Aktion

Höhraths Feuchtbiotop ist winterfest

Gerhard Bahmer (l.) und Thomas Lambracht waren mit rund einem Dutzend weiterer Helfer am Wochenende in Höhrath im Einsatz. Zweimal im Jahr bedarf das Areal menschlicher Unterstützung. Foto: Michael Schütz
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Gerhard Bahmer (l.) und Thomas Lambracht waren mit rund einem Dutzend weiterer Helfer am Wochenende in Höhrath im Einsatz. Zweimal im Jahr bedarf das Areal menschlicher Unterstützung.

Zweimal jährlich arbeiten Ehrenamtler intensiv gegen Verschlammung und Verlandung.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Laute Motormäher und schweres Arbeitsgerät kamen am Samstag in Höhrath nur sporadisch zum Einsatz. „Wir setzen bewusst auf umweltfreundliche Arbeitsweise“, erklärte Gerhard Bahmer. Er ist Vorsitzender der Stiftung zum Schutz von Tier und Natur Solingen. Mit einem Dutzend Helfern war er am Samstag im Feuchtbiotop in einem der dortigen Bachtäler im Einsatz. Mit Schaufeln, Rechen, Harken, Forken und Muskelkraft kürzten sie die Hochstaudenflur, entschlammten die Tümpel auf der Feuchtwiese und entfernten eingewachsenen Pflanzenbewuchs, um daraus Häufchen aufzutürmen.

„Dieses Jahr waren vier Tümpel ausgetrocknet.“
Gerhard Bahmer, Stiftungsvorsitzender

„Im Winter sind die für Amphibien ein ideales Quartier gegen Kälte“, sagte Thomas Lambracht. Der Revierpächter war einer der emsigen Helfer. Wie alle anderen war er mit Gummistiefeln und wasserfester Hose ausgerüstet, um der feuchten Umgebung zu trotzen. Gut gelaunt und mit eingespielter Routine war das Arbeitstrüppchen bei der Sache, fröhlich umspielt von drei Hunden und zwei Kindern.

„Das hat schon was von Familienausflug“, sagte Gerhard Bahmer. „Es ist toll, wenn auch der Nachwuchs auf diese Weise seine Begeisterung für die Natur und die Notwendigkeit, sich für deren Schutz einzusetzen, in der Praxis mitbekommt.“ Ein offenbar stimmiges Konzept, Geselligkeit mit Einsatz für den Erhalt von Lebensraum zu verbinden.

Vor 30 Jahren ist die Tümpelkette in Höhrath entstanden, wissenschaftlich begleitet von der Universität Düsseldorf. Damals wurden verschiedene Standorte und Grundstücke für eine Eignung als zu schützendes Biotop begutachtet. Durch Sprengung entstand schließlich in einer Talsohle eine Gewässerlandschaft, die einseitig an einen Bachlauf grenzt und die zum Teil auch durch ihn bewässert wird. Die drei sehr trockenen Sommer aber haben zuletzt für Probleme gesorgt. „Dieses Jahr waren vier Tümpel ausgetrocknet“, erzählt Gerhard Bahmer. „Gottlob haben die Regenfälle der vergangenen 14 Tage da ein bisschen was gutgemacht.“

Nicht nur die frischen Pflanzenhaufen seien ein guter Winterschutz für Kröten, Frösche oder Ringelnattern, erklärte Bahmer. Er verwies auf eine regelrechte „Mauer“ aus abgesägten alten Kopfweidenstämmen, die schon sehr moosverwittert sind. „Solch ein Stapel ist eine regelrechte Siedlung für Kleintiere.“ Kopfweiden als Bestandteil von Feucht- und Wiesenbiotopen bieten Vögeln und Insekten Nahrung und Heimat. Neben den bereits vorhandenen wurden jüngst neue Bäume dazu gepflanzt. „Sie zu schneiden, gehört zu unseren regelmäßigen Aufgaben.“ In Kooperation mit dem Naturschutzbund (Nabu) und der Biologischen Station Mittlere Wupper sind zudem Nisthilfen für Fledertiere aufgehängt worden.

Zweimal im Jahr bedarf das Areal in Höhrath menschlicher Unterstützung, um in seiner Originalität und Funktionalität erhalten zu bleiben. Das geschehe jedes Mal mit großer Sensibilität, betont Bahmer. „Aber wenn wir das nicht tun würden, könnten fragile Pflanzen, die sehr selten geworden sind wie zum Beispiel die gelbe Sumpfdotterblumen, Mädesüß, Binsenarten oder die gelbe Schwertlilie sich auf Dauer nicht gegen dominantere Gewächse behaupten“.

Die Tümpel dienen als Laichplatz für Molche oder Frösche. Auch Libellen-Nymphen wachsen hier. Nach dem geschäftigen Arbeitstag in und an den Tümpeln, ist nun bis zum nächsten Frühjahr Ruhe. Dann müssen die Tümpel wieder kontrolliert und gewartet werden.

Stiftung

Die Stiftung zum Schutz von Tier und Natur ist im Jahr 1987 aus einem gleichnamigen Arbeitskreis hervorgegangen. Der vereinigte erstmalig verschiedene Interessengruppen wie Forstwirte, Jäger, Fischer, Landwirte, Imker, Biologen und Umweltorganisationen.

stiftung-tier-natur-sg.de

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