Acht Bürgermeister-Jahre

Heinz-Eugen Bertenburg (FDP) verlässt den Stadtrat

Nach 31 Jahren im Stadtrat ist für Heinz-Eugen Bertenburg Schluss mit der aktiven politischen Arbeit. Im Gespräch mit dem Tageblatt blickte er zurück und nach vorne.Foto: Christian Beier
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Nach 31 Jahren im Stadtrat ist für Heinz-Eugen Bertenburg Schluss mit der aktiven politischen Arbeit. Im Gespräch mit dem Tageblatt blickte er zurück und nach vorne.

Heinz-Eugen Bertenburg (FDP) verlässt Ende des Monats nach 31 Jahren den Stadtrat – er ist ein Mann des Dialogs.

Von Andreas Tews

Solingen. In seinen 45 aktiven Jahren in der Solinger Politik hat Heinz-Eugen Bertenburg einiges erlebt. 31 Jahre war er für die FDP im Stadtrat, jahrelang war er im städtischen Schulausschuss, in schwierigen Zeiten für die Partei war er Chef der FDP-Ratsfraktion. Als die „schönste Zeit“ bezeichnet er rückblickend aber die gut acht Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister zu Beginn des Jahrtausends. Bei den vielen repräsentativen Terminen, bei denen er den damaligen Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) vertrat, habe auch er als Ur-Solinger noch viel über seine Heimatstadt gelernt.

34 der aktuell 52 Ratsmitglieder scheiden Ende des Monats mit dem Ende der Wahlperiode aus der politischen Bürgervertretung der Stadt aus. Bertenburg gehört zu denen, die selbst entschieden haben, sich nicht mehr um einen vorderen Listenplatz zu bewerben. In einer kleinen Partei wie der FDP kommt dies einem Rückzug gleich. Mit 76 Jahren sei es an der Zeit, den Jüngeren das Feld zu überlassen. Inwieweit die auf das Wissen Bertenburgs und anderer altgedienter Ratsherren zurückgreifen, wisse er noch nicht.

Dass er sich in den vergangenen Jahrzehnten politisch engagiert hat, bereut er nicht. Schon 1975 – drei Jahre nach dem Eintritt in die Partei – wurde er für die FDP Mitglied im städtischen Jugendwohlfahrtsausschuss. „In kleinen Parteien läuft das etwas schneller als anderswo“, erinnert sich Bertenburg. In diese Zeit fiel auch die Gründung des städtischen Ferien(s)pass-Angebots. Dies sei auf einen Antrag seiner Partei zurückgegangen, betont Bertenburg. Für die FDP saß er damals zusammen mit Bernd Kurzrock in dem Fachausschuss.

1979 zog Bertenburg in die damals neue eigenständige Bezirksvertretung Gräfrath ein. 1984 begann für den Lehrer und späteren Leiter des Friedrich-List-Berufskollegs die Zeit im städtischen Schulausschuss. „Schule war in Solingen immer eine Auseinandersetzung um Schulformen und Schulgebäude“, blickt der Freidemokrat zurück. Ein Erfolg sei es aber gewesen, dass man sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten sachlich auseinandergesetzt habe. „In der Politik muss ich meine Meinung sagen“, erklärt er. „Meine Art ist es aber, am Ende Vereinbarungen zu treffen, die jeder gut mittragen kann.“ Es komme darauf an, sich mit den Gesprächspartnern zu verstehen und sie zu respektieren.

Besonders gefordert war dies in seiner Zeit als FDP-Ratsfraktionsvorsitzender, 1994 bis 1999. Er bezeichnet dies als „hochinteressante“ Zeit. Solingen sei eine von nur drei kreisfreien Städten in NRW gewesen, in denen die FDP überhaupt noch in den Stadträten vertreten gewesen sei.

In dieser Zeit fiel auch die Entscheidung in der FDP, den späteren CDU-Oberbürgermeister Franz Haug im Wahlkampf zu unterstützen und auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten. Im Gegenzug ermöglichten die Christdemokraten, dass nach der Wahl mit Bernd Kurzrock 1999 ein FDP-Mann ehrenamtlicher Bürgermeister wurde. Nach dessen plötzlichem Tod 2001 übernahm Heinz-Eugen Bertenburg dieses Amt – und blieb Bürgermeister bis 2009. Weitere elf Jahre vertrat er die FDP im Stadtrat, war seit 2014 sogar Vorsitzender des Schulausschusses.

Dass vor der Kommunalwahl 2020 in fast allen Parteien die Jüngeren nach vorne drängten, hält er zwar für legitim. Im neuen Stadtrat müsse man jetzt aber darauf achten, dass auch die Bevölkerungsgruppe der Senioren vertreten werde. Bertenburg selbst will Ratschläge geben, wenn er gefragt wird. Ansonsten freut er sich auf zusätzliche Zeit unter anderem auf dem Golfplatz, als Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule und im Vorstand von Haus und Grund.

Schulpolitiker, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeister

Partei: Zur FDP kam Heinz Eugen Bertenburg unter anderem, weil bei seinem Abitur an der Schwertstraße 1963 der spätere Bundespräsident Walter Scheel als Silber-Abiturient eine Rede hielt.

Stadtrat: Dem Rat gehört Bertenburg seit 1989 ununterbrochen an. 1994 bis 1999 War er Vorsitzender der FDP-Fraktion. Vor allem im Schulausschuss (1989 bis 1999 und 2012 bis 2020, seit 2014 als Vorsitzender) war er aktiv.

Bürgermeister: Als Bürgermeister war Bertenburg von 2001 bis 2009 ehrenamtlicher Stellvertreter von Oberbürgermeister Franz Haug (CDU) bei repräsentativen Anlässen und als Vorsitzender des Stadtrates.

Wenn der alte Stadtrat heute noch einmal zusammentritt, wird es für 34 der 52 Ratsmitglieder zumindest vorerst die letzte Sitzung in diesem Gremium sein. Sie scheiden zur nächsten Wahlperiode aus. Dies ist nicht nur zahlenmäßig ein großer Aderlass. Auch fachlich.

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