Corona und andere Infektionskrankheiten

Hohe Krankenstände in Solinger Unternehmen

Dr. Stephan Kochen vom Praxisnetzwerk Solimed rät auch weiterhin zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.
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Dr. Stephan Kochen vom Praxisnetzwerk Solimed rät auch weiterhin zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Corona und andere Erkrankungen belasten die Wirtschaft im Bergischen − Praxen sind teilweise überlaufen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Husten, schniefen, niesen – wenngleich diese Plagen den Solingern eigentlich eher aus der kalten Jahreszeit bekannt sein dürften, kämpfen viele Unternehmen im Bergischen derzeit mit einem auffallend hohen Krankenstand. „Einige verzeichnen sogar Rekordwerte, die zwei- bis dreimal höher sind als normal“, schildert Thomas Wängler, Sprecher der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), die Situation. Schon seit einigen Wochen seien Betriebe aller Branchen von dem Problem betroffen – von Industrie bis zu Dienstleistungsunternehmen. „Auch die Bergische IHK selbst hatte zwischenzeitlich einen hohen Krankenstand“, so Wängler.

„Zum großen Teil handelt es sich um Corona-Erkrankungen, aber auch andere Infektionen scheinen sich derzeit verstärkt zu verbreiten.“ Die Ausfälle seien für die Unternehmen so kurzfristig schwer aufzufangen, da oft Termine nicht eingehalten werden könnten und die Produktion deshalb beeinträchtigt werde. „Bestehende Probleme, beispielsweise durch extrem steigende Rohstoff- und Energiepreise, werden so noch weiter verstärkt“, fasst Wängler zusammen. Sofern es sich um Arbeitsplätze im Büro handele, griffen die Unternehmen auch wieder verstärkt auf Homeoffice zurück, was in Industrieunternehmen nur im geringen Umfang möglich sei.

„Auch andere Infektionen scheinen sich derzeit verstärkt zu verbeiten.“

Thomas Wängler, Bergische IHK

„Wir wissen nach zweieinhalb Jahren Pandemie aber auch, dass Homeoffice dosiert eingesetzt werden sollte“, ist Wängler überzeugt. „Die direkte Kommunikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist unverzichtbar und Teambuilding funktioniert beispielsweise online deutlich schlechter.“ Grundsätzlich profitierten die Unternehmen von den bestehenden Hygienekonzepten der Vergangenheit.

Als „coronabedingt etwas erhöht“ beschreibt Sebastian Assé, Sprecher der Stadt-Sparkasse Solingen, auch den Krankenstand bei dem Kreditinstitut. Anders als in der Nachbarstadt Wuppertal, wo die Stadt-Sparkasse wegen Krankheit kurzzeitig 19 von 34 Filialen schließen musste, seien in Solingen bislang keine Filialschließungen notwendig gewesen und der Geschäftsbetrieb habe aufrechterhalten werden können. Neben der Stadt-Sparkasse wiesen zuletzt auch die Verkehrsbetriebe Solingen auf krankheitsbedingte Ausfälle von Bussen hin.

Hoher Krankenstand in Solingen: Arzt rät, beim Einkaufen weiterhin eine Maske zu tragen

Dr. Stephan Kochen, Sprecher des Praxisnetzwerks Solimed, kann die Beobachtung nur bestätigen: „Ich weiß von vielen Praxen, dass sie in den letzten Tagen so viele Krankmeldungen wie selten zuvor geschrieben haben. Grob würde ich dabei schätzen, dass es sich zu zwei Dritteln um Corona-Fälle und ein Drittel um Erkältungskrankheiten handelt.“ Derweil hätten Corona-Maßnahmen wie Homeoffice und der Wegfall großer Massenveranstaltungen auch dazu beigetragen, andere Infektionskrankheiten einzudämmen.

Was Corona betrifft, blieben laut Kochen viele Infektionen zurzeit unentdeckt. Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Solingen immerhin bei knapp 1009, eine weitere Welle im Herbst halte er für wahrscheinlich. Panik wolle er ausdrücklich nicht verbreiten, aber für die Risiken sensibilisieren, betont der Hausarzt: „Omikron wird uns vermutlich nicht in die Knie zwingen und das Gesundheitssystem auf eine bedrohliche Weise belasten. Dennoch kann die große Masse an Erkrankungen für die Gesellschaft schwierig werden.“

Auch deshalb rate er, zumindest beim Einkaufen weiterhin freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „Anfangs hätte ich das nicht gedacht, aber mittlerweile halte ich das für die wirksamste Schutzmaßnahme überhaupt − gegen Corona, aber auch gegen andere Infektionskrankheiten.“

Lesen Sie auch: Corona - Experten sehen hohe Corona-Dunkelziffer

Aktuelle Zahlen

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Solingen bleibt weiter über 1000 und lag am Montag laut Rathausangaben bei 1009. Einem Sprecher zufolge wurden am Montag 235 neue Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 registriert, damit seien derzeit rund 3500 Solinger infiziert. Seit Ausbruch der Pandemie starben 308 Menschen in Solingen mit oder an Covid-19.

Wegen des hohen Krankenstandes gab es bereits einen Engpass in Solingens Schwimmbädern. Nach wie vor ist die Personalsituation angespannt.

Standpunkt von Kristin Dowe: Maske schützt doppelt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Wen es bei dem schönen Sommerwetter mit Corona oder einer anderen Infektionskrankheit erwischt hat, ärgert sich wohl ganz besonders. Da ist es ein schwacher Trost, mit seinem Problem nicht allein zu sein, zeigen doch die hohen Krankenstände in Unternehmen und im Öffentlichen Dienst, wie verbreitet das Problem gerade ist. Für die Wirtschaft stellt dies eine hohe Belastung dar, denn die Krankheitswelle fällt mitten in eine ohnehin prekäre Gemengelage durch die Inflation, die Folgen des Krieges in der Ukraine und die damit verbundenen Lieferschwierigkeiten in zahlreichen Branchen.

Insbesondere die erneut hohe Inzidenz bei den Corona-Infektionen in Solingen zeigt, dass weiterhin Vorsicht geboten ist − so gerne man die Pandemie nach dem Wegfall der meisten Maßnahmen auch ins Reich der Verdrängung verbannen würde. Wer im Zweifel öfters noch zur Maske greift, schützt sich gleich doppelt und hält sich vielleicht auch erfolgreich die nächste Erkältung vom Leib.

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