Zurückhaltung im Rathaus

Höhscheider fordern ein Stadtteilkonzept

Der Peter-Höfer-Platz ist einer der Orte, die im Zuge eines Höhscheider Entwicklungskonzeptes aufgewertet werden. Foto: Michael Schütz
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Der Peter-Höfer-Platz ist einer der Orte, die im Zuge eines Höhscheider Entwicklungskonzeptes aufgewertet werden.

Die SPD will Kräfte bündeln und eine reine „Wohnstadt“ verhindern.

Von Andreas Tews

Solingen. Der Peter-Höfer-Platz soll wieder mehr sein als eine Abstellfläche für Autos, in leerstehende Ladenlokale soll wieder Leben einziehen, auch Gastronomie soll für mehr Abwechslung in Höhscheid sorgen. Solche und andere Ideen könnten in ein Stadtteilkonzept einfließen, das die Höhscheider SPD erarbeiten will. „Unter dem Strich sind wir auf dem Weg zu einer Schlafstadt“, warnt der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Frank Schmitthammer. Dem wollen die Sozialdemokraten entgegenwirken und dabei auch das Rathaus mit in die Pflicht nehmen. Doch dort hält man sich eher bedeckt.

Höhscheid leidet generell darunter, dass es – anders als zum Beispiel Ohligs oder Wald – kein richtiges Stadtteilzentrum hat und dass die Bundesstraße 229 den Stadtteil durchschneidet. Es hat sehr unterschiedliche Quartiere, die zudem oft auf Höhenrücken liegen, die nicht direkt miteinander verbunden sind.

„In Höhscheid sind viele Einzelfragen zu klären.“
Frank Schmitthammer (SPD)

Das bedeutet laut Schmitthammer, dass bei der Erarbeitung eines Stadtteilkonzeptes viele Einzelfragen zu beantworten seien. Darum rechnet er mit einem langen Prozess.

Der Sozialdemokrat beklagt, dass es über weite Strecken der Neuenhofer und der Grünewalder Straße (B 229) nur wenig Leben gebe. Dies müsse sich ändern. Das Ziel sei es, dass Menschen nicht nur in Höhscheid wohnen, sondern dass sie sich auch mit dem Stadtteil identifizieren und ihre Freizeit dort verbringen. Falsch sei dies in Teilen von Aufderhöhe gelaufen. Schmitthammer: „Dort wohnen viele doch nur, weil es günstiger ist als in anderen Städten.“

Bei dem Prozess solle auch über den ÖPNV diskutiert werden. Laut Schmitthammer beklagen viele Höhscheider, dass es im Linienbusnetz keine Direktverbindungen zum Beispiel zwischen Krahenhöhe und Höhscheid oder Katternberg und den Einkaufsläden im Bereich der Walter-Dodde-Straße gebe.

In die Diskussionen über ein Stadtteilkonzept will Schmitthammer nicht nur SPD-Mitglieder einbinden, von denen einige in diesem Prozess unter anderem im Bereich Stadtplanung weitergebildet werden sollen. Auch andere Bürger sowie Kirchengemeinden und Initiativen will er einbinden – wenn sie es wollen.

Bezirksbürgermeister Paul Westeppe (CDU) hält es durchaus für sinnvoll, ein solches Konzept zu fordern – auch wenn die Idee nicht ganz neu sei. Für den Bereich Neuenhofer- / Grünewalder Straße sei ein Stadtteilkonzept vor Jahren beschlossen und nie ganz umgesetzt worden. Darauf könne man aufbauen. Für Westeppe stellt sich die Frage, wo man bei dem Konzept die Schwerpunkte setzt. Einer könnte nach seiner Meinung die Reaktivierung freier Flächen zwischen Bergerstraße und Neuenhofer Straße sowie im Bereich Platzhofstraße sein. Wünschenswert sei auch eine bessere Nahbereichsversorgung. Auch eine Event-Gastronomie in der Alten Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums hält Westeppe für möglich.

Am Anfang des Prozesses will SPD-Mann Schmitthammer unter anderem Planungsdezernent und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter dazu befragen, was er sich für Höhscheid vorstellen kann. Bezirksbürgermeister Westeppe befürchtet aber, dass Höhscheid bei den Stadtplanern im Rathaus nicht sehr weit vorne auf der Prioritätenliste stehe.

Im Rathaus hält man es laut Sprecherin Sabine Rische für sinnvoll, die Kräfte des Stadtteils zu bündeln. Stadtdirektor Hoferichter weist jedoch darauf hin, dass ein Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) für Höhscheid derzeit nicht in Angriff genommen werden könne. Als Grund führt er an, dass in Solingen aktuell bereits vier solcher Konzepte (| Kasten) vorbereitet oder umgesetzt würden. Dass zeitgleich so viele solcher Prozesse durch das Land NRW gefördert würden, gebe es in kaum einer anderen Stadt. Das Land habe die Stadt darum ausdrücklich um Priorisierung gebeten, so dass ein weiteres Konzept derzeit wenig Chancen auf Genehmigung habe.

Hinzu komme, dass der Flächennutzungsplan für die gesamte Stadt neu aufgestellt werden solle. Dabei sollen auch neue Einzelhandels- und Zentrenkonzepte erarbeitet und so die Zentren der Stadtteile neu bestimmt werden. Hoferichter: „Erst auf der Grundlage dieser Ergebnisse ist es möglich, die Notwendigkeit eines ISEKs für Höhscheid zu bewerten.“ 

Stadtteilentwicklungskonzepte

In Solingen wird aktuell an vier – vom Land NRW finanziell geförderten – Stadtteilentwicklungskonzepten gearbeitet:

In Ohligs geht es um die Aufwertung der Düsseldorfer Straße und angrenzender Bereiche sowie eine Neuausrichtung des Gebiets östlich des Hauptbahnhofes.

Burg soll als Wohnort und Tourismusziel attraktiver werden.

Das Ziel in Wald ist eine Kombination aus Wohnen und Gewerbe.

Die Solinger Innenstadt soll am Ende des Prozesses „City 2030“ mehr als bisher ein Wohn- und weniger ein Einzelhandelsstandort sein.

Standpunkt: Ehrgeiziges Projekt

Von Andreas Tews

Höhscheid gehört nicht nur zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen Solingens. Es ist auch städtebaulich sehr heterogen. Erschwerend kommt für Stadtplaner hinzu, dass es kein historisch gewachsenes Zentrum wie zum Beispiel in Wald oder Ohligs gibt.

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die SPD hat sich also ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt, wenn sie für den Stadtteil ein Entwicklungskonzept erarbeiten will – zumal sie dabei in den kommenden Jahren nicht unbedingt auf eine intensive Unterstützung durch die Stadtverwaltung setzen kann. 

Aber dies ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Höhscheid ist es allemal wert, dass sich Protagonisten des Stadtteils Gedanken um dessen Zukunft machen. Zunächst einmal gilt es jetzt, Ideen zu sammeln und bei allen Zukunftsüberlegungen möglichst viele Bürger einzubeziehen. So kann es zumindest gelingen, eine Vorstellung davon zu bekommen, in welche Richtung sich Höhscheid entwickeln soll. Wenn man bei der Stadt soweit ist, in den Prozess einzusteigen, ist es hilfreich, wenn diese Grundlagenarbeit erledigt ist. 

Das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftverband Rheinland (LVR) hat fünf Solinger Siedlungen in das neue große und zweibändige Werk einer Inventarliste mit denkmalwürdigen Orten aufgenommen.

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