Bergische Symphoniker

Haydns Kritik am französischen Hofstaat wird fürs Publikum hörbar

Cellist Maximilian Hornung erhielt vom Publikum viel Applaus für seine ausgeprägten Klangfarben.Foto:Marco Borggreve
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Cellist Maximilian Hornung erhielt vom Publikum viel Applaus für seine ausgeprägten Klangfarben.

4. Philharmonisches Konzert der Bergischen Symphoniker.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Am Ende gab es fulminanten Beifall für ein 4. Philharmonisches Konzert voller verschiedener, wohltuender Klangfarben bevor das Auditorium die Bergischen Symphoniker mit Generalmusikdirektor Daniel Huppert am Pult am Dienstagabend endlich von der Bühne im Großen Konzertsaal des Theater und Konzerthauses abtreten ließen.

Schon zur Pause hatten sich die Solinger Musikfreunde mit reichlich Applaus bedankt – insbesondere bei Cellist Maximilian Hornung, der als Solist gemeinsam mit dem Orchester Pjotr Iljitsch Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ A-Dur op. 33 vortrug und sein Publikum damit faszinierte.

Virtuos ließ er seinen Bogen über die Saiten flitzen und sein Instrument aufs Schönste brummen, singen oder vibrieren, je nachdem welche Klangfarbe und Stimmung sich der Komponist für den jeweiligen Teil ausgedacht hatte. Sensibel und mit Lust am Spiel tauchte er in die Musik ein, begleitet vom Orchester, das sich von Daniel Huppert akribisch durch Tschaikowskys musikalischen Blick in die vergangenen Ära von Mozart leiten ließ.

Tschaikowsky drückte dem Rokoko eine romantische Handschrift auf

In depressiver Verfassung geschrieben, wie Susanne Zorbach im Einführungsvortrag erläutert hatte, schien Tschaikowsky mit dieser Hommage an „die aus seiner Sicht „gute alte Zeit des Rokoko“ Halt und Sicherheit zu finden, der er seine romantische Handschrift aufdrückte und damit zu einem besonderen Unikat machte.

Eingeleitet wurde das 4. Philharmonische Konzert der Saison mit einem zauberhaften Stück von Anatoli Ljadow, ein wenig gespielter Komponist. Der Rimski-Korsakow-Schüler und spätere Lehrer von Prokofjew nimmt mit seinem selbst bezeichneten „fantastischen Scherzo“ mit in die Welt der kleinen Hexe „Kikimora“ , einer russischen Sagengestalt, die saubere Haushalte belohnt, bei vorgefundenem Schmutz oder Unordnung dagegen magischen Schabernack treibt.

Düstere und geheimnisvolle Celloklänge

Düster und geheimnisvoll erklang zunächst, nach einem Cello-Intro ein Englischhorn als Solo, bevor nach und nach Streicher und Bläser die Klangfarbe aufnahmen und dem Zuhörer vor dem inneren Auge Kikimora erscheinen ließ.

Mit der Symphonie Nr. 88 von Joseph Haydn schwenkten die Bergischen Symphoniker endgültig in die Zeit des Rokoko und präsentierten das für den französischen Hof in Versailles geschaffene Werk fulminant und nachdrücklich. Zwei Jahre vor der beginnenden Revolution geschrieben, könne man Haydns leicht ironisches Kopfschütteln über die gestelzte und in Formalitäten erstarrten Hofzeremonien durchaus aus der Musik heraushören.

Generalmusikdirektor Daniel Huppert hatte seinem Publikum in der Einführung den Auftrag mitgegeben, im Werk nach solchen Stellen zu suchen. Und tatsächlich konnte man so manche Verbeugung und so manchen Knicks in den musikalischen Weisen erkennen, ebenso wie ein versteckter Bauernkarren, der hochbeladen sozusagen einfach durchs Bild rollt.

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