Corona

Solinger Hausärzte impfen ihre ersten Patienten

Diana Dickhaus am Mittwoch bei der Impfung eines Patienten in der Praxis von Dr. Christoph Zenses: Im Schnitt hat jede Solinger Praxis in dieser Woche 20 bis 25 Impfdosen erhalten.
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Diana Dickhaus am Mittwoch bei der Impfung eines Patienten in der Praxis von Dr. Christoph Zenses: Im Schnitt hat jede Solinger Praxis in dieser Woche 20 bis 25 Impfdosen erhalten.

Priorisierung in den Praxen erfolgt nach Schwere der Erkrankung.

Solingen. Die Solinger Hausärzte haben damit begonnen, ihre Patienten mit schweren Erkrankungen zu impfen. Bereits am Dienstag wurden die Praxen mit dem Impfstoff beliefert. Zunächst sind nur die Hausarztpraxen in die Impfaktion eingebunden. „Damit sind es etwa 70 Solinger Praxen, die ab dieser Woche impfen könnten“, erklärt Dr. Stephan Kochen. Der niedergelassene Internist und Hausarzt gehört auch zum ärztlichen Leitungsteam des Solinger Impfzentrums.

Etwa 50 Impfdosen hätten die Praxen im Schnitt bestellt. „Die meisten Praxen wurden aber nur mit 20 bis 25 Dosen für die erste Woche beliefert“, so Kochen. In einigen größeren Gemeinschaftspraxen kam teilweise mehr Impfstoff an, weil noch nicht alle Ärzte mitimpfen. Für die kommende Woche seien pro Arzt nur noch 18 Dosen angekündigt, beschrieb Dr. Christoph Zenses, der gemeinsam mit Dr. Stephan Kochen eine Praxis in Ohligs betreibt, am Mittwoch die Situation.

Da einige Praxen aufgrund der räumlichen oder logistischen Anforderungen nicht impfen könnten, sei der Impfstoff auf die anderen Praxen verteilt worden. Denn die Anforderungen an die Impfpraxen seien hoch. So müssen die niedergelassenen Ärzte Räume zur Verfügung stellen, in denen sich die Geimpften 30 Minuten lang nach der Impfung zur Beobachtung aufhalten können.

Solingen: Teams mussten Impfstoff selbst verdünnen

Da in dieser Woche der Impfstoff von Biontech/Pfizer geliefert wurde, mussten die Teams diesen vor Ort auch selbst mit Kochsalzlösung verdünnen und auf die Impfspritzen aufziehen. Diese Aufgabe der Rekonstitution, also der Überführung des Impfstoffs in seine anwendungsfähige Form, übernimmt im Solinger Impfzentrum sonst ein Team aus Apothekern und Pharmazeutisch Technischen Assistenten (PTA).

Welcher Impfstoff geliefert wird, darauf haben die Praxen bei den Erstimpfungen keinen Einfluss. Entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) ordnen die Hausärzte den vorhandenen Impfstoff den Patienten zu – Astrazeneca beispielsweise derzeit nur für Über- 60-Jährige.    „Für die Zweitimpfungen können wir dann natürlich das entsprechende Vakzin bestellen“, so Dr. Stephan Kochen. Jeweils dienstags können die Solinger Praxen den Impfstoff für die darauffolgende Woche ordern. „Ende des Monats wird die Menge hoffentlich noch größer.“ Dann könne die Zahl der Impfungen in den Praxen erhöht werden.

Solingen: Priorisierung in Praxen nach Schwere der Erkrankung

Es sei aber auch ein großer logistischer Aufwand für die Teams in den Praxen. Die impfberechtigten Patienten müssen ausgewählt, eingeladen und die Impfung dokumentiert werden. „Dafür mussten wir in der Praxis auch unsere Pläne umstellen“, so Dr. Christoph Zenses.

Während im Impfzentrum die Priorisierung nach Alter vorgenommen wird – in dieser Woche kann der Jahrgang 1941 Termine über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vereinbaren – läuft die Priorisierung in den niedergelassenen Praxen nach Schwere der Erkrankungen. „Derzeit laden wir Menschen mit schweren Lungen- oder Herzerkrankungen ein, die gefährdet sind, bei einer Infektion einen schweren Krankheitsverlauf mit Covid-19 zu haben“, erklärt Dr. Zenses.

Solingen: Impfungen werden nach sechs oder zwölf Wochen wiederholt

Wurde der Impfstoff von Biontech/Pfizer bei den ersten Impfungen im Februar und März noch mit drei Wochen Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung verimpft, so vergeben die Ärzte die beiden Termine jetzt mit sechs Wochen Abstand. „Das hat nicht nur den Grund, möglichst viele Erstimpfungen durchzuführen, sondern auch den fachlichen Hintergrund, dass durch eine spätere Zweitimpfung das Immungedächtnis trainiert wird“, so Dr. Stephan Kochen. Die Termine mit Astrazeneca werden mit zwölf Wochen Abstand vergeben.

Wenn mehr Impfstoff kommt, sollen auch mehr Praxen eingebunden werden. Ende April sollen die Gynäkologen, im nächsten Schritt die HNO-Praxen dazukommen. „Reine Privatpraxen werden derzeit noch nicht mit Impfstoff beliefert“, so Dr. Stephan Kochen.

Erstimpfungen

Zahlen: Täglich veröffentlicht das ST bei den Corona-Fallzahlen auch die Gesamtzahl der Erst-Geimpften. Diese bezieht sich auch zukünftig nur auf die im Impfzentrum Geimpften. Die Zahl der Impfungen in den Praxen werden ausschließlich der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet.

Standpunkt: Viel und schnell impfen

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Kaum ein Thema wird derzeit wohl so emotional diskutiert wie die Corona-Impfungen. Die Priorisierung, die Engpässe bei der Terminvergabe und zuletzt die sich ändernden Empfehlungen bei Impfstoffen für verschiedene Risikogruppen – Verwirrungen und Schwierigkeiten gab es genug. Und immer noch hoffen viele Menschen auf einen baldigen Impftermin. Da sind jetzt auch die Hausärzte nicht zu beneiden, die teilweise Wartelisten von mehreren Hundert Patienten haben und auch dort wieder eine Auswahl aufgrund der Schwere der Erkrankung treffen müssen. Ihnen sollten die Patienten vertrauen, wenn es darum geht, welcher Impfstoff für welchen Patienten verwendet wird. Der einzige Weg raus aus der Pandemie ist, zu impfen – viel und schnell. Ein gutes Signal ist immerhin, dass das Astrazeneca-Vakzin, das gerade bei den Älteren eine noch höhere Wirksamkeit hat als die anderen Impfstoffe, in dieser Altersgruppe der Über-60-Jährigen stark nachgefragt wurde. Die Oster-Impfaktion, für die kurzfristig 4100 Impfdosen und 45 freiwillige Solinger Ärzte parat standen, war immerhin ein voller Erfolg.

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