Hofschaft Haasenmühle

Hochwasser bedroht die Existenz - Familie steht vor ungewisser Zukunft

Das Haus in der Hofschaft Haasenmühle vor und während des Hochwassers – es konnte nicht geschützt werden. Fotos: Michael Schütz (Archiv), BW
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Das Haus in der Hofschaft Haasenmühle während des Hochwassers – es konnte nicht geschützt werden.

Familie Wiemer steht nach der Evakuierung vor einer ungewissen Zukunft. Ihr Haus konnte während des Hochwassers nicht geschützt werden.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Im Sommer 2018 haben Sarah Wiemer-Mattheus und ihr Mann Benedikt schon einmal Hochwasser bei sich in der Hofschaft Haasenmühle erlebt. Etwa 240 000 Euro betrug der Schaden damals für das gemeinsame Haus und das seiner Eltern, die nebenan wohnen. „Diesmal war es schlimmer“, ist Benedikt Wiemer nach der Überflutung des Erdgeschosses am Mittwochabend überzeugt. „Als wir evakuiert wurden, war das Ausmaß ein erschütternder Anblick. Wir sind froh, dass wir leben, aber davon abgesehen ist es wirklich eine Katastrophe.“

So sah das Haus vor dem Hochwasser aus.

Die Feuerwehr hatte versucht, Vorkehrungen zu treffen. „Dass es etwas passieren würde, war allen klar. Aber in dieser Form hat es doch keiner erwartet“, blickt Wiemer auf den Mittwoch zurück. Eine Sicherung des Hauses mit Sandsäcken schlug fehl. „Mir wurde eine Pumpe hereingereicht, um das Wasser irgendwie herauszubekommen, aber auch das hat irgendwann nicht mehr geklappt. Wir waren dann im Haus gefangen und mussten im ersten Stock warten.“ Der Strom sei so schnell durch die Straßen geflossen, dass eine Evakuierung mit dem Schlauchboot zunächst nicht möglich war. „Wir mussten abwarten, bis der Pegel sinkt. Gegen 21 Uhr sind wir dann rausgeholt worden.“ Die junge Familie – Tochter Josefine Emilia ist gerade fünf Wochen alt – verließ mit dem Notwendigsten ihr Heim und kam bei der Verwandtschaft in Krahenhöhe unter.

„Diesmal bleiben wir vielleicht auf den Kosten sitzen.“

Benedikt Wiemer, Familienvater

Die Situation ist bedrückend. „Wir wussten lange nicht einmal, wohin meine Eltern gebracht wurden“, erläutert Wiemer. „Inzwischen ist klar, dass sie im Klinikum sind. Ihnen geht es gut.“ Ob die Fahrzeuge, die der Familienvater im Vorfeld an einen scheinbar sicheren Ort umgeparkt hatte, noch da sind, geschweige denn funktionieren, ist genauso offen wie die Frage, wann die Bewohner zurück zu ihrem Haus dürfen. „Derzeit können wir nur ausharren und hoffen, dass der Schaden nicht zu groß ist.“

Für die Sanierung des Hauses erhielt die Familie sogar den Denkmalschutzpreis.

Wahrscheinlich sei dies jedoch nicht. „Aus dem Bauch heraus tippe ich auf 350 000 Euro Schaden für beide Häuser. Und das ist nicht nur bei uns so, sondern auch bei einigen unserer Nachbarn. Da hängen Existenzen dran“, sagt Wiemer, der durch das Hochwasser 2018 bereits Erfahrungen gesammelt hat. „Damals war es auch ein Haftpflicht-Schaden, so dass wir etwas mehr als 50 Prozent ersetzt bekommen haben. Diesmal bleiben wir vielleicht auf den Kosten sitzen.“ Das Problem: „Aufgrund der Risiko-Lage schließen Versicherungen Elementarschäden aus“, weiß Wiemer.

Das Haus, das erst kürzlich mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wurde, lässt sich also gar nicht gegen Ereignisse wie diese versichern. „2018 haben wir es mit viel Eigenarbeit irgendwie hinbekommen, das Haus wieder zu sanieren. Aber was passiert nun? Aus eigenen Mitteln schaffen wir das nicht.“

Die Familie hofft auf Hilfen – möglicherweise aus Rettungsfonds. „Aber grundsätzlich ist es ein Unding, dass wir uns nicht versichern können“, sagt Sarah Wiemer-Mattheus. „Letztlich muss man das System der Krankenversicherung auf denkmalgeschützte Häuser übertragen. Ein Diabetiker zum Beispiel bleibt ja auch versichert, obwohl er ein höheres Risiko darstellt, Kosten zu verursachen. Alles andere wäre auch eine schreiende Ungerechtigkeit.“

Hintergrund

Seit 1851 befindet sich das Haus in der Hofschaft Haasenmühle im Besitz der Familie Wiemer. „Entsprechend viele Erinnerungen hängen daran“, sagt Benedikt Wiemer, der trotzdem noch nicht sicher ist, ob er zurückkehren möchte. „Diese Frage stellen wir uns wirklich. Gerade auch mit Blick darauf, dass weitere Hochwasser-Ereignisse dieser Art nicht auszuschließen sind.“

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