Schäden

Hochwasser: Handwerker sind im Dauereinsatz

Florian Leymanns Bautrockner waren in den vergangenen Wochen ein begehrtes Gut. Foto: Andreas Horn
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Florian Leymanns Bautrockner waren in den vergangenen Wochen ein begehrtes Gut.

Nach der Hochwasserkatastrophe sind bauliche und technische Dienstleistungen extrem gefragt.

Von Kristin Dowe

Solingen. Schon vor der Hochwasser-Katastrophe waren die Handwerker im Bergischen gut ausgelastet. Durch die verheerenden Folgen des Unwetters am 14. Juli hat sich der Bedarf aber auch in Solingen noch einmal erhöht. Da müssen Wände frisch verputzt, Elektroanlagen installiert und Böden neu verlegt werden. Die Stadt hatte deshalb unmittelbar nach dem Starkregen-Ereignis ein Bürgertelefon geschaltet, um Hilfen zu koordinieren.

„Im Gespräch mit den Bürgern lassen wir uns die Lage schildern, um besser einschätzen zu können, welche Gewerke am ehesten beziehungsweise als erstes benötigt werden und ob Sachspenden vonnöten sind“, erläutert Rathaussprecher Thomas Kraft. Oftmals hätten die Bürger schon eine kleine Liste mit Dingen zusammengestellt, die sie brauchen. „Wir überprüfen dann die Hilfsangebote in unserer Datenbank und vermitteln die gesuchte Hilfe in Form von Sachspenden, Manpower, allgemeiner Hilfen und Informationen“, so Kraft weiter. Personell sei das Koordinierungstelefon noch bis einschließlich September geplant. Es werde aber so lange aufrechterhalten, wie der Bedarf besteht.

„Die Katastrophe hat für eine immense Sonderkonjunktur gesorgt.“

Arnd Krüger, Kreishandwerksmeister

„Wir sind zurzeit sehr gut beschäftigt“, berichtet Arnd Krüger, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal. „Die Katastrophe hat schon für eine immense Sonderkonjunktur gesorgt. Gleichzeitig sind aber auch viele Artikel für den Handwerksbedarf momentan schwer zu bekommen.“ Dazu gehörten etwa Kalkwände oder Außenputze, die nach der Flut dringend benötigt würden. Zudem habe das Handwerk in vielen Bereichen mit Personalmangel zu kämpfen. Aufgrund der Materialknappheit müssten Verbraucher zuweilen auch mit höheren Kosten rechnen. „Wir geben die Preise nur an unsere Kunden weiter“, wirbt Krüger diesbezüglich um Verständnis.

Auch Florian Leymann vom Solinger Unternehmen Leymann Raumexperte, war in den vergangenen Wochen mit seinem Team im Dauereinsatz. „Wir verfügen über einen großen Fundus an Trocknungsgeräten. Seit der Hochwasser-Katastrophe erreichen uns im Moment bis zu zehn Anfragen am Tag.“

Die Szenarien, die er bei seinen Kunden vorgefunden habe, hätten ihn selbst schockiert. Oft schätzten Laien vorhandene Schäden auch falsch ein. „Bei einem Kunden hat man auf den ersten Blick an den Böden nichts feststellen können. Dann hat sich aber gezeigt, dass dort ein vier Zentimeter hoher Wasserspiegel unter dem Estrich stand.“ In solchen Fällen sei es ratsam, nicht zu einem normalen Bautrocknungsgerät zu greifen, sondern gleich ein Fachunternehmen zu beauftragen. Wenn der Termin noch auf sich warten lasse, sollten Betroffene bei möglicher Schimmelbildung regelmäßig lüften und eventuell einen Luftentfeuchter nutzen, um gesundheitliche Gefahren zu vermeiden.

Hochwasserkatastrophe in Solingen: Für bergische Fachwerkhäuser gelten besondere Voraussetzungen

Speziell in Unterburg sind viele alte bergische Fachwerkhäuser von Schäden betroffen, für die besondere bauliche Anforderungen gelten, wie Andreas Glingener schildert, der in der Stadtmitte ein Unternehmen für Heizungs- und Sanitäranlagen betreibt. Auch er war in den vergangenen Wochen häufig in Solingen und Umgebung unterwegs – die Auftragslage sei „stramm, aber zu bewältigen“. „Die bergischen Häuser verfügen beispielsweise nicht über eine standardmäßige Fensterbrüstung, da gibt es schon Unterschiede. In den älteren Gebäuden wurden zum Teil auch spezielle Heizkörper verbaut, die auf dem Markt nicht mehr so einfach erhältlich sind.“

Glingener rät generell, bei den Reparaturen die richtigen Prioritäten zu setzen und auch sicherheitsrelevante Aspekte im Blick zu haben. „Wenn der Putz an den Kellerwänden leicht beschädigt ist, kann das notfalls erst mal warten. Aber die Instandsetzung einer Erdgasanlage sollte man nicht auf die lange Bank schieben.“

Frank Roth, Obermeister der Solinger Elektro-Innung, ist wie vielen seiner Kollegen im Handwerk auch der soziale Aspekt bei seiner Arbeit wichtig. „Nach der Katastrophe haben wir versucht, den Leuten zu helfen, wo es nur eben ging. So haben wir etwa Stromanlagen wieder zugeschaltet, die die Stadtwerke abgestellt hatten.“ In einem Fall ging es regelrecht um Leben und Tod, als in Wuppertal eine Dialyse-Praxis von der Stromversorgung abgeschnitten war. „Zum Glück ist alles gut gegangen.“

Bürgertelefon

Das Bürgertelefon der Stadt, um die Hochwasserhilfen zu koordinieren, ist von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 14 Uhr erreichbar. Tel. (02 12) 14 91 22 30 oder per Mail an: hochwasserhilfe@solingen.de

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Vor den Handwerkern im Bergischen konnte man in den vergangenen Wochen nur den Hut ziehen: Aus allen Gewerken haben sich freiwillige Helfer bei der Stadt gemeldet, um ihr Know-how bei der Beseitigung der Schäden zur Verfügung zu stellen – und noch immer sind viele von ihnen unermüdlich im Einsatz. Waren Maler, Lackierer, Schreiner und Co. schon vor der Flut gefragt, werden sie nun erst recht dringend gebraucht. Der Mangel an Baustoffen wie Holz oder Kunststoff erschwert die Situation und sorgt für eine angespannte Marktlage. Das dicke Ende kommt erst noch, wenn Hilfsprogramme umfassend abgerufen werden. Die personellen Nachwuchsprobleme im Handwerk fallen zusätzlich ins Gewicht. Kunden, die nicht von der Katastrophe betroffen sind, sollten sich derzeit mit den Opfern des Hochwassers solidarisch zeigen und eventuell längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Not sollte dort gelindert werden, wo sie am größten ist. Trotz der gegenwärtigen Probleme hat diese Notlage auch ein Gutes: In einer akademisch geprägten Arbeitswelt zeigt sie, wie wichtig ein funktionierendes Handwerk ist. Es verdient größte Wertschätzung.

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