Pogromartige Ereignisse

Hoyerswerda: Städte erinnern an Gewalt vor 30 Jahren

Ein Denkmal aus Marmor erinnert am Rand eines Parks im Stadtzentrum von Hoyerswerda an die pogromartigen Ereignisse in der sächsischen Stadt im Herbst 1991. Foto: Mirko Kolodziej
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Ein Denkmal aus Marmor erinnert am Rand eines Parks im Stadtzentrum von Hoyerswerda an die pogromartigen Ereignisse in der sächsischen Stadt im Herbst 1991.

Hoyerswerda bereitet Gedenken an 1991 vor – und lädt Gäste aus Solingen, Mölln und Rostock ein.

Von Mirko Kolodziej

Als die pogromartige Gewalt, die sich im September 1991 in Hoyerswerda entlud, 20 Jahre zurücklag, wurde in einem orangenen Ausstellungs-Würfel direkt am Fluss Schwarze Elster die Schau „Herbst 1991“ eröffnet. Drei Jahre später weihte man am Rand eines Parks im Stadtzentrum zur Erinnerung ein Denkmal aus Marmor ein. Im September dieses Jahres, also genau 30 Jahre nach dem, was in Hoyerswerda lange etwas verschämt „die Ereignisse“ hieß, soll wohl nicht weniger als der Versuch unternommen werden, eine möglichst breite Konversation zu führen. Dazu sind auch Gäste aus Solingen, Mölln und Rostock geladen.

„Nur wenn man das als Teil der Stadtgeschichte annimmt, kann das zu Versöhnung führen“, sagte Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) bei der Vorstellung eines ersten Programm-Entwurfs. Dabei geht es den Organisatoren darum, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen.

„Wir müssen einen positiven Weg finden, damit umzugehen.“

Torsten Ruban-Zeh, Oberbürgermeister von Hoyerswerda

Dazu zählen auch die Erkenntnisse von Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen, wo es Anfang der 1990er Jahre ebenfalls zu ausländerfeindlichen Gewalttaten kam. Zum Auftakt der Gedenkveranstaltungen eingeladen sind Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos), Möllns Bürgermeister Jan Wiegels (SPD) und Solingens kommunale Integrationsbeauftragte Anne Wehkamp. OB Tim Kurzbach (SPD) war eingeladen, lässt sich aus terminlichen Gründen aber vertreten.

Olaf Dominick vom Hoyerswerdaer OB-Büro hob hervor, dass Vertreter von Städten zusammenkämen, „wo die Ursachen für die entsprechenden Ereignisse unterschiedlich waren und wo es auch unterschiedliche Erfahrungen mit Integration gibt.“ Schließlich sei der Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte in Mölln und in Solingen schon damals deutlich größer gewesen. Dominick sagt, man wolle sich ausgehend von den 1990ern über die Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte austauschen, über Probleme und Erfolge miteinander sprechen.

In den vergangenen drei Jahrzehnten gab es in Hoyerswerda einen nur eher sporadischen Kontakt zu einigen Menschen, die 1991 unter jenen Vertragsarbeitern und Asylbewerbern waren, welche nach den Attacken auf ihre Unterkünfte in Hoyerswerdas Neustadt evakuiert werden mussten. Auf ihre Erfahrungen soll erstmals der Fokus gelegt werden. Verbindung zu ehemaligen mosambikanischen und vietnamesischen Vertragsarbeitern sind aufgenommen.

Das Motto der drei Tage soll lauten: „Erinnerungen – Einsichten – Perspektiven“. Der Stadt kommt es vor allem auf den letzten der drei Begriffe an. Möglichst vielfältig soll das Bild sein, das sich aus der Schilderung von Erlebnissen und ihrer Einordnung ergibt. Daher suchen die Initiatoren den Kontakt zu früheren Asylbewerbern. Aber auch Personen, die damals Steine auf Ausländer wie auf Polizisten warfen, sollen sich äußern können. Gleiches gilt für jene Leute, die sich vor einigen Jahren unter dem Namen „Pogrom 91“ zu Wort meldeten und in der Stadt nicht unbedingt auf viel Verständnis stießen. Dominick warb darum, dass die Stadtgesellschaft unterschiedliche Perspektiven aushalten solle.

Mehrfach wurde bei der Vorstellung des Programmentwurfs versichert, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehen soll, sondern darum, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. „Ich denke, wir müssen einen positiven Weg finden, damit umzugehen“, sagt Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh. Nur so könne man verhindern, dass sich die Gewalt wiederholt.

Der Autor ist Reporter beim Hoyerswerdaer Tageblatt.

Programm

Datum: Die Gedenkveranstaltungen sind für das Wochenende, 17. bis 19. September, geplant.

Inhalte: Zur Ausstellungseröffnung ist ein Podiumsgespräch mit Vertretern aus Solingen, Mölln und Rostock geplant. Ein kritischer Stadtspaziergang und eine Gedenkveranstaltung mit Betroffenen ist für den zweiten Tag vorgesehen. Am dritten Tag soll es einen Gottesdienst und eine Vorstellung des Dokumentationsromans „Kinder von Hoy“ von Grit Lemke geben.

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