Im Lichtturm erleuchtet und erklingt der Urbaum

Der Lichtturm wird innerlich zum Urbaum.
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Der Lichtturm wird innerlich zum Urbaum.

Der Solinger Trompeter und Künstler Christopher Collings lädt in fantastische Welten ein

Von Philipp Müller

Solingen. Von außen sieht der Lichtturm in Gräfrath für Christopher Collings wie ein Baum aus. Das war die Inspiration für das Projekt „Urbaum“, das am Donnerstagabend Premiere feiert und ab morgen an drei Tagen für die Öffentlichkeit zu erleben sein wird. Collings stammt aus Solingen und hat weitere Kunstschaffende aus seinem internationalen Netzwerk für den Urbaum gewinnen können.

So lebt die Idee auch von den Batiktüchern aus den Händen von Hannah Montoux-Mie aus Frankreich. Mit Pflanzenfarben aus Gemüse und Obst hat sie die „Blätter“ für den Urbaum geschaffen. Lange Tücher hängen wie Rinde in den Geschossen des Turms.

Juan Verdaguer aus Argentinien kennt Christopher Collings aus seiner Zeit in den Niederlanden. Dort studierte er in Den Haag Musik und lebt heute als freischaffender Trompeter. Doch interdisziplinäre Kunst hat ihn schon immer interessiert. Und so musste für die Umsetzung seiner Urbaum-Idee Verdaguer einfach mit ins Boot. Er ist der Tontechniker. Er ist der Meister elektronischer Sounds. Und er ist der kreative Kopf, wenn es darum geht die Klänge aus seinem Synthesizer mit den Tönen aus Collings Trompete nicht nur zu mischen: Auf acht Lautsprecher verteilt er diese Klangwelt aus Vogelstimmen und Trompetenklängen in der Kuppel des Lichtturms rundlaufend. Kann man schlecht beschreiben, muss man einfach hören.

Hannah Montoux-Mie spannte für ihre Batikblätter Stahlseile in die Turmkuppel.

Vierte Person im Team ist der Digital-Künstler Germán Greiner aus den Vereinigten Staaten. Der Amerikaner setzt im Lichtturm gleich drei Beamer ein. So projiziert er Baumskelette auf die schmalen Gerippe und Fenster der Turmkuppel sowie die Batikflächen seiner französischen Mitstreiterin. Dabei sind die Bäume in Bewegung und setzen sich aus willkürlich wirkenden Strichen zu kräftigem Geäst zusammen. Kann man schlecht beschreiben, muss man sehen.

Zwei Jahre Zeit hat Collings in das Projekt investiert. Unterstützung erhielt er vom Kultursekretariat Wuppertal und der Kunststiftung NRW. Belastend sei die Coronazeit gewesen, erzählt Juan Verdaguer. Die gemeinsame Komposition mit Collings sei teilweise über Videokonferenzen entstanden. „Proben konnten wir bisher kaum“, sagt er.

„Der Lichtturm ist für den Urbaum perfekt, weil er mitten im Wald steht.“

Christopher Collings, Künstler

Doch es wird gut funktionieren, das war bei der Vorbesichtigung durch das Solinger Tageblatt schon zu sehen. Die 30 Stoffbahnen über fünf Etagen von Hannah Montoux-Mie sorgen für die optische Atmosphäre, dazu werden sie nicht nur vom Beamer mit Licht angestrahlt, sondern auch von Scheinwerfern. „Der Lichtturm ist für den Urbaum perfekt, weil er mitten im Wald steht“, sagt dazu Collings.

Juan Verdaguer (l.) und Christopher Collings haben verfremdete Klänge aus der Natur für das Projekt komponiert, die abends aufgeführt werden.

Jeweils 18 Besucher können die abendlichen Konzerte (| Kasten) erleben. Sie sitzen im Rund der Lichtturmkuppel. Collings ist sicher, dass es auch eine Interaktion zwischen dem Konzert, der Installation und der Waldkulisse für seine Gäste geben wird. Die Installation selbst läuft täglich vorab und kann separat besucht werden.

Das ist auch die Idee dahinter. Die Musik „aus der Konserve“ oder als live gespieltes Konzert funktionieren unabhängig voneinander gleich gut. Unter dem Strich ist der Urbaum ein Stück Kunst geworden, das man so noch nicht erlebt hat. Musik, Natur, Bilder, Architektur und neue Präsentationstechniken verschmelzen zu einem wunderbaren, die Fantasie anregenden Ereignis und Erlebnis.

Urbaum im Lichtturm erleben

Installation: Täglich vom 8. bis 10. Oktober von 15 bis 18 Uhr ist der Lichtturm mit der reinen Installation der Klang- und Bildwelten zu erleben. Der Rundgang dauert 20 Minuten.

Konzerte: Täglich um 19.30 tritt das Ensemble um Collings für 60 Minuten auf.

Tickets: Der Eintritt für die Installation beträgt 5 Euro, fürs Konzert 15 Euro:

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