Schwimmkurse

Immer weniger Kinder können schwimmen

„Die Kinder können gar nicht mehr an ihre Fähigkeiten anknüpfen“, sagt Nadine Eisenhardt von der gleichnamigen Schwimmschule. Foto: Christian Beier
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„Die Kinder können gar nicht mehr an ihre Fähigkeiten anknüpfen“, sagt Nadine Eisenhardt von der gleichnamigen Schwimmschule.

Wegen der Corona-Krise fehlt es an regelmäßigen Übungsmöglichkeiten

Von Julia Wodara

Solingen. Obwohl die Schwimmschule Eisenhardt am kommenden Montag bei weiter sinkender Inzidenz wahrscheinlich öffnen kann, empfindet Nadine Eisenhardt darüber keine reine Freude. Denn die Betreiberin der Solinger Schwimmschule hatte im April den Betrieb schon einmal wieder aufnehmen können, ehe der Unterricht zwei Wochen später erneut vollständig eingestellt werden musste. So besteht auch jetzt die Angst einer weiteren plötzlichen Schließung, sollte die Inzidenz noch einmal einen Wert von 100 übersteigen.

Unter diesen Umständen wäre erneut allein die Kleinkindausbildung möglich – 60 Prozent der regulär angebotenen Kurse könnten so weiterhin nicht stattfinden und selbst Kinder, die zuvor regelmäßig an den Kursen teilgenommen hatten, könnten nicht alle unterrichtet werden.

Im April durften nur fünf statt sechs Kinder jede Woche teilnehmen - mit Konsequenzen

Statt der üblichen Kursgröße von sechs Kindern waren während der Öffnungszeit im April nur noch fünf zugelassen – auf den ersten Blick kein allzu großer Unterschied, jedoch einer mit negativen Konsequenzen für die Teilnehmenden. Denn jeweils eines der Kinder musste somit wöchentlich den Schwimmunterricht aussetzen. Das Ergebnis: „Die Kinder können gar nicht mehr an ihren Fähigkeiten anknüpfen“, einige von ihnen wollten sogar nicht mehr ins Wasser.

Das Personal des Familienbades Vogelsang sieht dem gelassener entgegen: Sie stehen Aufsichtspersonen, deren Kinder eine Scheu vor dem Wasser zeigen, helfend beiseite.

Gerade bei der Anfängerausbildung wird auch beim Großprojekt „Solingen lernt schwimmen“ der Solinger Schwimmvereine und des Sportbildungswerks NRW die Bedeutung kontinuierlichen Übung hervorgehoben: Das Projekt, das in 72 Schwimmkursen in den Sommerferien 720 Kindern das Schwimmen beibringen möchte, zeichne sich laut Martin Sinkwitz, Ausbildungsleiter des DLRG-Bezirks Solingen, gerade durch die Möglichkeit täglicher Übung aus.

Es gibt einen unvorstellbaren Andrang auf die Schwimmkurse.

Nadine Eisenhardt, Betreiberin einer Schwimmschule

Die Bedeutung von regelmäßigem Training hebt auch die Solinger DLRG-Bezirksleiterin Anke Korten hervor: „Schwimmen verlernt man zwar nicht so schnell. Aber wenn man es gerade erst gelernt hat, bedarf es einer gewissen Übung, damit man es durchgehend kann.“

Der Mangel an Möglichkeiten zur Grundausbildung und Festigung der Schwimmfähigkeiten durch die pandemiebedingten Kursausfälle und Bäderschließungen wird sich nach Einschätzungen der DLRG ebenfalls in einer deutlich höheren Zahl an unsicheren Schwimmern widerspiegeln. „Diesen Sommer könnte es leider in eine Richtung gehen, die nicht mehr so gut ist“, sagt Korten im Hinblick auf das damit verbundene Risiko für Unfälle durch Ertrinken. Verstärkte Sicherheitsbedenken bestehen seitens der Solinger Bädergesellschaft jedoch keine: „Wir haben qualifiziertes Personal“, versichert Olsen-Buchkremer, Geschäftsführerin der Solinger Bädergesellschaft. „Wir müssen selbst dann aufpassen, wenn alle Kinder schwimmen können.“

Es gibt lange Wartelisten für Schwimmkurse

Um dem Risiko grundlegend entgegenzuwirken, liege der Fokus für die DLRG, den Sportbund Solingen und die Vereine der Stadt jedoch weiterhin in erster Linie auf der Aufstockung der Anfängerausbildung. „Es gibt einen unvorstellbaren Andrang auf die Schwimmkurse“, erklärt auch Schwimmlehrerin Eisenhardt. Doch ähnlich wie für den DLRG-Bezirk Solingen und die Schwimmvereine der Stadt, bleibt es bei diesem Andrang zunächst bei langen Wartelisten.

Wie Eltern ihren Kindern bereits zu Hause den Schritt zum Schwimmenlernen erleichtern können, erklärt Anke Korten von der DLRG: „Die Luft anhalten, Wasser über das Gesicht laufen lassen, in der Badewanne tauchen – kleine Dinge, die in Richtung Wassergewöhnung gehen, kann man immer machen.“

Anmeldungen

Anmeldungen zu den Schwimmkursen des Projekts „Solingen lernt schwimmen“ sind weiterhin ausschließlich über die Webseite des Solinger Sportbundes möglich. Der Preis der zehntägigen Intensivkurse beläuft sich auf 90 Euro, einschließlich möglichem Schwimmabzeichen. Auch Kinder ohne jegliche Wassererfahrung können an den Kompaktkursen teilnehmen; die Einteilung in fähigkeitsentsprechende Gruppen geschieht zu Beginn der Kurse durch das Personal.

Informationen zu weiteren Schwimmkursangeboten gibt es ebenfalls auf beim Sportbund sowie auf den Webseiten der Schwimmschule Eisenhardt und den Schwimmvereinen des Schwimmclubs Solingen und des TSV Solingen-Aufderhöhe.

www.solingersport.de

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