Karnevalsauftakt in der Ohligser Festhalle

Hoppeditz wünscht sich eine Musicalhalle für die Innenstadt

Waldemar Gluch alias Robin Hoppeditz begab sich auf die Suche nach dem verschwundenen Geld.
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Waldemar Gluch alias Robin Hoppeditz begab sich auf die Suche nach dem verschwundenen Geld.

Launiger Auftakt in die fünfte Jahreszeit mit mehr als 250 Gästen in der Ohligser Festhalle.

Von Andreas Erdmann

Solingen. In der Festhalle Ohligs tummelten sich am 11. 11. zum Start der närrischen Jahreszeit mehr als 250 Gäste, darunter Abordnungen der Karnevalsvereine und viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Ob als Pirat, Hexe, Maus oder Schornsteinfeger verkleidet, in den Farben der Vereine oder mit Narrenkappen – alle hatten sich närrisch in Schale geworfen. Eingeladen hatte die Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs 1936. Sascha Wurth, in einer früheren Session Karnevalsprinz Sascha I., führte humorvoll durch das Programm.

So entbehrlich die Coronazeit war: „Wir stonnt tesame“, verkündete Axel Hawranke, Vorsitzender des Festausschusses Solinger Karneval, eingangs das Motto des Abends. „Zusammenhalten ist die beste Medizin gegen Krankheit und gegen die zwei mageren Karnevalsjahre, die hinter uns liegen. Zusammenhalt bringt Genesung.“

Die Frage des Abends lautete: Wer ist der neue Hoppeditz? Nach dem Brauch schläft dieser seit Aschermittwoch in einer Tonne, aus der er jetzt erwachen durfte. Sascha Wurth zählte um Punkt 19.11 Uhr den jecken Countdown von 11 Sekunden bis zum Abheben des Deckels der Tonne, die – von der Karnevals-Prominenz umringt – in der Bühnenmitte stand. Der ganze Saal zählte lautstark mit, bis unter rasendem Applaus der neue Hoppeditz Waldemar Gluch als „Robin Hoppeditz“ im Robin-Hood-Kostüm aus der Tonne sprang. Gluch ist der Vorsitzende des Initiativkreises Solingen, der die Werbegemeinschaften des Einzelhandels vereint.

Nach der Tradition, Lokalpolitik und Stadtgesellschaft aufs Korn zu nehmen, überlegte „Robin Hoppeditz“ als „Rächer der verödeten Städte“, ob und wo das fehlende Geld für die Haushaltskasse gestohlen werden solle – oder ob es andere Wege gebe, die Löcher zu stopfen. „Die Steuerzahler wollen ihr Geld zurück. Also sollen wir Christians goldene Kutsche überfallen?“, fragte er. „Oder ziehen wir vor das Bundesverfassungsgericht, unser Geld einzuklagen?“ Letzteres sei aussichtslos, denn vor 2070 sei von diesem kein Urteil zu erwarten. „Ziehen wir dann im Bettlergewand vor den Berliner Reichstag?“

Habe man erst – von woher auch immer – die fehlenden Milliarden, gelte es, damit Bus und Bahn flott zu machen und in Schulen und Kindergärten zu investieren. Der Bau einer großen Sporthalle und einer neuen Eishalle wären möglich, „zudem eine riesige Musicalhalle mitten in der City. Solingen bekäme ein eigenes Musical.“

Der Karnevalsrede schloss sich Solingens 1. Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne) an und fand ebenso närrische Worte: „Wenn Solingen schon eine riesige neue Halle in der Stadtmitte erhält, fehlt uns dazu nur noch eine Untergrundbahn!“

Im Anschluss räumte die Prominenz die Bühne, um den Tanzgarden und der Musik das Feld zu überlassen. „Wir hoffen, in dieser Saison endlich wieder Karneval feiern zu können“, sagte Sascha Wurth. Im Februar 2020 fiel der Karneval coronabedingt ganz aus. „2021 waren wir durch Auflagen stark eingeschränkt. Es gab nur die Eröffnung, die Proklamation und die Muckemau-Sitzung, dann war Schluss.“ Mit dem Tod von Joachim Junker sei ihnen die Feierlaune dann vergangen. Junker war von 2007 bis 2019 Vorsitzender des Festausschusses, jahrelang Vorsitzender der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs und Organisator des Rosenmontagszugs. „Er war ein Organisationstalent und hat uns alle zusammengehalten. Er fehlt uns.“

Ursprung

Die Schelmenfigur entstand im Mittelalter in Düsseldorf und bedeutet „hüpfendes Kind“. Sein Erscheinen am 11. 11. hatte mit dem Martinstag zu tun, der letzten Gelegenheit zum Feiern vor dem Adventsfasten. Aus der Tonne oder aus einem Senfglas springt er seit mehr als 70 Jahren, in Solingen seit 2015.

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