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Henryk Dywan entwirft seine Kunst in Höhscheid

Henryk Dywan bewahrt in seiner Atelierscheune am Höhscheider Hof die Modelle seiner Skulpturen auf. Foto: Michael Schütz
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Henryk Dywan bewahrt in seiner Atelierscheune am Höhscheider Hof die Modelle seiner Skulpturen auf.

Der Solinger Bildhauer lebt seit den 60er Jahren in einem historischen Fachwerkhaus.

Von Anja Kriskofski

Solingen. In der großen Scheune am Höhscheider Hof sind sie alle zu finden: der Tirwelspitter, die Spielfigur, die seit 1988 auf der Hauptstraße steht, oder der Kopf des Schleifers, der als Bronzeplastik in Wald steht. Hier – und in seinem kleinen Atelier neben der Wohnung – bewahrt der Solinger Bildhauer Henryk Dywan die Modelle und Entwürfe für seine Skulpturen auf.

Seit Anfang der 60er Jahre lebt er mit seiner Frau in einem historischen Fachwerkhaus mitten im Grünen. „Ich habe diese Gegend gleich sehr geliebt“, sagt der 87-Jährige. „Höhscheid ist meine Heimat geworden.“

Der Solinger Künstler Hans Karl Rodenkirchen holte den gebürtigen Westpreußen einst nach Solingen. „Wir kannten uns von der Werksschule in Köln.“ Dort hatte Dywan nach seiner Ausbildung zum Holz-, Stein- und Metallbildhauer studiert. 1964 kaufte er das Haus am Höhscheider Hof von der Stadt Solingen. Die Geschichte des als „Pfaffenhofs“ bekannten Fachwerkhauses, der lange Pachthof der Abtei Altenberg war, geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Mit viel Liebe zum Detail hat Dywan das Gebäude renoviert. Geschichte zu bewahren, ist ihm wichtig.

Einige historische Fundstücke, die bei den Bauarbeiten entdeckt wurde, stellt er in einer Vitrine aus. Unter Glas liegen unter anderem Scherben von Gefäßen: „Die reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück.“ In der Wohnung sind auch einige von Dywans kleineren Kunstwerken zu sehen: die Bronzeplastik einer Kuh oder Holzarbeiten wie der aufwendig gearbeitete Narrenwagen: „Ich habe schon als Kind Figürchen geschnitzt.“

Dywans Kunst ist in Solingen an vielen Orten zu finden, etwa am Entenpfuhl, am Walder Kirchplatz und an der August-Dicke-Schule. Markant ist die Betonstatue an der Kirche St. Clemens. Die riesigen Negativformen für die Skulptur stehen in Dywans Scheune.

Den ersten Entwurf fertigte Dywan meist aus einem speziellen Schaumstoff, der sich leicht modellieren lässt. „Damit bekomme ich einen Überblick.“ So gibt es die beiden Klingenschmiede vom Alten Markt als originalgetreue Kunststoffmodelle in Dywans Atelierscheune. Sie waren die Vorlage für den Bronzeguss. Um das Denkmal gab es 2011 eine Diskussion. Die Schmiede sähen aus wie Playmobil-Figuren, kritisierten einige. Der Entwurf wurde daraufhin überarbeitet. Henryk Dywan sieht das aus der Rückschau gelassen: „Es ist doch gut, dass die Leute auf eine Skulptur reagieren. Man kann nicht erwarten, dass es allen gefällt.“

„Ich habe diese Gegend gleich sehr geliebt.“
Bildhauer Henryk Dywan über Höhscheid

In den 60er bis 80er Jahren hat Dywan Skulpturen für Städte in ganz NRW geschaffen: von Aachen bis Ibbenbüren in Westfalen. Der Brunnen vor der Universität Paderborn ist ebenso von ihm wie der Betonrelief-Schriftzug vor der Ruhruniversität Bochum oder die Brunnenstele vor dem Regierungspräsidium in Köln.

Die Scheune mit den Modellen und Fotos zeugt von Dywans Schaffenskraft. Und zu allen kennt er Geschichten. Etwa, dass der Wasserfluss im Paderborner Brunnen gedrosselt werden musste. „Mitarbeiterinnen beschwerten sich, dass sie wegen des Plätscherns zu oft auf die Toilette müssten.“

Heute mache er noch kleinere Arbeiten, berichtet Dywan. Wie und wo er arbeitet, zeigt er gerne auch Besuchern. So komme Bezirksbürgermeister Axel Birkenbeul (SPD) bei seinen Stadtführungen gerne am Höhscheider Hof vorbei.

Kunstwerke in Solingen

Kirche St. Clemens: An der Kirche St. Clemens steht die Bronzeskulptur Clemens Romanus.

Entenpfuhl: Das Denkmal „Unteilbares Deutschland“ wurde nach dem Bau der Mauer aufgestellt. Es erinnert an die deutsche Teilung.

Untere Hauptstraße: Eine Skulptur, die zum Spielen einlädt, ist der 1988 eingeweihte Tirwelspitter.

Alter Markt: Seit 2011 stehen dort die beiden

Klingenschmiede, die der Verschönerungsverein in Auftrag gegeben hatte.

Walder Kirchplatz: Der Schleifer an der Pliestscheibe ist eine Schenkung des Lions Clubs Solingen.

Goerdelerstraße: Vor dem Finanzamt, wo sich früher das Gebäude der Polizeiinspektion befand, steht eine Dywan-Brunnenstele.

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