Senioren-Union fordert städtische Hotline

Impfen: Heimmitarbeiter sind zurückhaltend

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Impfdosen werden vorbereitet.

SPD-Landtagsabgeordneter kritisiert Regierung.

Von Björn Boch

Solingen. Die Bereitschaft der Bewohner in den Solinger Altenheimen, sich den Impfstoff verabreichen zu lassen, ist laut Stadtsprecherin Stefanie Mergehenn sehr hoch. Das gilt allerdings nicht für alle Mitarbeiter. „Die Impfbereitschaft ist dort nicht so, wie wir uns das gedacht haben“, sagte Mergehenn. Für genaue Zahlen zur Impfbereitschaft, etwa in Prozent, sei es aber noch zu früh.

Rund 2000 Bewohner gibt es in den 87 stationären Senioreneinrichtungen, dazu kommen weitere rund 2000 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Da jeder Impfwillige zwei Dosen erhalten muss, um einen wirksamen Schutz zu gewährleisten, bedeutet das theoretisch 8000 Impfdosen.

Diese Zahlen der Stadt machen deutlich, dass mit einem raschen Start im Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof nicht zu rechnen ist, selbst wenn sich nicht alle in den Heimen impfen lassen. Derzeit liegt die Zahl der Geimpften in Solingen unter 2000. Und das Impfzentrum nimmt erst seine Arbeit auf, wenn ein Großteil in den Heimen geimpft wurde.

Dennoch gibt es bereits Sorgen um die Terminvereinbarung. Die Solinger Senioren-Union und ihr Kreisvorsitzender Hansjörg Schweikhart schlagen vor, dass die Stadt Impftermine durch eine eigene Hotline vergibt. „Es muss möglich sein, bestimmte Altersgruppen der Bevölkerung schriftlich, zielgerichtet und zeitnah mit Impfterminen zu versorgen. Alles andere käme einer Bankrotterklärung moderner Bürgernähe und Datenverwaltung gleich.“

Die Stadt wird das aber wohl gar nicht dürfen. Das Land, so Stefanie Mergehenn, plane bewusst die Terminvereinbarung über die Tel. 116 117. Schweikhart sorgt sich allerdings um die Erreichbarkeit der Hotline, Verweise auf das Internet oder eine App seien für viele Hochbetagte ungeeignet.

Allerdings wird die Stadt ihre Einwohner über 80 Jahre anschreiben: Für übernächste Woche habe NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein Musterschreiben an die Kommunen angekündigt, das diese wiederum weiterverteilen. Dort werde dann erklärt, wie Menschen über 80 Jahre, die zu Hause leben und mobil sind, an einen Termin im Impfzentrum kommen.

Ursprünglich sollten Termine für die lokalen Impfzentren ab Mitte Januar vergeben werden – dieser Termin, vom Land geplant, wird nicht zu halten sein. Das Land hatte die Kommunen angewiesen, die Zentren Mitte Dezember 2020 einsatzbereit zu haben.

„Mobile Strukturen stehen noch nicht, aber die Zentren sind fertig. Was soll das?“
Josef Neumann, Landtag

Nach Ansicht von Josef Neumann, Solinger Landtagsabgeordneter und gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, war das eine falsche Weichenstellung: „Die mobilen Impfstrukturen stehen noch nicht, aber die Zentren sind fertig. Was soll das?“ Er habe früh darauf hingewiesen, dass die große Herausforderung das mobile Impfen sein werde.

Neumann fordert von der Landesregierung, dass die mobilen Impfteams als feststehende Gruppen organisiert werden – und Hilfe für die Heime bei der Bürokratie rund um die Impfformulare. Derzeit ist es so, dass Heime ihren Impfbedarf an die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) melden, sich aber selbst darum kümmern müssen, welche Ärzte vor Ort impfen. „Das ist eine riesige Herausforderung – und die Landesregierung hat kein Konzept, sondern einfach alles nach unten delegiert“, so Neumann. Das sei auch ein Grund für die Unsicherheit bei Mitarbeitern in Bezug auf Impfungen. „Die Menschen haben Bedenken, dass mit dem Impfstoff sachlich und vernünftig umgegangen wird.“ Er selbst wisse von Heimen, in denen alles vorbereitet war, dann aber wegen Ärztemangels nicht geimpft werden konnte.

Solingen sei durch das Ärztenetzwerk Solimed – unter der Führung von Stephan Kochen haben die Kassenärzte vor Ort Impfungen mit vielen Helfern selbst organisiert – noch in einer vergleichsweise guten Position. Das bestätigte auch die Stadt, die die Heime ebenfalls unterstützt. In der Kommunikation mit der KVNO laufe noch nicht alles reibungslos, hieß es am Dienstag aus dem Rathaus.

Neumann fordert Transparenz vom Land. So sei zwar nun angekündigt worden, dass ab der nächsten Impfrunde ab 18. Januar auch Klinikpersonal geimpft werden soll – alleine in Solingen sind das Tausende. „So viel Impfstoff haben wir aber noch nicht. Wir müssen den Menschen endlich reinen Wein einschenken und sagen, in welchem Zeitrahmen wer geimpft werden kann.“

Termine

Ende der Woche soll nun im Gerhard-Berting-Haus geimpft werden, ein Termin für das Elisabeth-Roock-Haus steht noch aus. Ob weitere Heime vor dem 18. Januar zum Zug kommen, ist unklar. Dann beginnt die nächste Impfrunde, in der aber vor allem bereits Geimpfte mit der zweiten Dosis versorgt werden sollen.

Standpunkt: Das muss besser werden

Von Björn Boch

Die Pandemie sorgt für einen Ausnahmezustand. Es gibt keinerlei Erfahrungswerte, und weil so viel so schnell erledigt werden muss, ist pauschale Kritik nicht immer berechtigt. Es setzt sich allerdings ein Trend fort, der Sorgen macht:

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Von oberen Ebenen wird delegiert, ohne auf das Wissen vor Ort zu vertrauen. Stattdessen gibt es klare Vorgaben, die kaum umsetzbar sind oder an der Überforderung einiger Beteiligter scheitern. Das war in Teilen bei den Schulen so, das zeigt sich bei der Verteilung der FFP2-Masken – und nun bei den Impfungen in den Heimen. 

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat eine Aufgabe übernehmen müssen, der sie noch nicht gewachsen ist, während Strukturen der Stadt – die letztlich auf engagierten Menschen vor Ort beruhen – nicht oder nur unzureichend genutzt werden. Da in den kommenden Tagen nur sehr sporadisch geimpft werden kann, muss die Zeit dringend genutzt werden, um nachzusteuern. Derzeit ist vor allem wichtig, dass keine Impfung verloren geht, noch kommt es auf das Tempo nicht so sehr an. Wenn dann aber ausreichend Impfstoff da ist, muss das System funktionieren – schnell und sicher. 

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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