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Wie Höhscheider Gastronomen durch die Krise kommen

Dank des Außer-Haus-Verkaufs sei er bislang recht gut durch die Krise gekommen, sagt Jannis Topalidis. Seit fast 30 Jahren betreibt er die Taverne Mykonos. Foto: Christian Beier
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Dank des Außer-Haus-Verkaufs sei er bislang recht gut durch die Krise gekommen, sagt Jannis Topalidis. Seit fast 30 Jahren betreibt er die Taverne Mykonos in Höhscheid.

Über Abholservice und Außengastronomie versuchen die Betriebe, ihre Corona-Verluste etwas auszugleichen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Nachricht erwischte auch die Höhscheider Gastronomen kalt: Mitte März mussten wegen der Covid-19-Pandemie auch alle Restaurants schließen. Nur der Außer-Haus-Verkauf war noch gestattet. Erst rund zwei Monate später durfte der Betrieb wieder aufgenommen werden – mit strengen Hygieneauflagen. Wie geht es den Gaststätten im Stadtteil in der Krise?

„Corona ist existenzbedrohend“, sagen Agnes und Henry Hartmann. Das Ehepaar betrieb sein „Hartmanns im Windhövel“ gerade einmal fünf Monate, als das Coronavirus sich ausbreitete. Zuvor hatten sie mehrere Gaststätten in Haan geführt. „Vor Corona war die Hütte jeden Abend voll. Wir fühlten uns in Solingen gut aufgenommen“, erzählt Henry Hartmann. Dann kam die Vollbremsung. Für zwei Wochen schloss das Ehepaar sein Restaurant komplett, für die beiden Mitarbeiter meldeten sie Kurzarbeit an.

Henry und Agnes Hartmann betreiben das „Hartmanns im Windhövel“.

Anfang April starteten sie den Abholservice mit einer reduzierten Karte. „Aber es lief schleppend“, sagt Agnes Hartmann. Seit Mai ist das Restaurant wieder offen. Gut angenommen werde vor allem die Terrasse, die sie neben dem Haus abgezäunt haben. „Die fünf Tische sind fast jeden Abend besetzt.“ Im Gastraum seien die Fenster nun immer geöffnet. Zwischen den Tischen hat das Ehepaar mobile Roll-up-Trennwände aufgestellt. Statt auf Speisekarten stehen die Gerichte nun auf Papierausdrucken, die direkt entsorgt werden können.

Seit Anfang Juli gehe es bergauf, sagen die Hartmanns. „Es läuft wieder, vor allem an den Wochenenden.“ Das Restaurant hat nur noch einen Ruhetag, auch sonntagmittags ist nun geöffnet.

Jannis Topalidis betreibt seit fast 30 Jahren an der Regerstraße seine Taverne Mykonos. Die Schließung der Restaurants im März sei ein Schock gewesen, sagt der Vollblut-Gastronom. Vier Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit schicken. Topalidis setzte sofort auf den Außer-Haus-Verkauf, den es schon immer gab. „Das lief bombastisch. Die Gäste haben uns toll unterstützt und standen draußen mit Abstand Schlange.“ Deshalb sei er bislang recht gut durch die Krise gekommen. „Wir verkaufen auch jetzt noch mehr Gerichte außer Haus als im Restaurant.“

Denn in der Taverne kann Topalidis derzeit nur knapp die Hälfte der Plätze anbieten: 60 statt 110. Nur in jeder zweiten Nische dürfen Gäste Platz nehmen, die Tische im Mittelgang hat er ganz entfernt. „Die Leute finden das gut, dass es nicht so voll ist.“ Das gebe mehr Sicherheit. Auf dem Boden mahnen orangefarbene Markierungen Abstand an, auf den Tischen liegen abwischbare Plastikdecken. Die Speisekarten werden nach jeder Benutzung desinfiziert. Dennoch blieben gerade ältere Gäste noch zu Hause. „Die tasten sich vorsichtig ran.“

„Wir hoffen auf Normalität, aber das wird dauern.“
Janja Musan, Inhaberin des Weegerhofs

Das bestätigt auch Janja Musan, die seit zehn Jahren mit ihrer Familie den Weegerhof betreibt: „Man merkt, dass die Leute Angst haben.“ Zu ihrer Stammkundschaft zählten viele ältere Menschen, die noch Vorsicht walten lassen. Die Musans hatten ihre Gaststätte nach dem Lockdown zunächst ganz geschlossen, die beiden Angestellten mussten in Kurzarbeit. Doch bei Spaziergängen in der Siedlung Weegerhof, wo sie selbst wohnen, seien sie angesprochen worden, wann sie wieder öffnen, berichtet Musan. Am Ostersonntag starteten sie schließlich den Abholservice. „Vor allem Stammkunden, die uns unterstützen wollten, sind gekommen“, sagt die Wirtin dankbar.

Mitte Mai öffneten sie das Restaurant wieder, mit der Hälfte der sonst angebotenen Plätze. Vor allem die Terrasse werde gut genutzt. Langsam beginne auch der Betrieb auf der Kegelbahn wieder. Der Umsatz habe sich durch die Corona-Krise trotzdem halbiert. „Wir hoffen auf Normalität, aber das wird ja noch dauern.“

Corona-Schutzverordnung

Hier ein Auszug aus den Hygieneregeln für Gaststätten.

Sitzplatzpflicht: Gästen muss ein Platz zugewiesen werden.

Desinfektion: Nach Betreten der Gastronomie müssen sich Gäste die Hände waschen beziehungsweise bei Bedarf desinfizieren.

Nachverfolgung: Kundenkontaktdaten der Gäste sowie Zeiträume des Aufenthaltes in der Innen- und Außengastronomie sind für jede Tischgruppe zu erheben.

Abstand: Tische sind so anzuordnen, dass zwischen den Tischen mindestens 1,5 Meter Abstand liegen.

Schutz: Mund-Nase-Maske muss getragen werden – außer am Sitzplatz.

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