Hundeschulen geschlossen

Sozialverhalten von Hunden leidet im Lockdown

In Kursen und Gruppenstunden können Tierpsychologe Stefan Denig und seine Mitarbeiterin Désiré Daneva derzeit nicht mit Vierbeinern wie Lotta (l.) und Laoghaire arbeiten. Geöffnet hat an der Nibelungenstraße lediglich Denigs Hundetagesstätte. Dort werden vor allem Tiere von Menschen betreut, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Foto: Christian Beier
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In Kursen und Gruppenstunden können Tierpsychologe Stefan Denig und seine Mitarbeiterin Désiré Daneva derzeit nicht mit Vierbeinern wie Lotta (l.) und Laoghaire arbeiten. Geöffnet hat an der Nibelungenstraße lediglich Denigs Hundetagesstätte. Dort werden vor allem Tiere von Menschen betreut, die in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Coronabedingt haben Hundeschulen geschlossen – Telefon- und Videogespräche können das nur bedingt auffangen.

Solingen. Die ersten 16 bis 20 Wochen haben im Leben eines Hundes eine besondere Bedeutung. „Diese Phase ist unheimlich wichtig für das Sozialverhalten der Tiere“, weiß Stefan Denig. Seit 1997 betreibt der studierte Tierpsychologe die nach ihm benannte Hundeschule in Solingen. Derzeit beschränkt sich das Angebot an der Nibelungenstraße auf den Betrieb einer Hundetagesstätte. Kurse und Gruppenstunden finden coronabedingt nicht statt (siehe unten). Für die Tiere kann das Folgen haben.

„Nach dem ersten Lockdown haben wir gesehen, dass viele Hunde unsicher und ängstlich waren“, erklärt Denig. Das sei auf den fehlenden Kontakt zu Artgenossen zurückzuführen. Beim beaufsichtigten Toben lernen sie normalerweise, vernünftig miteinander umzugehen. Machen sie diese Erfahrungen nicht, könnte das im Alltag zu Problemen führen. „Wenn Hunde im Umgang mit Artgenossen oder Menschen Ärger verursachen, liegt das meist nicht an der Erziehung, sondern an mangelhaftem Sozialverhalten“, erläutert Stefan Denig.

„Wenn Hunde Ärger verursachen, liegt das meist an mangelhaftem Sozialverhalten.“

Stefan Denig, Tierpsychologe

Der Fachmann rät deshalb dazu, die Vierbeiner – unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Regeln – mit anderen Hunden in Kontakt zu bringen. Sinnvoll könne es zudem sein, telefonisch Kontakt zu Hundeschulen oder -trainern zu halten, um sich über bestimmte Verhaltensmuster auszutauschen.

So handhabt es auch Regina Hogendorf-Uhe. „Jeder sollte bei Fragen oder Problemen die Möglichkeit nutzen, Experten anzurufen“, sagt sie. Seit rund zehn Jahren betreibt die Schulbegleiterin nebenberuflich eine Hundeschule. Wie viele ihrer Kollegen ist sie während des Lockdowns weiterhin ansprechbar, wenngleich persönliche Trainingsstunden nicht stattfinden können.

Führt das zu einer Generation schlecht erzogener Hunde? „So weit würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen“, betont Hogendorf-Uhe. Zwar gebe es durchaus Probleme, die sich verselbstständigen können. Die Hundetrainerin nennt beispielhaft eine schlechte Beißhemmung. Doch mit Hilfe von Experten und Ratgebern können Hundehalter viele akute Herausforderungen selbst in den Griff bekommen, ist sie überzeugt.

Welche Auswirkungen die geschlossenen Hundeschulen tatsächlich auf das Verhalten der Welpen von heute haben, könne man erst in einiger Zeit sehen. Ihnen dann noch ungewollte Verhaltensweisen abzutrainieren, sei zwar aufwendiger als im jungen Alter – aber nicht unmöglich. Hogendorf-Uhe zieht den Vergleich zu schlechten Angewohnheiten von Menschen: Je länger sich die einschleifen, desto schwieriger sei das Abgewöhnen.

Solingen: Als Hundecoach unterwegs

„Was Hunde in den ersten 20 Wochen ihres Lebens lernen, kann man später nicht so einfach raustrainieren“, bestätigt Jörg Rabenschlag. Vor knapp vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht, seitdem ist er als Jörg der Hundecoach unterwegs. Während der Pandemie, in der sich seiner Beobachtung nach viele Menschen einen Hund angeschafft haben, ist er telefonisch und per Video-Anruf erreichbar. Das sei zwar in der aktuellen Lage eine vernünftige Möglichkeit, dringliche Fragen der Herrchen zu beantworten. Einen gleichwertigen Ersatz für die persönlichen Trainingsstunden sieht Rabenschlag darin aber nicht: „Hunde lernen im Kontext. Sie benötigen Klarheit und Souveränität.“

Nicht zuletzt deshalb hofft der Solinger Hundecoach wie sein Kollege Stefan Denig, bald wieder wie gewohnt arbeiten zu dürfen. Derzeit hält Rabenschlag das Einkommen seiner Frau über Wasser, er wartet auf die sogenannte Neustarthilfe für Soloselbstständige. Regina Hogendorf-Uhe sehnt sich nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen nach einer Perspektive für ihre Mitstreiter und sich: „Es fehlt einem sehr, mit den Hunden zu arbeiten und ihre Fortschritte zu sehen.“

Verordnung

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Landes lässt den Betrieb in nordrhein-westfälischen Hundeschulen nicht zu. Das Oberverwaltungsgericht Münster folgte Ende Dezember der Einschätzung, dass Hundeschulen als außerschulische Bildungsangebote anzusehen sind. Dort werde nicht nur mit den Tieren trainiert, sondern auch ihren Haltern Wissen vermittelt.

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