Haasenmühle

Ewiger Kampf gegen das Hochwasser

Wenn der Wetterbericht für Solingen viel Regen ankündigt, ist Sarah Wiemer-Mattheus sofort in Alarmbereitschaft. Ihr Grundstück am Nacker Bach war schon häufig überflutet. Foto: Michael Schütz
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Wenn der Wetterbericht für Solingen viel Regen ankündigt, ist Sarah Wiemer-Mattheus sofort in Alarmbereitschaft. Ihr Grundstück am Nacker Bach war schon häufig überflutet.

Abseits von der Katastrophe im Sommer wird die Hofschaft Haasenmühle regelmäßig überschwemmt. Die Bewohner wollen das nicht mehr länger hinnehmen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Am Morgen des 14. Juli hatte Sarah Wiemer-Mattheus das Unheil schon kommen sehen, als sie die Wetter-App auf ihrem Smartphone checkte. Die Solingerin lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einem historischen Fachwerkhaus aus dem Jahr 1405 in der Hofschaft Haasenmühle – das Gebäude hat das Paar mit viel Liebe zum Detail restauriert und erhielt dafür im vergangenen Jahr sogar den Denkmalschutzpreis des Bergischen Geschichtsvereins. Von der Pracht ist allerdings nicht viel übrig geblieben – insbesondere das Erdgeschoss des alten Hauses ist quasi nicht mehr bewohnbar, seitdem das Hochwasser dort gewütet hat.

Grundstück wird seit einigen Jahren immer wieder überschwemmt

Nun wurde schon viel darüber diskutiert, inwiefern das Wetterextrem für den Wupperverband vorherhersehbar war und ob die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend waren. Sarah Wiemer-Mattheus geht es aber nicht nur um den 14. Juli. Für sie ist das Problem mit Blick auf die gewässerbaulichen Gegebenheiten an der Hofschaft Haasenmühle in Aufderhöhe zu einem Gutteil hausgemacht. „Die Entwässerungssituation gleicht hier einem Trichter. Ich moniere dieses Problem seit zehn Jahren“, berichtet sie, während sich in trügerischer Postkartenidylle der Nacker Bachs entlang des Grundstücks der Familie schlängelt. Abgesehen von der Hochwasserkatastrophe im Juli werde dieses bei Starkregen mittlerweile regelmäßig überflutet, so auch schon beim Hochwasser 2018.

Wiemer-Mattheus sieht dafür vielfältige Gründe, angefangen etwa bei der nahe gelegenen Brücke Wipperauer Straße. Diese sei aus ihrer Sicht nicht breit genug, um bei starken Niederschlägen die Wassermassen zu bewältigen und habe zudem einen ungünstigen Standort. Gemeinsam mit einigen Anwohnern regt die Solingerin deshalb an, den ohnehin geplanten Neubau der Brücke über den Nacker Bach etwa 100 Meter zu versetzen – möglicherweise in Kombination mit einem Kreisverkehr an der Ecke Leichlinger Straße / Wipperauer Straße.

Tatsächlich werde neben anderen Möglichkeiten derzeit auch der vorgeschlagene Standort für den Neubau der Brücke geprüft, heißt es auf Nachfrage bei den Technischen Betrieben. „Die verkehrlichen Aspekte werden in die anschließenden Planungen einbezogen.“ Die Brücke, derzeit zugelassen für maximal 2,5 Tonnen, sei unter Einschränkungen aktuell befahrbar. Mithilfe einer Simulation versuchten die TBS darüber hinaus, den Hochwasserabfluss zu veranschaulichen und so „den hydraulisch günstigsten Brückenstandort zu ermitteln“.

Familie Wiemer sieht Zustand der Leichlinger Straße kritisch

Kritisch sieht Familie Wiemer in der Gemengelage auch den Zustand der Leichlinger Straße, die nur mit Lehm und Bruchstein unterbaut sei. Dazu komme, dass der Hang insgesamt zu breit und das Bachbett zu schmal sei. Das wirke sich ebenfalls negativ auf die Entwässerungssituation aus und gefährde auf Dauer die Stabilität der Straße, befürchtet Sarah Wiemer-Mattheus. Mittelfristig sei es nötig, einen Teil des Hangs abzutragen und die Straße von unten mit Spundwänden zu stabilisieren, um das Bachbett zu verbreitern. „Die Straße ist so stark befahren, irgendwann bricht da noch mal jemand ein.“

Diese Gefahr sieht man bei den TBS nicht. So sei die Leichlinger Straße erst 2017 und die Böschung ihres oberen Abschnitts 2018 saniert worden. Die Standsicherheit der Böschung werde zudem regelmäßig überprüft. „Durch die gesamtheitliche Betrachtung des Gewässers wird bei den aktuellen Überlegungen beziehungsweise Modellierungen auch der Gewässerverlauf oberhalb der Brücke einbezogen“, erläutert Rathaussprecher Daniel Hadrys. „Die Modellierung erlaubt es, die Leistungsfähigkeit des Gewässers abzubilden und die gegebenenfalls vorhandenen Schwachstellen aufzuzeigen. Nach Abschluss der Modellierung können folglich die notwendigen Maßnahmen geplant und umgesetzt werden.“

Unsere Sicherheit sollte der Stadt am Herzen liegen.

Sarah Wiemer-Mattheus

Mit Blick auf die zahlreichen Überflutungen der vergangenen Jahre bleiben die Wiemers aber skeptisch, dass die von Stadt und Wupperverband angekündigten Maßnahmen ausreichen. Vor allem über das Regenüberlaufbecken Schirpenbruch und den daran angeschlossenen Mischwasserkanal würden bei Starkregen viel zu große Wassermengen in den Nacker Bach abgeschlagen. „Wir haben es auch schon erlebt, dass durch das Abwasser Tampons und Ähnliches in unseren Garten gespült wurden“, ärgert sich Wiemer-Mattheus. Zudem hat das Bauwerk laut dem Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt aktuell auch keine Betriebszulassung. Laut Rathausangaben habe der Wupperverband eine Verlängerung der Einleiterlaubnis bei der Bezirksregierung Düsseldorf beantragt.

Das Becken entspreche dem aktuellen technischen Standard. Allerdings planten die TBS, im Oberlauf der Einleitungsstelle noch eine Rückhaltung zu errichten, damit das Gewässer nicht weiterhin überlastet wird. Diese ökologische Maßnahme sei auch hilfreich für den Hochwasserschutz, so Hadrys.

Sarah Wiemer-Mattheus wünscht sich vor allem baldige Fortschritte in puncto Hochwasserschutz und eine Begrenzung der eingeleiteten Wassermengen. „Wir stehen mit unserer historischen Hofschaft immerhin im Touristenführer. Da sollte unsere Sicherheit der Stadt auch am Herzen liegen.“

Hintergrund

Zuständigkeit: Die TBS betreiben das Kanalnetz, während der Wupperverband für die Gewässerunterhaltung verantwortlich ist. Er betreibt zwei Regenüberlaufbecken am Nacker Bach, „Schirpenbruch“ und „Brücke“. Dies sind die letzten Becken vor dem Wuppersammler, der das Abwasser unter anderem aus einigen Stadtteilen Solingens zur Kläranlage Leverkusen transportiert. Eine Steuerung der Becken im Falle ihrer Überlastung bei Starkregen sei nach Angaben des Wupperverbandes nicht möglich. Das Wasser werde dann „ungedrosselt in den Nacker Bach abgeschlagen“.

Maßnahmen: Gemeinsam mit den Kommunen wolle der Wupperverband den Hochwasserschutz verbessern – dazu gehören etwa die Schaffung von Retentionsflächen und Hochwasserrückhaltebecken sowie die Verbreiterung von Gewässern.

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