Impfung

Solinger Ärzte betonen: „Astrazeneca ist sicher“

Ambulante Krankenpfleger werden derzeit im Solinger Impfzentrum mit dem Sonderkontingent von Astrazeneca geimpft. Foto: Christian Beier
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Ambulante Krankenpfleger werden derzeit im Solinger Impfzentrum mit dem Sonderkontingent von Astrazeneca geimpft.

Solinger Mediziner appellieren an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen – alle Vakzine seien hochwirksam. Egal ob von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. „Der Impfstoff von Astrazeneca ist hochwirksam und ein Gewinn in der Bekämpfung der Pandemie. Wir appellieren an alle Solinger, die zur Impfung berechtigt sind: Lassen Sie sich impfen!“ Mit diesem eindringlichen Aufruf wenden sich Solinger Mediziner an die Bevölkerung.

„Wir sehen mit großer Sorge, dass viele Impfberechtigte Kritik am Impfstoff von Astrazeneca äußern und bis zu 30 Prozent der im Impfzentrum angemeldeten Personen in der vergangenen Woche nicht erschienen sind“, erklärt Dr. Stephan Kochen. Der niedergelassene Mediziner ist gemeinsam mit Dr. Olivier Weh-Gray verantwortlich für das Solinger Impfzentrum.

Solingen: Impfungen laufen, manche haben Angst vor Nebenwirkungen

Dort werden derzeit die über 80-Jährigen mit dem Impfstoff von Biontech/ Pfizer geimpft. Zudem werden an zwei Tagen pro Woche Sonderkontingente des Vakzins von Astrazeneca an ambulante Pflegekräfte und Rettungssanitäter, die ebenfalls zur Impfgruppe 1 mit höchster Priorität gehören, verimpft.

„240 Personen aus dieser Gruppe des medizinischen Personals haben wir vergangene Woche geimpft, am vergangenen Donnerstag waren es nochmals 78“, bestätigt Udo Stock, Leiter des Impfzentrums. Mit der Sorge um Nebenwirkungen waren bei ihm einige Absagen des Impftermins gelandet.

„Reaktionen wie Abgeschlagenheit, Fieber oder Gliederschmerzen sind aber keine Nebenwirkungen, sondern der Effekt der Impfung. Das zeigt, dass der Körper Abwehrkräfte gegen die Viren aufbaut – und das kann halt ,anstrengend‘ sein“, erklärt Prof. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, in der ein Großteil der Covid-19-Patienten behandelt wird, den medizinischen Zusammenhang.

Die Häufigkeit der Impfreaktionen sei bei allen zugelassenen Vakzinen aber in etwa gleich. „Bei einer Impfung mit Astrazeneca treten sie eher nach der ersten Impfung, bei einer mRNA-Impfung wie mit Biontech oder Moderna eher nach der zweiten Spritze auf“, erklärt Dr. Stephan Kochen.

Die Mediziner sehen in Astrazeneca auch einen guten Schutz vor der britischen Virus-Mutation, die in Solingen schon bei mehr als einem Drittel der positiv Getesteten nachgewiesen wurde. „Studien beweisen, dass dieser Impfstoff auch dagegen gut wirkt“, unterstreicht Dr. Olivier Weh-Gray, der gemeinsam mit Dr. Julius Rath neuer Vorstand der Solinger Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung ist.

Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca wird oft falsch berechnet

Für Unsicherheit hat bei vielen auch die angegebene Wirksamkeit des Impfstoffes gesorgt. Für Astrazeneca ist eine Wirksamkeit bis 70 Prozent bei unter 65-Jährigen angegeben, für Biontech von 94 Prozent. „Das heißt aber keinesfalls, dass drei von zehn Menschen trotz Impfung an Covid-19 erkranken“, räumt Dr. Stephan Kochen mit einem Irrtum auf.

„In der Studie traten bei 1000 geimpften Personen drei Infektionen auf, bei 1000 ungeimpften Personen zehn Krankheitsfälle. Die Wirksamkeit des Impfstoffes beträgt also 70 Prozent. Bei einem Impfstoff mit 90 Prozent Wirksamkeit träten in der 1000er-Gruppe der Geimpften nur zwei Infektionen weniger auf. Bei dem Astrazeneca-Impfstoff gibt es also im Vergleich bei 1000 Personen nur zwei Krankheitsfälle mehr“, betont Kochen den nur geringen Unterschied und den großen Nutzen des Vakzins.

„Der Impfstoff von Astrazeneca leistet nach bisherigen Daten das, was uns am wichtigsten sein dürfte: Er schützt davor, schwer zu erkranken, nicht mehr selbst atmen zu können, den Geschmackssinn zu verlieren oder gar an der Infektion zu sterben“, unterstreicht auch Prof. Winfried Randerath.

Zudem deuten Daten der Universität Oxford darauf hin, dass der Impfstoff noch wirksamer sein könnte als bisher angenommen, skizziert Dr. Olivier Weih-Gray Forschungsergebnisse. Die Impfung sei auch keine Vor-Festlegung auf ein Vakzin bei weiteren späteren Impfungen. | Standpunkt

Impfungen

Geimpfte: Stand 19.02. haben 6157 Solinger eine Erstimpfung erhalten. 3454 von ihnen auch schon die Zweitimpfung. Aktuelle Informationen über das Coronavirus in Solingen finden Sie in unserem Live-Blog.

Termine: Die Gruppe der über 80-Jährigen wird mit Biontech/ Pfizer an fünf Tagen im Impfzentrum geimpft. Termine über www.116117.de oder Tel. (08 00) 116 117 01.

Standpunkt: Warnung vor falschen Infos

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Neben 80 Millionen Fußball-Bundestrainern hat Deutschland jetzt offensichtlich auch ebenso viele Virologen und Impfexperten. Schlimm nur, dass einige von ihnen mit Fehlinformationen für Verunsicherung bei den Menschen sorgen, die sich sachlich informieren möchten. So wurden am Freitag im Stadtgebiet Flyer verteilt, auf denen Personen aus Süddeutschland, teilweise mit Doktor- oder Professorentitel, vor den Gefahren des Impfens warnten. Dabei wurden auch ganz offensichtlich wissenschaftlich falsche Informationen verbreitet, etwa über die Sicherheit des Impfstoffes oder dessen Inhalt.

Wer sich informieren möchte, sollte auf fundierte Fakten setzen. Deshalb haben sich Solinger Ärzte aus Praxen und Kliniken auch zusammengetan, um aufzuklären und für die Impfungen zu werben – für deren Sicherheit und vor allen Dingen für deren uneingeschränkten Nutzen. Wenn die Impfungen den Weg aus der Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen ermöglichen sollen, dann müssen sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Das ist derzeit das wirksamste Mittel gegen das Virus.

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