Beginn der einrichtungsbezogenen Impfpflicht

Hohe Impfquote in medizinischen Berufen

Die Krankenhäuser haben ihren Mitarbeitern auch vor Ort Impfangebote gemacht. Archivfoto: Christian Beier
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Die Krankenhäuser haben ihren Mitarbeitern auch vor Ort Impfangebote gemacht.

Die Kliniken, Praxen und der Rettungsdienst in Solingen sehen dem Stichtag 15. März entspannt entgegen.

Von Simone Theyßen-Speich

Am 15. März beginnt die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Auch in Solingen dürfen dann Beschäftigte in der Pflege und im Gesundheitswesen nur noch tätig sein, wenn sie gegen Covid-19 vollständig geimpft oder genesen sind – oder wenn sie aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Coronavirus in Solingen: Die Pandemie in Zahlen

Das Solinger Klinikum ist auf das bevorstehende Inkrafttreten der Impfpflicht vorbereitet. „Dank der unermüdlichen Aufklärungsarbeit der Arbeitsmedizin, die die Impfung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordiniert, haben wir eine Impfquote von 99 Prozent erreicht“, so Klinikum-Sprecherin Karin Morawietz. Die Erfassung des Impfstatus liegt in der Zuständigkeit der Personalabteilung. Derzeit sind knapp 20 der 1900 Beschäftigten ungeimpft oder nicht vollständig geimpft.

Wie gesetzlich vorgeschrieben, wurden alle Personen, die ihren Impfstatus nicht mitteilen wollten oder konnten, von der Personalabteilung aufgefordert, ihren Impfstatus oder ein Attest dem Gesundheitsamt vorzulegen. Das Gesundheitsamt überprüfe es und entscheide dann über die Möglichkeit der Fortführung der Arbeit. Wer sich nicht zu einer Impfung durchringen könne, treffe eine „individuelle Entscheidung“, betont Morawietz.

Auch in den Kplus-Einrichtungen gebe es eine hohe Immunisierungsquote von etwa 95 Prozent, so Sprecherin Cerstin Tschirner. Zudem gebe es noch Mitarbeitende, die nicht in der Einrichtung, sondern extern geimpft wurden und die Bescheinigungen derzeit noch nachreichen. „Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schreiben wir gerade an. Die Frist dazu läuft noch.“

Die Zahl der betroffenen Mitarbeiter sei auch in der Lungenfachklinik Bethanien nicht allzu groß, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. „Bei uns sind es unter zehn Mitarbeiter, aus Medizin, Pflege, Technik und Verwaltung des Krankenhauses, die noch nicht geimpft sind.“ Einige wollten jetzt noch auf den Novavax-Impfstoff ausweichen. „Wer aber bis zum 15. März nicht geimpft ist, den muss Bethanien dem Gesundheitsamt melden. Nach aktuellem Stand sind wir bemüht, die betroffenen Mitarbeiter intern umzubesetzen“, so Randerath.

Für Rettungsteam im DRK war Impfung selbstverständlich

Nicht nur für Kliniken und Praxen, auch für den Rettungsdienst gilt das neue Gesetz. Der Solinger DRK-Kreisverband kann dem Stichtag entspannt entgegensehen. „Bei uns sind alle etwa 100 Mitarbeiter geimpft, nicht nur im Rettungsdienst, auch in der Verwaltung“, freut sich der stellvertretende Geschäftsführer Stefan Nippes über eine Impfquote von 100 Prozent. „Für die Kolleginnen und Kollegen, die in der täglichen Arbeit die Folgen von schweren Covid-19-Verläufen sehen, war das selbstverständlich.“

Eine ebenso positive Rückmeldung gibt auch die Chirurgische Gemeinschaftspraxis in den Kölner Höfen. „In unserer Praxis sind alle Mitarbeiterinnen und Ärzte dreimal geimpft. Ich bin froh, dass alle in unserem Team sich entsprechend informiert haben, durchgeimpft und geboostert sind“, so Dr. Robert Weindl. Die Stadt bereitet derweil die Umsetzung des Paragrafen 20a des Infektionsschutzgesetzes (siehe unten) vor. „Dabei ist das Gesundheitsamt im Kontakt mit dem NRW-Gesundheitsministerium und dem Städtetag, um die wesentlichen Fragen zu klären“, so Stadt-Sprecherin Sabine Rische.

Danach wird das Gesundheitsamt die gemeldeten Personen kontaktieren und schriftlich die Nachweise anfordern. Wenn sie nicht vorgelegt werden, wird das Gesundheitsamt über ein Betretungsverbot in den jeweiligen Einrichtungen entscheiden. „Ab dem Zeitpunkt dürfen wir die Mitarbeitenden nicht mehr beschäftigen. Verstöße werden mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet“, skizziert Tschirner die Rechtslage.

Aktuelle Infos zum Coronavirus in Solingen gibt es in unserem Blog.

Gesetz

Paragraf 20a IFSG: Ab 15. März geimpft oder genesen müssen sein: Mitarbeiter in Krankenhäusern, ambulanten OPs, Reha-, Dialyse- und Entbindungseinrichtungen, Tageskliniken, Arztpraxen, Heilpraktiker-Praxen, Gesundheitsdienst, Rettungsdienst, sozialpädiatrischen Zentren, Behinderteneinrichtungen, Alten- und Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten.

Meldeportal: Das wird nicht vom städtischen Gesundheitsamt, sondern vom Land eingerichtet und ab dem 15. März geöffnet.

Standpunkt: Um wessen Freiheit geht’s?

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Auch wenn die furchtbaren Bilder und Meldungen vom Krieg in der Ukraine das Thema Corona von Platz eins im schnelllebigen Nachrichten-Alltag verdrängt haben, so ist die Pandemie noch nicht überstanden. Fast täglich sind im Februar in Solingen Menschen mit oder an dem Virus gestorben. Die Inzidenz ist zwar noch weit entfernt vom Höchststand Mitte Februar, steigt aber auch in Solingen seit einer Woche wieder an. Mit Blick auf den 20. März, der unter dem denkwürdigen Namen „Freedom Day“ die Aufhebung nahezu aller Corona-Einschränkungen verspricht, könnte die Pandemie weiter in die Länge gezogen werden. Und von der „Freiheit“ der Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die nach wie vor mit Maske und Vollschutz die schwer erkrankten Covid-Patienten behandeln müssen, ist da sicherlich nicht die Rede. Und auch nicht von der Freiheit der Schüler, in deren Klassen das Virus nach wie vor massiv grassiert. Bleibt zu hoffen, dass Unentschlossene sich doch noch den vielen Vorbildern in medizinischen Berufen anschließen und sich impfen lassen. Und wenn es nur der Vorsorge vor weiteren Mutationen dient.

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