Ortstermin

Höhrather sind uneinig über Eingemeindung

Die SPD hatte am Freitag zum Bürgergespräch in Höhrath eingeladen. Die Meinungen zur Eingemeindung nach Solingen waren gespalten. Foto: acs
+
Die SPD hatte am Freitag zum Bürgergespräch in Höhrath eingeladen. Die Meinungen zur Eingemeindung nach Solingen waren gespalten.

Die Solinger SPD hatte zum Ortstermin eingeladen, bei dem es um die Orientierung nach Wermelskirchen ging.

Von Anja Carolina Siebel

Solingen. Vera Fuhrmann hat eine klare Meinung zu ihrem Wohnort Höhrath: „Ich weiß, was ich an Solingen habe. Und deshalb möchte ich auch Solingerin bleiben. Ich bin zufrieden mit der Arbeit der Stadtverwaltung und weiß nicht, was die ganze Aufregung gerade soll.“ Die Höhrather Bürgerin spricht am Freitagnachmittag einigen ihrer Nachbarn aus der Seele, die auf Einladung der Solinger SPD zum Wendehammer im kleinen Ort an der Grenze zu Wermelskirchen gekommen sind.

Nachdem wie berichtet einer neu nach Höhrath gezogenen Familie der Kindergartenplatz in Wermelskirchen gekündigt worden war, war die seit Jahren schwelende Debatte um die Wieder-Eingemeindung des Solinger Stadtteils nach Wermelskirchen wieder aufgeflammt. Die Bürgerinitiative hatte eine Umfrage unter den Höhrathern gestartet, laut der rund 80 Prozent sich für die Wiedereingemeindung nach Wermelskirchen aussprechen.

„Dass ein Kind 25 Kilometer bis zur Grundschule fahren muss, ist nicht einzusehen.“ 

Linda Stricker, Höhratherin

Bürgermeister Ernst Lauterjung, die Solinger SPD-Fraktionsvorsitzende Iris Preuß-Buchholz und Axel Birkenbeul, seit 2014 Bezirksbürgermeister in Burg/Höhscheid, zu dessen Stadtbezirk Höhrath gehört, wollen sich ein Bild machen von den Bedürfnissen der Höhrather und haben deshalb eigene Fragebögen erstellt. Freizeit- und Einkaufsgewohnheiten werden darin beispielsweise abgefragt, der Ort des Arbeitsplatzes oder der Wohnort der nächsten Bezugspersonen.

„Wenn die Mehrheit der Höhrather eine Eingemeindung nach Wermelskirchen möchte, nehmen wir das ernst“, sagt Axel Birkenbeul. Eines ist ihm indes bewusst: „Das wird ein langer Weg. Schon allein, dass Solingen und Wermelskirchen zwei unterschiedlichen Bezirksregierungen angehören, stellt ein Problem dar.“

Seit der Gemeindereform im Jahr 1975 gehört das beschauliche Dorf im Grünen zur Klingenstadt. Mitte der 1980er Jahre hatte sich dort schon einmal Widerstand geregt. „Warum jetzt wieder dieser Aufstand?“, findet Klaus-Dieter Land, der eine Gastwirtschaft in Höhrath betreibt. Das sehen manche seiner Nachbarn indes anders. „Ich möchte die Eingemeindung nach Wermelskirchen hauptsächlich wegen meines Kindes“, sagt beispielsweise Linda Stricker, die sich zusammen mit ihrem Mann in der Bürgerinitiative engagiert. Ihr Sohn, gerade neun Monate alt, hat einen Kita-Patz in Burg bekommen. „Aber wenn er in die Schule muss, könnte es sein, dass er 25 Kilometer bis nach Solingen fahren müsste. Als Grundschulkind. Ein Elternpaar hier aus Höhrath erlebt das gerade. Das ist nicht einzusehen.“

Anwohner Friedrich Schmidt führt noch ein anderes Argument an: „Die älteren Menschen hier müssen für Behördengänge teilweise mit dem Bus nach Solingen fahren. Wermelskirchen wäre wesentlich näher für sie.“

Auch die Wermelskirchener SPD ist am Freitag beim Ortstermin anwesend, um sich ein Bild zu machen. „Wir sehen das genauso wie die Solinger Kollegen“, sagt Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein. „Wenn seitens der Höhrather ein mehrheitlicher Wunsch besteht, zu Wermelskirchen zu gehören, müssen wir das ernst nehmen.“

Die Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid und die Stadtteilgruppe der Grünen in Burg/Höhscheid mahnen ebenfalls zur „ausführlichen Diskussion beim Thema Höhrath-Anschluss an Wermelskirchen“, sagen Gisela Weih, Bezirksfraktionsprecherin und Klaus Küll, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid. Das Thema solle aber nicht einfach auf die Schnelle entschieden werden: „Wir sollten zusätzlich zur Anschluss-Option auch offen und ausführlich über Alternativen diskutieren“, heißt es in einem öffentlichen Schreiben der Grünen.

Hintergrund

Wie berichtet, hat Burkhard Stock, Vorsitzender der Bürgerinitiative Höhrath, einen Antrag angekündigt. Die Initiative wolle beim Solinger Rat ein weiteres Mal darum bitten, den Stadtteil Höhrath an Wermelskirchen abzugeben.

Viele Höhrather wollen weg aus Solingen und zurück nach Wermelskirchen. Kein leichtes Unterfangen. Denn der Gebietsänderung müssten viele politische Instanzen zustimmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Impfaktion für Jugendliche schon am Freitag ein Erfolg
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte
Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare