Personal dafür stelle die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die Berufsfeuerwehr ist bei der Organisation mit im Boot.

„Impfzentrum Solingen“ steht bereits über dem Eingang an der Kölner Straße, neben Peek & Cloppenburg. Noch eingepackte Hinweisschilder für Behindertenparkplätze direkt am Einlass sind bereits aufgestellt. Wo vor zwei Jahren noch Unterwäsche und Damen-Konfektion verkauft wurden, warten bald Menschen, die sich impfen lassen wollen. Blaue Pfeile auf dem Boden zeigen den Weg durch die Glastüren hinein, ein roter weist hinaus. „Menschen mit Covid-19-Symptomen können so sofort wieder nach draußen geschickt werden, ohne durch das ganze Zentrum laufen zu müssen“, erklärte Udo Stock. Denn ansonsten ist der Weg als Einbahnstraße organisiert: Im Erdgeschoss an der Kölner Straße geht es hinein, der Ausgang erfolgt über die erste Etage zu den Clemens-Galerien.

Die einstigen Kaufhof-Flächen sind nun mit Messe-Stellwänden abgeteilt, die eine Solinger Firma aufgestellt hat. Der Wartebereich ist mit Stühlen und Stehtischen in großem Abstand ausgestattet, Desinfektionsspender stehen an mehreren Ecken. Über einen Bildschirm können die Wartenden informiert werden, auch freies Wlan stehe zur Verfügung.

Links vom Eingang sind bereits Arbeitsplätze für die Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung eingerichtet. Dort sollen sich die Menschen anmelden. „Das Termin-Management übernimmt die KV“, erläuterte Stock. An Stellwänden und dem ehemaligen Kaufhof-Eingang an der Ecke Hauptstraße vorbei geht es weiter:

Im Erdgeschoss stehen unter anderem die Kabinen für optionale ärztliche Beratungsgespräche vor der Impfung bereit.

In der einstigen Uhren- und Schmuckabteilung stehen nun zwei Kabinen für ärztliche Beratungsgespräche. Anschließend warten rechts die Impfkabinen. Im Moment gibt es fünf davon. „Es können schnell weitere aufgebaut werden“, versicherte Feuerwehr-Chef Dr. Ottmar Müller. An bis zu zehn parallelen Impfstraßen könnten im Zentrum bis zu 2400 Menschen pro Tag geimpft werden. „Auch Möglichkeiten zur Kühlung des Impfstoffs gibt es“, erklärte Kurzbach. Sicherheitsdienste seien engagiert.

So sieht das Solinger Impfzentrum aus

 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier

Nach der Impfung geht es über die Rolltreppe in die erste Etage, wo früher Spielzeug verkauft wurde. Dort ist ein weiterer Wartebereich, in dem die frisch Geimpften eine halbe Stunde unter Beobachtung warten müssen, ob es keine Komplikationen gibt. Der Ausgang erfolgt über die Brücke zu den Clemens-Galerien.

Die Nutzung des Gebäudes als Impfzentrum ist laut Müller zunächst bis Mitte 2021 vorgesehen. „Aber es bestehen Verlängerungsoptionen.“ Für den Kaufhof-Komplex und das benachbarte Modehaus Peek & Cloppenburg, das morgen schließt, gibt es Abrisspläne.

Aktuelle Lage

Vier weitere Bewohner von Seniorenheimen über 70 Jahren, zwei Frauen und zwei Männer, sind mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Fast 2500 Menschen in Solingen befinden sich derzeit in Quarantäne, betroffen sind unter anderem 71 Lehrkräfte und 1198 Schüler.

Standpunkt: Schlüssiges Konzept

Von Anja Kriskofski

Anfang Dezember hat die Stadtspitze verkündet, dass das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof-Gebäude seinen Platz finden soll. Keine zwei Wochen später steht die Einrichtung bereit – pünktlich zum geforderten Starttermin am 15. Dezember. Das ist beeindruckend angesichts des Ausnahmezustands einer Hotspot-Kommune wie Solingen.

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Zumal der Aufbau eines Impfzentrums gemeinhin nicht zum Alltagsgeschäft von Stadtverwaltung und Feuerwehr gehört. Das Konzept wirkt schlüssig. Die Einrichtung liegt zentral und ist auch für Senioren ohne eigenes Fahrzeug gut erreichbar. Wer nicht mobil ist, kann bis zum Gebäude vorgefahren werden. 

Durch die verschiedenen Aus- und Eingänge können die Menschen durch die Impfstraßen so durchs Gebäude geleitet werden, dass sich die Ströme nicht begegnen. So kommt dem ehemaligen Kaufhaus, dem der Abriss bevorsteht, noch einmal eine wichtige Funktion zu. Fehlt nur noch der Impfstoff. Er könnte die dramatische Lage in den Pflegeheimen entspannen, wo in Solingen jeden Tag mehrere Bewohner an Covid-19 sterben. Doch bis allein alle Senioren, die dem zustimmen, geimpft sind, wird es Wochen dauern. Hoffentlich können die Ärzte mit den Impfungen bald loslegen. An den Kommunen liegt es nicht. Sie sind jetzt vorbereitet. 

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

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