Kurse laufen online ab

Hebammen leisten besondere Unterstützung

Petra Louis, Sabine Filz, Heike Brosge und Ina Balzer von der Hebammenpraxis Luna geben ihr Bestes, um Eltern in der schwierigen Zeit der Pandemie auf die Geburt vorzubereiten. Das Foto entstand im Sommer 2020. Foto: Kathrin Küllenberg
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Petra Louis, Sabine Filz, Heike Brosge und Ina Balzer von der Hebammenpraxis Luna geben ihr Bestes, um Eltern in der schwierigen Zeit der Pandemie auf die Geburt vorzubereiten. Das Foto entstand im Sommer 2020.

In der Pandemie haben werdende Eltern hohen Beratungsbedarf.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Kurse der Hebammenpraxis „Luna“ finden derzeit ausschließlich online statt. Trotzdem seien die Begegnungen mit den werdenden oder frischgebackenen Müttern beziehungsweise Eltern eher intensiver geworden, sagt Sabine Filz. Sie ist eine der vier Hebammen in der Praxis, in der sich seit mehr als 20 Jahren alles um junge Familien dreht: Geburtsvorbereitung, Schwangerschaftsgymnastik, Babymassage sowie Vor- und Nachsorge im Wochenbett gehören unter anderem zum Portfolio.

„Die weiteren Mutter-Kind-Angebote haben wir als einzige derzeit gestrichen, das hat über den Bildschirm keinen Sinn“, sagt die junge Frau, die selbst vor sechs Monaten Mutter einer Tochter geworden ist und die Corona-Situation rund um die Geburt folglich auch aus der Mütter-Perspektive erlebt hat. „Einerseits fehlt schon der persönliche Kontakt mit den anderen Teilnehmern in einem Geburtsvorbereitungskurs, andererseits hat es auch etwas, das in aller Ruhe im heimischen Umfeld erleben zu können“, zieht sie Bilanz aus der Notwendigkeit, alles ins Virtuelle zu verlagern.

Die Luna hat gerade einen Info-Film gedreht und diesen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Als Leiterin der digitalen Gruppen bemühen sich Sabine Filz und ihre Kolleginnen, ,,das Ganze dennoch so aufzuziehen, dass es ein Gruppenerlebnis wird“. Wünschenswert sei, dass junge Eltern Kontakt halten und sich nach der Pandemie mit ihren Kindern vielleicht noch einmal persönlich treffen. „Gerade durch die beklemmende Corona-Situation haben viele mehr denn je das Bedürfnis nach Gemeinschaftsgefühl und Austausch“, so Filz. Der sei sehr wichtig, um sich sicherer in den neuen Lebensumständen zu fühlen. Es tue einfach gut zu hören, dass andere ähnliche Probleme haben. „Wir Hebammen sind zudem noch wichtigere Ansprechpartner als sonst, denn alle Kliniken entlassen derzeit nach der Entbindung frühestmöglich. Und so bereiten wir die werdenden Eltern noch intensiver und akribischer auf alle Eventualitäten vor als sonst“, sagt Sabine Filz, die vielen besorgten und durch die Situation verunsicherten Müttern und Vätern begegnet.

„Bei schwierigen Schwangerschaften sind Frauen oft allein.“
Raica Vermeegen, Hebamme

Es sei zum Beispiel von Klinik zu Klinik unterschiedlich, ab welchem Zeitpunkt Begleitpersonen bei einer Entbindung dabei sein dürfen und wie lange im Anschluss, wenn das Baby da ist. „Natürlich beginnt die Zeit unserer Hausbesuche entsprechend früher.“ Diese seien nach wie vor möglich, wenn auch zeitlich gestrafft. „Konnten wir sonst 30 bis 60 Minuten einplanen, um uns um Mutter und Kind zu kümmern, so beschränken wir das nun auf maximal 20 Minuten und rufen an, wenn wir auf dem Weg zu den Familien sind. Die können dann noch lüften, bis wir eintreffen.“

Auch Raica Vermeegen begegnet in ihrem Alltag als freie Hebamme mit eigener Praxis auf der Baverter Straße vielen Unsicherheiten. Ihr sei wichtig, eine gute Balance zu finden zwischen nötigen Hygienekonzepten und dem Bedürfnis der Familien, in den emotionalen Erfahrungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett beruhigende und kompetente Nähe zu erfahren. Mund-Nasen-Schutz sei natürlich notwendig, „aber Untersuchen ohne Anfassen geht ja sowieso nicht“. Statt der klassischen Geburtsvorbereitungskurse bietet sie online individuelle Beratung für werdende Eltern an, die dort alles besprechen können, was ihnen auf dem Herzen liegt. Auch Geschwisterkinder dürfen an diesen Terminen teilnehmen.

Die Ankunft eines neuen, kleinen Menschen ist für Raica Vermeegen etwas, das die ganze Familie betrifft. Umso bitterer sei es für werdende Mütter, durch die Hygieneregeln in den Kliniken vieles allein erleben zu müssen. „Bei schwierigen Schwangerschaften sind Frauen oft allein mit belastenden Diagnosen, weil sie nicht besucht werden dürfen. So etwas ist natürlich hart.“ Aber auch im Normalfall erlebt sie mehr Sorgen bei werdenden Eltern. „Dauerthema ist, sich während der Schwangerschaft nicht anzustecken - das treibt die Menschen schon sehr um.“

Solingen ist eine stillfreundliche Stadt. Das bestätigte Dorothee Eisenhardt, Kreisvorsitzende des Landesverbandes Hebammen NRW. Passend zur Weltstillwoche übergab sie Oberbürgermeister Tim Kurzbach das Zertifikat „Stillfreundliche Kommune“.

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