Touristenbranche leidet wegen Corona

Solinger Hotelbranche bricht um 80 Prozent ein

Auch die größten Hotels haben den Betrieb vorübergehend eingestellt. Dazu gehören der Gräfrather Hof und das Novum-Hotel. Fotos: Christian Beier
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Auch die größten Hotels haben den Betrieb vorübergehend eingestellt. Dazu gehören der Gräfrather Hof und das Novum-Hotel.

Im Gastgeber-Gewerbe machen sich die Betreiber große Sorgen um ihre Zukunft – viele Häuser sind geschlossen

Solingen. Die Pandemie macht der Hotellerie besonders zu schaffen. Viele Betriebe sind geschlossen. Von „Kompletteinbrüchen“ in der Solinger Gastgeberbranche berichtet Holger Piwowar, Geschäftsführer des Bergisches Land Tourismus Marketings. Vor allem für die großen Hotels lohne es sich derzeit nicht, für die wenigen Gäste die Angebote aufrecht zu halten. Im Schnitt sei die Zahl der Übernachtungen um mehr als 80 Prozent eingebrochen.

Die Gründe liegen vor allem in den Folgen der Corona-Pandemie. So sind derzeit touristische Übernachtungen in Hotels untersagt. Zudem fallen seit gut einem Jahr viele Geschäftsreisen weg. Auch die großen Messen, die regelmäßig Übernachtungsgäste bringen, finden nicht statt.

Es lohnt sich nicht, für ein bis zwei Gäste das ganze Angebot aufrechtzuerhalten.

Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga Nordrhein

Die Lage bewertet Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nordrhein, als „dramatisch“. Vor allem die großen Hotels haben den Betrieb nach ihren Angaben vorübergehend eingestellt. Auch die beiden größten Häuser, der Gräfrather Hof und das Novum-Hotel am Theater und Konzerthaus, sind derzeit geschlossen. „Es lohnt sich nicht, für ein bis zwei Gäste das ganze Angebot aufrechtzuerhalten“, sagt Hausmann. Laut diverser Buchungsportale im Internet sind derzeit etwa 80 Prozent der Fremdenbetten in Solingen nicht buchbar.

Zu der dramatischen Situation trägt nach Hausmanns Angaben bei, dass staatliche Hilfen oft spät kommen oder bei etlichen Betrieben noch gar nicht eingetroffen seien. Petra Meis, Vorsitzende des Solinger Dehoga-Stadtverbandes, relativiert. Wer mit Hilfe eines Steuerberaters die nötigen Unterlagen komplett einreiche, bekomme auch Geld. Fehle aber etwas, lande der Antragsteller in der Reihe wieder ganz hinten. Viele der Gastgeber haben laut Hausmann kein Geld mehr, um die weiter laufenden Kosten zu finanzieren. Außerdem kritisiert sie, dass der Staat nur 90 Prozent der Fixkosten übernehme. Schließlich müssten die Betriebe ihre Energiekosten auch vollständig weiterbezahlen, gibt Meis zu bedenken.

Corona: Psychische Belastungen in der Hotelbranche werden größer

Die beiden Dehoga-Frauen sorgen sich nicht nur um den Fortbestand vieler Betriebe, sondern auch um die Lage der Menschen, die in der Branche tätig sind. Hausmann berichtet von psychischen Belastungen, die immer größer würden, wenn die Betroffenen nicht wüssten, wie es weitergeht.

Sowohl in der Hotellerie als auch in der Gastronomie sei es für viele Menschen „deprimierend, wenn man nicht arbeiten kann“, sagt Meis. Für Festangestellte könne man immerhin noch Kurzarbeitergeld beantragen. „Die Aushilfen fallen aber ganz durchs Raster.“

Solinger Gastronomen hoffen, im Mai öffnen zu können

Die Hoffnungen der Beteiligten richten sich kurzfristig auf mögliche Öffnungsszenarien in den warmen Monaten und langfristig auf die steigende Zahl bei den Impfungen. Vor allem die Gastronomie setze darauf, dass sie zu den Feiertagen im Mai zumindest im Freien wieder Gäste empfangen dürfe, berichtet Meis. „Das würde schon einmal helfen.“ Denn das Geschäft mit Abhol- und Bringservice oder der Bewirtung von Gästen, die im Wohnmobil kommen, rechne sich zumeist nicht. Hier gehe es eher darum, den Kontakt zu den Stammgästen zu halten.

Das Bergisches Land Tourismus-Marketing rüstet sich laut Geschäftsführer Holger Piwowar für den „hoffentlich großen Run“ nach der Pandemie. Er hofft, darauf, dass die Zahl der Anfragen dann schnell wieder steige. Neue Wander- und Fahrradkarten seien in Arbeit. | Standpunkt

Forderungen

Zur Unterstützung der Branche fordert der Hotel- und Gaststättenverband mehr staatliche Unterstützung für die Betriebe. Demnach sollten unter anderem die Überbrückungshilfe über den Juni hinaus weitergeführt, Neustart-Hilfen gezahlt, Kreditkosten gestundet und eine Grundsicherung von monatlich 2500 Euro für Unternehmer eingeführt werden.

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