Mitgliederzahlen hingegen stabil

Solingen hat 23 Sportvereine verloren

Mitgliederzahlen der Vereine
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Mitgliederzahlen der Vereine

Sportfunktionäre verweisen auf gestiegene Anforderungen an Vorstand – Mitgliederzahlen seien stabil.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Kurve zeigt deutlich nach unten: Seit 2014 ist die Zahl der Sportvereine in Solingen von 147 auf aktuell 124 zurückgegangen. Einer der Gründe: Die Anforderungen bei der Leitung eines Vereins hätten in den vergangenen Jahren stark zugenommen, heißt es beim Solinger Sportbund (SSB). Das sei gerade für Ehrenamtliche nicht leicht umzusetzen. Der Landessportbund NRW fördert deshalb Fusionen von Vereinen. „Eine Fusion mit einem anderen Verein kann gewinnbringend sein, da Engagement gebündelt werden kann“, sagt Christopher Winter, Geschäftsführer beim Solinger Sportbund.

Die aktuelle Entwicklung in Solingen sei zum Teil ein Ergebnis von Fusionen als auch coronabedingten Vereinsauflösungen. Von den 147 Sportvereinen, die es in der Klingenstadt 2014 gab, sind laut Winter 111 unverändert aktiv. 13 weitere hätten sich mit anderen zusammengeschlossen oder wurden neu gegründet. 23 Vereine existierten nicht mehr. Viele davon gehörten zum Bereich Betriebssport, so Winter.

Ein Grund für deren Auflösung könne sein, dass Sport als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge bei einigen Unternehmen inzwischen anders organisiert wurde als in einem eigenen Verein. „Solche Angebote können zum Beispiel durch Kooperationen mit anderen Sportvereinen umgesetzt werden.“ Rückgänge gebe es auch im Kampfsport sowie bei Fußball- und Schützenvereinen. Doch die Statistik zeige auch, dass es 2002 weniger Vereine gab als heute, nämlich 109. Im Jahr 2014 sei ein Höchststand gewesen.

„Vereine müssen heute professionell aufgestellt sein.“

Andreas Lukosch, WMTV

„Die Leitung eines Vereins ist heute mit viel Bürokratie verbunden“, erklärt Christopher Winter. „Viele Ehrenamtliche kommen da an ihre Grenzen.“ Andreas Lukosch, stellvertretender Vorsitzender des Wald-Merscheider Turnvereins (WMTV) und Leiter des Geschäftsbereichs Sport, bestätigt die gestiegenen Anforderungen, unter anderem bei Steuern, Datenschutz und Arbeitsschutz: „Vereine müssen heute professionell aufgestellt sein.“ Beim WMTV, Solingens mitgliederstärkstem Sportverein, kümmern sich drei hauptamtliche Mitarbeiter und mehr als 15 geringfügig Beschäftigte – rund 20 Angestellte insgesamt – um solche Aufgaben.

Der Landessportbund NRW versucht, Sportangebote zu erhalten, indem er Fusionen fördert. Man unterstütze Vereine bei der Suche nach einem möglichen Partner, erklärt LSB-Pressesprecher Frank-Michael Rall. „Bei einer Fusion entstehen oft Vereine mit größerer Attraktivität, die zusammen mehr Sportarten anbieten.“ Ein Beispiel aus Solingen ist der WMTV, der 2011 den Tennisclub Weyer als Abteilung integriert hat.

Den Rückgang bei der Zahl der Vereine müsse man „nicht dramatisieren“, sagt LSB-Sprecher Rall. Zumal die Entwicklung der Mitgliederzahlen positiv sei, betont er: „Der Negativtrend durch die Corona-Pandemie ist gestoppt.“ Gegenüber dem Vorjahr gebe es NRW-weit sogar ein leichtes Plus bei den Mitgliedern in Sportvereinen.

Beim WMTV liegen die Zahlen laut Andreas Lukosch nach dem Pandemie-Knick wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von rund 2500 Mitgliedern. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Die Vereine müssten jedoch mehr tun als früher. Der Trend zu unverbindlichen Angeboten ohne Bindung an einen Verein habe zugenommen. „Es gibt heute viele Alternativen.“

SSB-Geschäftsführer Winter sieht keinen Anlass zur Sorge. In Solingen liege die Zahl der Sportvereinsmitglieder – aktuell rund 25 500 – seit sechs, sieben Jahren auf einem ähnlichen Niveau, betont er. Neben der klassischen Vereinsmitgliedschaft böten die Vereine zunehmend Kurse oder Rehamaßnahmen an. „Diese Teilnehmer tauchen wiederum nicht in der Statistik auf.“ Trotz Pandemie und vielen Angeboten etwa durch Kurse auf Online-Portale hätten die Vereine immer noch eine große Relevanz.

Mitglieder in Sportvereinen

Die Zahl der Mitglieder in den NRW-Sportvereinen hat sich laut Landessportbund stabilisiert und zuletzt sogar etwas zugenommen. Rund 4,938 Millionen Menschen (Stand: Mai 2022) gehörten derzeit einem der rund 17 700 Sportvereine in Nordrhein-Westfalen an. Das entspreche einem kleinen Plus von rund 17 300 Personen gegenüber der Erhebung aus dem Vorjahr.

In Solingen sind aktuell 25 439 Menschen Mitglied in einem Sportverein. Weibliche Mitglieder sind mit 9514 deutlich schwächer vertreten als männliche. Seit 2008 sind die Mitgliederzahlen laut Landessport-Statistik von 29 226 auf aktuell 25 439 zurückgegangen.

Standpunkt von Anja Kriskofski: Für Sport begeistern

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Fitness-Videos auf Youtube, kommerzielle Studios und Outdoor-Aktivitäten: Um sportlich aktiv zu sein, braucht es nicht unbedingt einen Sportverein. In der Corona-Pandemie hat der eine oder die andere entdeckt, dass man auch allein fit bleiben kann, ohne sich nach festen Kurs- und Trainingszeiten richten zu müssen. Doch die meisten haben offenbar festgestellt, dass ihnen die Bewegung in der Gruppe und der Austausch fehlen.

Nach dem Corona-Knick konnten die Solinger Sportvereine zuletzt wieder Mitglieder zurück- oder hinzugewinnen. Doch das ist kein Selbstläufer. Angebote wie Sport im Park und die Familienzeit, bei denen Sportarten unverbindlich ausprobiert werden können, sind deshalb wichtig.

Noch wichtiger ist das Engagement im Kinder- und Jugendbereich, die Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. In der Pandemie haben nicht wenige den Spaß an ihrem Sport verloren. Sie wieder für Bewegung zu begeistern, ist eine Aufgabe auch für die Vereine.

Lesen Sie auch: Bei Sport im Park Neues ausprobieren

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