Flutkatastrophe

Hochwasser verzögert die Wiederherstellung des Freizeitparks Ittertal

Bei den Plänen im Ittertal stehen sowohl die Itter als auch die Bayernhalle (im Hintergrund) im Fokus. Foto:
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Bei den Plänen im Ittertal stehen sowohl die Itter als auch die Bayernhalle (im Hintergrund) im Fokus.

Schäden werfen Besitzer der Anlage im Ittertal und Itterthaler-Verein in ihrem Zeitplan zurück

Von Kristin Dowe

Solingen. Entmutigen lassen wollen sich Yvgen Besedin, der neue Besitzer des Freizeitparks Ittertal, und sein Team nicht bei ihrem Vorhaben, die Anlage wieder in ein familienfreundliches Ausflugsziel zu verwandeln. Doch das Hochwasser am 14. Juli hat ihn und auch die Mitglieder des Vereins „die Itterthaler“, die sich ehrenamtlich für die Wiederherstellung des Parks engagieren, um einiges zurückgeworfen.

„Die Aufräumarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, die Halle musste aufwendig trockengelegt werden“, so Besedin. Zudem habe insbesondere der See, auf dem sich das historische Wasserkarussell befindet, gereinigt und systematisch entschlammt werden müssen. „Da waren jede Menge Fremdkörper im Wasser.“

„Wir machen auf jeden Fall weiter.“

Yvgen Besedin, Besitzer des Freizeitparks Ittertal

Besonders bitter für alle Beteiligten: Das Fundament der früheren Bayernhalle, die gerade erst frisch renoviert und mit neuen Toilettenanlagen ausgestattet worden war, wurde bei dem Unwetter stark unterspült, so dass sie provisorisch abgestützt werden musste. Ein bauliches Gutachten dazu steht noch aus. Aktuell gilt sie nicht als standsicher und das weitere Verfahren mit dem Gebäude ist noch unklar.

„Momentan ist so gut wie nichts nutzbar, wir warten noch auf einige weitere Gutachten. Sonst hätten wir mit den Sanierungsarbeiten schon weitergemacht“, berichtet Besedin. Untätig seien seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen dennoch nicht gewesen – sie erneuern unter anderem gerade die Fassaden des Gebäudes, in dem sich früher das mongolische Restaurant befunden hat.

Der Solinger hatte angekündigt, die Anlage nach einer mehrjährigen Hängepartie vom inzwischen verstorbenen vormaligem Eigentümer Bruno Schmelter erwerben zu wollen – die endgültige Geschäftsabwicklung ist noch nicht abgeschlossen. „Wir verzweifeln nicht und machen auf jeden Fall weiter“, gibt Besedin sich optimistisch, wenngleich die ursprünglich geplante Eröffnung noch in diesem Jahr durch die widrigen Begleitumstände unrealistisch geworden sei. Immerhin seien die Gebäude auf dem Areal versichert.

Solingen: Itter auf dem Parkgelände soll eventuell renaturiert werden

Auch die Itterthaler seien in den kommenden Wochen weiter im Park eingespannt, berichtet der Vereinsvorsitzende Michael Willemse. „In den Herbstferien werden wir erst mal den Kiosk winterfest machen und ein Konzept für den Märchenwald zu Papier bringen.“ Weiterhin sei man im Gespräch mit dem Rheinisch-Bergischen Wasserverband (RBW) in Haan, ob die durch das Parkgelände fließende Itter renaturiert werden soll.

Konkrete Maßnahmen seien diesbezüglich noch nicht geplant, teilt der RBW auf Nachfrage mit. „Für eine Aussage, ob in Zukunft in diesem Bereich eine Renaturierung stattfinden wird, ist es noch zu früh. Wir stehen in Kontakt mit dem Eigentümer der Anlage und werden zunächst gemeinsam prüfen, ob es eine Möglichkeit für eine Renaturierung geben kann“, teilt die Sprecherin des Verbandes, Heike Berlin-Brack, mit.

Vor dem Hochwasser hatten die Itterthaler schon einiges geschafft: So brachten sie im Sommer unter anderem rund um den See Lampen an und befreiten die Wege des Märchenwaldes von gewaltigen Laubmassen. Für Ärger hatten in der Vergangenheit immer wieder Fälle von Vandalismus im Park gesorgt. So wurde etwa ein Häuschen des Märchenwaldes in Brand gesetzt. Auch hatten sich mehrfach Unbefugte Zugang zum Gelände verschafft und Videos davon ins Internet gestellt.

Hintergrund

Geschichte: Die Anlage wurde 1898 von dem Gastronomen Friedrich Weck unter dem Namen „Ittertaler Volksgarten“ eröffnet. Nach mehreren Besitzerwechseln im Laufe der Geschichte des Parks übernahm 2002 der Schausteller Bruno Schmelter den Park, der heute als „Freizeitpark Ittertal“ bekannt ist. Seit 2016 hegte Schmelter Verkaufspläne für das Gelände. Der langjährige Betreiber verstarb im Juni 2020.

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Man darf dem Verein „die Itterthaler“ schon einen gewissen Langmut bei dem Ziel bescheinigen, den Freizeitpark Ittertal auch für kommende Generationen als solchen zu erhalten. Denn sie hatten in der Vergangenheit nun wirklich mit genügend Widrigkeiten zu kämpfen – angefangen bei der zähen Suche nach einem Investoren für das Gelände über die corona-bedingten Einschränkungen bis hin zum Hochwasser im Sommer, das allen Beteiligten weitere Steine in den Weg gelegt hat. Auch wenn die Mitglieder und auch der jetzige Besitzer wohl am liebsten gleich mit den Sanierungsarbeiten loslegen würden, ist jetzt weiterhin Geduld gefragt. Denn es braucht seine Zeit, bis die baulichen Gutachten vollständig vorliegen und man die Schäden in Gänze überblicken kann. Toll, dass der Verein und der neue Besitzer dennoch noch immer an einem Strang ziehen und ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Darüber hätte sich sicherlich auch der im vergangenen Jahr überraschend verstorbene Bruno Schmelter gefreut, dessen Name – trotz der Probleme in den letzten Jahren der Öffnung – für immer untrennbar mit dem Freizeitpark Ittertal verbunden sein wird.

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