Nach dem Hochwasser

Der Eschbach wird aufgeräumt

So sieht es in Unterburg nach der Flut aus.
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So sieht es in Unterburg nach der Flut aus.

Pegelstände sollen schon bald digital überwacht werden und Prognosen erleichtern.

Von Philipp Müller

Solingen. Kräftig rauscht in diesen Tagen mit vielen Niederschlägen der Eschbach durch Unterburg. Auch die Wupper führt viel Wasser – aber noch deutlich unter der Marke, ab der Hochwassergefahr angezeigt ist. Ob die trotzdem bestehen könnte, das soll ein modernes System berechnen. Der Wupperverband, die Bergische Uni und die Kohlfurther Firma Berger Gruppe arbeiten dabei als Partner zusammen. Der Geschäftsführer der Berger Gruppe, Dr. Andreas Groß, verspricht, dass es schnell eine umfassende bergische Lösung für ein intelligentes Warnsystem geben wird. Erste Schritte sind bereits unternommen worden.

Doch noch immer müssen zunächst beispielsweise am Eschbach die Folgen der Wassermassen aus der Nacht vom 14. auf den 15. Juli im vergangenen Sommer umfangreich beseitigt werden. Wie das konkret aussieht, beschreibt Wupperverbandssprecherin Susanne Fischer für Unterburg. „Am Eschbach wurde ein Teilstück der alten Ufermauer oberhalb der von uns neu gebauten Ufermauern, die das Hochwasser unbeschadet überstanden haben, weggerissen und ein Haus unterspült.“ Außerdem habe sich im Unterlauf des Eschbachs im Bereich der neuen Ufermauern viel und auch grober Schotter abgelagert. Der Fischaufstieg sei komplett zerstört worden.

Die Schäden sind schon länger bekannt. Und doch geht der Betrieb Gewässer des Wupperverbands sie erst jetzt an. Denn zunächst ging es darum, Bachläufe von Hindernissen zu räumen, damit die Bäche ungehindert fließen können. Rund 100 Schadensmeldungen gab es dazu allein im Bereich Solingen, führt Susanne Fischer an. Jetzt beginne die Phase, in der „kleinere Sanierungsprojekte an Bachläufen“ starten.

Die Fischtreppe im Eschbach muss komplett saniert werden. Der Wupperverband wird in den kommenden Wochen nicht nur das angehen.

Für den Eschbach sind es vor allem drei Punkte, die auf dem Zettel des Betriebs Gewässer stehen. Zunächst steht die Räumung der eingetragenen Ablagerungen im Eschbach an. Dazu wird der Umfang der Arbeiten berechnet, um sie öffentlich auszuschreiben. Zu den beiden weiteren Punkten erklärt die Verbandssprecherin: „Die konkrete Planung für die Sanierung der betroffenen Ufermauerbereiche startet in 2022. Hierbei handelt es sich um ein umfangreicheres Projekt.“ Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen würden bei der Planung für die Herstellung des zerstörten Ufermauerabschnitts der Fischaufstieg und der im Bereich des Fischaufstieg querende Eschbachsammler mit betrachtet.

Projekt zur Hochwasservorhersage an der Wupper nimmt Fahrt auf

In der Kohlfurth hatte es das Gelände der Firma Berger Gruppe schwer getroffen. Geschäftsführer Dr. Andreas Groß schaute schon wenige Tage nach der Flut vom Juli in die Zukunft. Er wollte eine Antwort auf die Frage, warum das Ereignis nicht besser vorhergesagt werden konnte. Seine Lösung ist eine Mischung aus vielen Messstellen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Erfasst werden die Niederschlagsmengen aktuell im Stadtgebiet Wuppertal an elf Messpunkten und an zehn in Solingen.

Wupperverband: „Wetterextreme werden nicht weniger“

An 16 Orten an Gewässern senden bereits Sensoren den Pegel an die Server der Berger Gruppe. Aus den beobachteten Daten der Pegel und Niederschlagsmenge wird man sehen können, wie sich etwa Starkregen auswirkt. „Das Ziel ist, verlässliche Modelle für Hochwasser zu berechnen“, sagt Dr. Groß. Stadtverwaltungen, IHK, Wupperverband und Uni Wuppertal sind dabei im Boot. Auch soll erfasst werden, wie sich ein Ablassen etwa der Wuppertalsperre auswirkt. Entlang der gesamten Wupper werden dazu die Sensoren installiert.

„Wir brauchen dafür eine Lösung, die nicht an den jeweiligen Stadtgrenzen endet“, fordert der Unternehmer und Ingenieur. Er ist zuversichtlich, dass schon im Jahr 2022 viele Messstellen geschaffen werden können, um die Berechnungen entlang der Gewässer zu starten.

Aktuelle Pegel

Die Daten der neuen Pegelsensoren sind bereits abrufbar unter: https://wupper-pegel.de

Pegelstände der Talsperren, Flüsse und Bäche veröffentlicht der Wupperverband für sein gesamtes Zuständigkeitsgebiet: https://fluggs.wupperverband.de/pegel-onlinedaten

Standpunkt: Die Macher sind gefragt

Standpunkt von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Die Zerstörungen durch das Hochwasser aus dem Juli sind nur in Ansätzen beseitigt. Der Wupperverband steht dabei vor einer Herkules-Aufgabe. Gebremst wird er auch, weil er die Arbeiten ausschreiben muss. Das verzögert die Beseitigung der Schäden um Monate. So wird aber verhindert, dass alles zu Mondpreisen repariert wird. In Zeiten, in denen die Lage der öffentlichen Kassen – auch durch Corona – schiefer als der Turm von Pisa ist, gibt es da keine vernünftige Alternative zum bewährten Weg über das Anbieterverfahren. Zugleich zeigt sich einmal mehr, dass das Bergische Land ein Hort für Tüftler und Macher ist. Da setzt sich Ingenieur Andreas Groß hin und findet einen Weg, wie wir zumindest künftig besser wissen werden, wann es wieder Hochwasser geben wird. Alle sind begeistert und legen ihm keine Steine in den Weg. Im Gegenteil. Doch was wird es nützen, wenn die Menschen im Städtedreieck entlang der Bäche und Flüsse ein paar Stunden früher wissen, dass es ernst wird? Es muss eine Phase folgen, in der geplant wird, wie Schäden verhindert werden können.

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