Veterinäre warnen

Illegaler Tierhandel erfährt auch in Solingen einen Aufschwung

René Nitsche vom Tierheim hält das acht Wochen alte Katzenbaby Caro in seinen Armen. Foto: Christian Beier
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René Nitsche vom Tierheim hält das acht Wochen alte Katzenbaby Caro in seinen Armen.

Verlässliche Ansprechpartner sind anerkannte Züchter oder das Tierheim.

Von Melissa Wienzek und Sebastian Dorfmüller

Solingen. Niedliche Französische-Bulldoggen-Welpen gucken frech und mit großen Ohren in die Kamera. Auf den Fotos der Internet-Anzeige macht alles einen ordentlichen Eindruck. Zum vereinbarten Kauftermin rückt die ganze Familie zur genannten Adresse an. Doch statt einem liebevoll eingerichteten Wohnhaus zeigt das Navi einen Parkplatz an – im Kofferraum eines Transporters sitzen viel zu viele krank aussehende Welpen zusammengepfercht in  einer  Transportbox.  Französische-Bulldoggen-Welpen sind übrigens keine dabei.

Vor solchen dubiosen Kofferraum- und Internetverkäufen warnen das Bergische Veterinäramt und das Tierheim Solingen. Denn gerade in Coronazeiten mit Homeoffice und Kurzarbeit sind viele Familien aufs Tier gekommen. Vor allem Hundewelpen sind gefragt. So wurden in Solingen 2021 bislang 10 445 Hunde gemeldet, das sind bereits 415 mehr als noch 2020. Im Gegensatz dazu waren es in Remscheid dieses Jahr bisher 6982 Hunde– nur 80 mehr als 2020.

Solingen: Veterinäramt verzeichnet häufiger Anzeigen zur Welpenvermehrung

Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) mit Sitz in Solingen bestätigt auf ST-Nachfrage, dass die Zahl von Anzeigen mit Verdacht auf illegalen Hundehandel/Zucht in der letzten Zeit im Städtedreieck deutlich zugenommen hat, was erheblich Personal binde. Gibt es gar Anzeichen für eine „Hunde-Mafia“ im Bergischen? „Inwieweit ,mafiöse‘ Strukturen bei dem Hundehandel vorkommen, ist vonseiten des BVLA nicht beurteilbar. Es ist aber festzustellen, dass es Familienverbunde gibt, die gezielt Hunde aus ihren ausländischen Herkunftsregionen verbringen“, teilen die Veterinäre mit. Meistens stammten die Tiere aus dem EU-Ausland, aus Bulgarien und Rumänien. Aber auch aus anderen EU-Ländern und Drittländern – hier aus der russischen Föderation oder aus Serbien. Das Veterinäramt verzeichnet vermehrt Anzeigen zur Welpenvermehrung – wobei die Welpen sowohl aus Deutschland als auch aus den umliegenden Ländern von unseriösen sogenannten „Vermehrern“ stammen können. Das BVLA stellt zudem eine Steigerung der Anzeigen und Vorgänge bezüglich Tieren fest, die illegal aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden. 2021 sind es (Stand 18. Mai) 19 Vorgänge, 2020 waren es im ganzen Jahresverlauf 22.

Tipps vom Veterinäramt: „Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte auf keinen Fall Welpen aus irgendwelchen merkwürdigen Verbindungen oder auf Parkplätzen kaufen“, sagt Sabine Rische, Sprecherin der Stadt Solingen, stellvertretend für das BVLA. Wer Zeuge einer solchen Situation werde, sollte dies dem Veterinäramt melden. Generell sollte nicht über „Tierbörsen“ oder „Internetforen“ gekauft werden, sagt das BVLA. Worauf sollten neue Besitzer also achten? Wenn Hunde von Züchtern oder privat erworben werden, sollten die Elterntiere – insbesondere das Muttertier – und Geschwister vor Ort sein und besichtigt werden können. Die Hunde sollten mittels Transponderchip gekennzeichnet und geimpft sein und über einen deutschen EU-Heimtierausweis verfügen. Es sollte ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Das BVLA empfiehlt, sich vor dem Hundekauf ausführlich zu informieren, zum Beispiel auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unter dem Link:

www.bmel.de/DE/themen/tiere/haus-und-zootiere/illegaler-welpenhandel.html

Ein verlässlicher Ansprechpartner sind anerkannte, seriöse Züchter – bei Hunden zum Beispiel der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) – oder das Tierheim.

Das Tierheim in Glüder erhalte sehr viele Anfragen. „Die Menge der Anfragen ist enorm, aber wir haben nicht unbegrenzt viele Tiere da“, sagt René Nitsche, Mitarbeiter des Solinger Tierheims.

Die Hauptsorge sei, dass sich die Suchenden daraufhin im Internet umschauen würden. Wenn es im Tierheim nicht klappte, versuchten es die Leute oft bei Ebay sagt er. Dort würde man aufgrund fehlender Kontrollmechanismen relativ leicht an Haustiere kommen. Diese würden dann aber in der Regel nicht artgerecht behandelt. Zum Beispiel, wenn sie zu früh von ihren Müttern getrennt würden.

„Dann kommen sie hier an und wir stellen fest, dass sie Läuse, Würmer oder andere Krankheiten mitbringen.“

René Nitsche vom Tierheim

Auch litten viele von ihnen unter Krankheiten. Später würden die Tiere dann oft im Tierheim abgegeben. „Dann kommen sie hier an und wir stellen fest, dass sie Läuse, Würmer oder andere Krankheiten mitbringen“, sagt Nitsche.

Auch wenn bei Ebay zur Vorsicht vor unprofessionellen Tierhändlern aufgerufen werde, würde noch nicht genug getan werden. „Der Tierhandel im Internet ist ein großes Problem und bereitet mir große Sorge“, so René Nitsche.

Anzeige

Das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt überprüft jede Anzeige. Da die Anzeigen zunehmen, steigt auch die Zahl der Kontrollen. Die Anzeige muss schriftlich samt Namen und Kontaktdaten erfolgen. Per Post: BVLA, Dorper Straße 26, 42651 Solingen, oder per E-Mail: Beschwerden-BVLA@solingen.de

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