Nach dem Hochwasser

Unterburg: Hohe Luftfeuchtigkeit setzt der Orgel zu

Rettungsaktion für die alte Orgel: Organist Jan Crummenerl, Orgelbauer Christoph Böttcher, Pfarrer Manfred Jetter und Baukirchmeister Peter Siebel beim Orgelausbau in Unterburg.
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Rettungsaktion für die alte Orgel: Organist Jan Crummenerl, Orgelbauer Christoph Böttcher, Pfarrer Manfred Jetter und Baukirchmeister Peter Siebel beim Orgelausbau in Unterburg.

Instrument der Kirche Unterburg muss nach dem Hochwasser ausgebaut werden.

Von Theresa Demski

Solingen/Wermelskirchen. Die Fenster und Türen der alten Kirche in Unterburg stehen offen. Trocknungsgeräte haben ihren Dienst aufgenommen. „Aber die Luftfeuchtigkeit bleibt sehr hoch“, sagt Peter Siebel. Der Baukirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen inspiziert gemeinsam mit Pfarrer Manfred Jetter, Organist Jan Crummenerl und Orgelbauer Christoph Böttcher das alte Instrument in der Kirche.

„Das ist keine Wald-und-Wiesen-Orgel, sondern ein Kleinod in der Orgelbaulandschaft“, sagt Böttcher, dem das traditionsreiche Orgelbau-Unternehmen Willi Peter gehört. Der spezielle Aufbau und das alte Gehäuse, das wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt, sprächen für das besondere Instrument. „Und natürlich der schöne Klang“, ergänzt Crummenerl, „viele Kollegen beneiden uns um diese Orgel.“ Es wäre eine Katastrophe, wenn dieses Instrument unwiederbringlich zerstört würde.

Und deswegen reagierte Orgelbaumeister Christoph Böttcher sofort auf den Notruf der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises. „Wir Ehrenamtlichen sind hier mit unserem Latein am Ende“, erklärt Siebel . Deswegen habe man den Kirchenkreis dringend um Unterstützung gebeten, um die Situation für die Orgel zu bewerten. Gleichzeitig hatte Jan Crummenerl Kontakt zum Orgelbaumeister aufgenommen. Der verschob seine Termine und organisierte kurzfristig den Ausbau der Orgel aus der Kirche in Unterburg.

Orgelbaumeister fürchtet, dass die Orgel anfängt zu schimmeln

„Wir müssen jetzt schnell reagieren, um dauerhafte Schäden an diesem besonderen Instrument zu verhindern“, erklärt Böttcher. Die Feuchtigkeit weiche die Leimfugen auf, bedrohe die Federn in den Ventilen und führe bereits zu einer ersten Schimmelbildung im Instrument, erklärt der Fachmann. Zwei ungünstige Faktoren würden dabei aufeinandertreffen: Die Orgel habe kurz vor einer Grundreinigung gestanden, sei also entsprechend lange nicht gereinigt worden. „Nun treffen der Staub im Instrument und die Luftfeuchtigkeit aufeinander“, sagt Böttcher, „das bietet einen guten Nährboden für Schimmelbildung.“ Dem Schimmel dürfe auf keinen Fall die Möglichkeit gegeben werden, zu streuen.

Also werden seit der vergangenen Woche die rund 1250 Orgelpfeifen ausgebaut. Die größten Exemplare messen mehr als zwei Meter, die kleinsten gerade neun Millimeter. Metallpfeifen werden ebenso ausgebaut wie Holzpfeifen. Danach steht die Demontage der Windladen an. „Dabei müssen wir äußerst vorsichtig vorgehen“, erklärt der Orgelbaumeister, der das Instrument schon lange kennt. Regelmäßig kam er zum Stimmen der Orgel in die Kirche nach Unterburg. „Das Material ist sehr weich und empfindlich“, erklärt er und deutet auf die speziellen Transportkartons. Bis Mitte dieser Woche wird das komplette Instrument schließlich gut verpackt sein.

Wir sind sehr dankbar, dass die Rettung unserer Orgel so kurzfristig möglich ist.

Pfarrer Manfred Jetter

Die Orgel wird dann zum Trocknen aufgestellt und schließlich fachgerecht gelagert – solange bis die Gemeinde über die künftige Nutzung der Kirche und eine entsprechende Sanierung beraten hat. Während der Bauarbeiten wird das Orgelgehäuse dann eingehüllt, um es zu schützen. Erst anschließend wird die Orgel an ihren Platz zurückkehren.

„Wir sind sehr dankbar, dass die Rettung unserer Orgel so kurzfristig möglich ist“, sagt Pfarrer Manfred Jetter. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Gemeinde in Unterburg ohne Orgelmusik auskommen müssen. Der Gottesdienstbetrieb wird allerdings wieder aufgenommen – unter freiem Himmel.

Wie es weitergeht

Wie es genau in Unterburg weitergeht, ist noch nicht klar. Ende des Monats, am 22. August, will die Evangelische Kirchengemeinde Wermelskirchen aber über die Zukunft der Burger Kirche informieren. Gottesdienste finden derzeit im Freien statt.

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