Freikirchliche Gemeinde

Heilsarmee: Seit 120 Jahren aktiv für Bedürftige

Das Foto der Heilsarmee aus dem Jahr 1907 zeigt auch den Großvater (links oben mit Trompete und Schnurrbart) und Vater (schräg rechts neben ihm mit weißer Schleife) des heutigen Kapellmeisters Heinrich Schmidt. Alle Männer der drei Generationen tragen den gleichen Namen. 
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Das Foto der Heilsarmee aus dem Jahr 1907 zeigt auch den Großvater (links oben mit Trompete und Schnurrbart) und Vater (schräg rechts neben ihm mit weißer Schleife) des heutigen Kapellmeisters Heinrich Schmidt. Alle Männer der drei Generationen tragen den gleichen Namen. 

Die Mitglieder der freikirchlichen Gemeinde engagieren sich unter anderem mit der Suppenküche für die Schwächsten der Gesellschaft.

Von Kristin Dowe

Kapellmeister Heinrich Schmidt (v. l.) mit den Kapitänen und Leitern des Solinger Korps, Christiane und Oliver Walz.

Solingen. Feierlich gekleidet präsentieren sich die Mitglieder der Solinger Heilsarmee auf der historischen Aufnahme aus dem Jahr 1907. Entstanden ist das Foto vor dem damaligen Hauptquartier des Korps an der Florastraße. Die Villa wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört.

In diesem Jahr feiert das Solinger Korps sein 120-jähriges Bestehen. „Dort hat man sich damals schon zu Gottesdiensten getroffen, berichtet Christiane Walz, Kapitänin bei der Heilsarmee. „Das Gebäude wurde während des Krieges völlig zerstört. Zwischenzeitlich hat man sich deshalb in einer sogenannten Schwedenbaracke getroffen, die der Heilsarmee zur Verfügung gestellt wurde.“

„Wir wollten unsere Gäste der Suppenküche nicht im Regen stehenlassen.“

Christiane Walz, Heilsarmee Solingen

An den Grundsätzen der freikirchlichen Glaubensgemeinschaft habe sich über die Jahrzehnte nichts verändert, noch immer gehe es den Mitgliedern darum, das „Wort der Bibel in den Alltag zu tragen“ und Gutes zu bewirken, so Walz. Auch heute noch ist die Gemeinde für ihre intensive karitative Arbeit bekannt, wenn es etwa darum geht, Bedürftige in Solingen mit ihrer „Suppenküche“ mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Vor der Corona-Pandemie kochten die Mitglieder einmal in der Woche für Menschen, die sich ein Mittagessen nicht immer leisten können. Die Bedürftigen trafen sich auch in den Räumlichkeiten an der Florastraße, um die Mahlzeit gemeinsam zu genießen.

„Das war seit dem ersten Lockdown nicht mehr möglich, deshalb mussten wir umdenken, denn wir wollten unsere Gäste der Suppenküche nicht im Regen stehenlassen“, blickt Christiane Walz zurück. Die Gemeinde handelte und bringt seit März 2020 jeden Freitag Essenstüten zu den Bedürftigen nach Hause. Samstags dürfen diese sich auch vor Ort eine Mahlzeit an der Florastraße abholen. Der Bedarf an Hilfe nimmt in Solingen zu, beobachtet die Kapitänin: „Wir haben mit 40 Tüten pro Woche angefangen – mittlerweile liegen wir bei über 120.“ Inzwischen seien innerhalb eines Jahres bereits rund 4300 Tüten an Bedürftige in Solingen verteilt worden.

Nachgewiesen werden müsse die Bedürftigkeit nicht. „Bei allen, die ein solches Angebot in Anspruch nehmen, ist die Not sicherlich groß. Inzwischen sind auch Kinder darunter, was ich schon alarmierend finde.“

Die Feierlichkeiten zum runden Geburtstag fallen aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr eher bescheiden aus. „Unsere Tochter hat eine Geburtstagstorte gebacken“, sagt Christiane Walz, deren Ehemann Oliver ebenfalls Kapitän ist und das Solinger Korps mit ihr gemeinsam leitet. 41 Mitglieder gehören der Gemeinde in Solingen an. „Ansonsten feiern wir unsere Gottesdienste momentan jeden Sonntag digital und tragen Bibeltexte vor.“ Auch für die Kinder gebe es digitale Angebote zum Basteln und Spielen.

Die Bewegung ist mit Dienstgraden und Uniformen militärisch organisiert – ihre Angehörigen bezeichnen sich selbst als Heilssoldaten, die im Dienste der Gesellschaft wirken und Bedürftige unterstützen. Derweil ist die Musik untrennbar mit der Heilsarmee verknüpft, in Solingen wurde 1903 die erste Kapelle gegründet. Auch die Musiker träfen sich zurzeit online, ergänzt Oliver Walz. „Gemeinschaft digital zu leben, ist zwar ein kleines Hindernis, aber kein Grund, sich nicht zu treffen.“

Solinger Korps

Am 3. Mai 1901 gründete Kapitän August Prange in der Florastraße 86, der „alten Henckels Villa“, das erste Korps in Solingen. 1906 zog die Gemeinde in ein eigenes Gebäude um, das am 5. November 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Schließlich zog das Korps Solingen 1959 in den Neubau in der Florastraße 9-11 ein.

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Die Pandemie-Lage ist insbesondere für bedürftige Menschen eine große Herausforderung.

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