Ein Rückblick

Stille Helfer des Jahrtausend-Hochwassers

Die Stadt Solingen ist vom schlimmsten Hochwasser in ihrer Geschichte getroffen worden.
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Die Stadt Solingen ist vom schlimmsten Hochwasser in ihrer Geschichte getroffen worden.

Von Philipp Müller und Björn Boch

Warum sie sich diese Bezeichnung verdient haben – und das auch selbst richtig finden –, das haben sie der Tageblatt-Redaktion in vielen Gesprächen erzählt. Nicht der einzelne Helfer, nicht die einzelne Helferin habe gezählt, das Team stand immer gemeinsam füreinander ein.

Denn so etwas haben sie noch nicht erlebt – und wollen es auch nie wieder erleben müssen. Feuerwehrleute berichteten in einem solchen ST-Gespräch über die Erlebnisse rund um das Hochwasser vor zwei Wochen – über die Lebensgefahr für Kollegen und Betroffene, die Verzweiflung der Menschen, aber auch über große Hilfsbereitschaft. Einzelne Kameraden wollen sie nicht herausheben, das ist der Feuerwehr, dem Kollektiv, besonders wichtig.

Das trifft auch für die vielen fleißigen Hände der Technischen Betriebe Solingen (TBS), der Stadtwerke oder den geschulten Menschen des Technischen Hilfswerks (THW) zu. Egal, ob sie ehrenamtlich oder beruflich an die Stellen fuhren, wo das Hochwasser besonders zugeschlagen hatte – immer wieder ist davon die Rede: „Das ist für uns Ehrensache.“ Aber es ist noch mehr. In den vielen Gesprächen wird eins deutlich: Wer anderen in deren Not hilft, der braucht dafür eine besondere Lebenseinstellung. Diese Solinger schielen nicht auf Orden, es ist ihnen Befriedigung genug, wenn sie ihren „Job“ gut erledigt haben. Teilweise jahrelang wurden sie dafür ausgebildet.

Auch wenn alle das, was sie getan haben, fast als „normal“ ansehen, so war es das am Ende natürlich nicht. Es sei an die Situation in Unterburg erinnert. Die Seniorenresidenz musste evakuiert werden. Die Feuerwehr begann damit am späten Nachmittag des 14. Juli. Doch der Eschbach stieg und stieg. Zunächst konnten die teilweise schwer unter Demenz leidenden Patienten zu Beginn noch mit Rettungswagen und später mit einem Unimog gerettet werden. Dann stand das Wasser zu hoch. Die Einsatzkräfte waren machtlos. Erst in der Nacht befreiten Boote der DLRG die letzten vier Patienten und ihre Betreuer, die tapfer ausgeharrt hatten. Sogar einige Balken des Hauses mussten herausgesägt werden, um die Bergung zu ermöglichen.

„Lieber zu viele Helfer als gar keine Helfer.“

Unterburger zur Hilfsbereitschaft

Nach 650 gezählten Einsätzen musste aufgeräumt werden. Und da kam die überraschende und zugleich erfreuliche Zahl der freiwilligen Helfer zum Einsatz. Deren Zahl geht ebenfalls in die Hunderte. Müngsten, Rüden, Wipperaue, Unterburg, Glüder – das sind nur einige ihrer Einsatzorte. Auch sie blieben still.

Koordiniert wurden die Hilfen auf vielfältige Weise. Die Feuerwehr hatte in der akuten Phase des Hochwassers die Fäden in der Hand. Das THW sprang dort ein, wo es die Einsatzleitung wollte und wünschte. Die Stadt hatte einen Krisenstab eingerichtet, um alles generell zu steuern. Ein Nothilfetelefon wurde geschaltet. So konnten die freiwilligen Helfer an die richtigen Stellen geschickt werden – das lief nicht immer reibungslos. Aber wie sagte ein Anwohner aus Unterburg: „Lieber zu viele Helfer als gar keine Helfer.“

Der komplette Rückblick:

DRK versorgt 150 Betroffene und schmiert 800 Brötchen

THW-Helfer sind nicht nur in Solingen im Einsatz

Frauen und Männer der Feuerwehr riskieren ihr Leben

Seelsorger haben für jeden ein offenes Ohr

Technische Betriebe loben: „Private Helfer packen mit an“

60 Helfer für Strom, Gas und Wasser

Ein Rückblick: Stille Helfer des Jahrtausend-Hochwassers

Spenden steigen auf fast 1,3 Millionen Euro

1 284 000 Euro für die Solinger Hochwasseropfer sind bislang auf dem Konto der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung eingegangen.

„Täglich werden Auszahlungen vorgenommen, die ersten 171 Betroffenen haben bereits ihre Hilfe auf dem Konto“, erklärt Daniel Hadrys von der städtischen Pressestelle. Pro Antrag stehen maximal 3000 Euro zur Verfügung. In diesen Tagen ist noch einmal eine große Spende eingegangen.

Stadt-Sparkasse: Vergangene Woche Dienstag hatte das Solinger Kreditinstitut zugesagt, Spenden, die bis Sonntagabend eingingen, bis zu einem Betrag von 100 000 Euro zu verdoppeln. Im genannten Zeitraum verzeichnete die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung auf dem Spendenkonto einen Zuwachs von mehr als einer halben Million Euro. Deshalb steuert das Kreditinstitut den angekündigten Höchstbetrag von 100 000 Euro bei.

Spar- und Bauverein: Die Genossenschaft bot nicht nur der Wohnungsnotfallhilfe Unterstützung dabei an, Betroffene zwischenzeitlich unterzubringen. Sie spendete laut dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dingel auch 7500 Euro für die Flutopfer.

WMTV-Restaurant: Eine besondere Aktion hatte sich das Lokal einfallen lassen. Für 20 Euro wurde in der Turnhalle der Brückenteller angeboten. Pro Portion ging die Hälfte des Betrags an die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung. „77 Mal haben wir den sogenannten Brückenteller verkauft und haben die Spendensumme auf 1000 Euro aufgerundet“, zieht Geschäftsführer Torsten Tückmantel ein positives Fazit.

Fauna: Am kommenden Sonntag, 1. August, sammelt der Gräfrather Tierpark für die Betroffenen. Alle Eintrittsgelder und Spenden dieses Tages kommen den Hochwasser-Geschädigten zugute. -böh-

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