Insolvenzverfahren

IG Metall sorgt sich um die Zukunft des Borbet-Standorts

Der Seniorenarbeitskreis der IG Metall tagte erstmals an der Gasstraße und diskutierte die Situation bei Borbet.
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Der Seniorenarbeitskreis der IG Metall tagte erstmals an der Gasstraße und diskutierte die Situation bei Borbet.

Seniorenarbeitskreis diskutiert Situation bei Räderhersteller.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Fahrten, Jubiläen, Kontakt zu Gewerkschaftsmitgliedern im Ruhestand – mit Themen wie diesen beschäftigt sich der Seniorenarbeitskreis der IG Metall Remscheid-Solingen. Bei der Sitzung am Dienstag stand ein anderes Thema im Mittelpunkt: die Situation bei der Borbet Solingen GmbH. Serdar Üyüklüer, Geschäftsführer und erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft, äußerte Sorge, dass der Standort geschlossen werden könnte. Er warf der Unternehmensleitung vor, nicht mit offenen Karten zu spielen.

Im Dezember 2021 hat der Räderhersteller für sein Solinger Werk ein Schutzschirmverfahren beantragt, am 1. März 2022 wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Borbet hatte erklärt, der Standort schreibe „seit Jahren hohe Verluste“. Die Kosten, insbesondere für Personal, seien zu hoch.

Serdar Üyüklüer gesteht ein, dass der Personalaufwand an der Weyerstraße „gegenüber nicht tarifgebundenen Billiglohn-Borbet-Standorten“ vergleichsweise groß sei. Aber: Der Standort habe immer geliefert, sei in Sachen Organisation und Qualität ein Vorzeigebetrieb gewesen. Derzeit scheint er im Chaos zu versinken.

Seit Jahren gibt es Differenzen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat, 2019 wurde die Arbeitnehmervertretung gerichtlich aufgelöst. „Aber die größten Fehler wurden auf betrieblicher Seite gemacht“, zeigt sich Üyüklüer überzeugt. Sein Eindruck: Nicht tarifgebundene Borbet-Standorte bekamen bestimmte Aufträge, um die Produktionskosten zu senken – zulasten Solingens. Dort wurde der Tarifvertrag Mitte 2020 gekündigt. „Gefühlt ist das ein abgekartetes Spiel“, sagt Serdar Üyüklüer.

IG Metall Remscheid-Solingen bezieht neuen Standort

Drei Optionen gibt es für das Werk. Entweder die Borbet-Gruppe oder ein Investor führt es nach Sanierung mit Personalabbau weiter. Im Raum steht der Wegfall von 188 Stellen. Die dritte Variante ist die Schließung des Standorts. Vorsorglich wird diese seit kurzem laut Angaben der Gewerkschaft von Betriebsrat und Unternehmen in einer Einigungsstelle besprochen.

Die IG Metall möchte das Aus verhindern. Co-Geschäftsführer Marko Röhrig betont, den Borbet-Verantwortlichen Gesprächsbereitschaft signalisiert zu haben. Dabei geht es um denkbares Entgegenkommen in Sachen Arbeitszeit und Entlohnung, sollten Borbet oder ein Investor den Standort fortführen. „Bisher haben wir keine Rückmeldung“, sagt Röhrig. Nächste Woche Mittwoch tagt der Gläubigerausschuss, die Gewerkschaft rechnet mit zeitnaher Entscheidung.

Die Ausführungen diskutierte der Seniorenarbeitskreis. „Ihre Erfahrung ist Gold wert“, betont Üyüklüer. Das Gremium tagte erstmals in der Gasstraße 10. Im Deltawerk ist die IG Metall Remscheid-Solingen räumlich enger mit Verdi zusammengerückt. Das IG-Metall-Büro ist dienstags zwischen 9 und 16.30 Uhr besetzt.

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