Hate Speech

Hasskommentaren mit Zivilcourage begegnen

Im Netz lauern viele Gefahren. Aber Selbstschutz ist möglich. Archivfoto: Ole Spata/dpa
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Im Netz lauern viele Gefahren. Aber Selbstschutz ist möglich.

Frauenforum und Jugendstadtrat diskutieren anlässlich der Aktionswoche „Nein! zu Gewalt gegen Frauen“.

Von Julia Wodara

Solingen. Astrid Hofmann von der Gleichstellungsstelle fand deutliche Worte: „Hate Speech und andere Formen von Gewalt sind keine Privatsache.“ Anlässlich der Aktionswoche „Nein! zu Gewalt gegen Frauen“, die noch bis 27. November dauert, möchte sie genau für dieses Thema sensibilisieren – und tat dies auf einer gemeinsamen Sitzung von Frauenforum und Jugendstadtrat.

Hate Speech, zu Deutsch Hassrede, und digitale Gewalt standen dabei im Mittelpunkt. „Hate Speech bezeichnet verbale Angriffe auf Menschen, die einer bestimmten Gruppe zugehörig sind oder denen das angelastet wird“, definiert die Referentin des Abends, Theresa Lehmann: „Das kann aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft oder Geschlechtsidentität sein.“

Seit fünf Jahren arbeitet Lehmann für die Amadeu Antonio Stiftung, die sich seit mehreren Jahrzehnten gegen jegliche „Ideologien der Ungleichheit“ – von Rechtsextremismus über Rassismus bis hin zu Antisemitismus – stellt, auch und gerade im Internet. Denn gerade das Netz sei ein Ort, der Anfeindungen besonders leicht macht: Dehumanisierende Aussagen bis hin zu konkreten Aufrufen zur Gewalt, die im schlimmsten Fall nicht mehr nur den digitalen Raum betreffen, sind anonym schnell getätigt. „Das Ziel ist die Einschüchterung der Betroffenen – man möchte sie aus dem Diskurs verdrängen“, erklärte Lehmann. Und das sei insbesondere deshalb fatal, weil es sich meist um Personen handele, die ohnehin schon ein geringes Selbstwertgefühl hätten.

Tipps für die Zivilcourage

Gerade deshalb zählt: Auch im Internet Zivilcourage zeigen; Stellung beziehen, statt das Gesehene zu ignorieren. „Es ist am besten, wenn eine Gruppe dahinter ist“, betonte Ioanna Zacharaki, SPD-Bürgermeisterin und Sprecherin des Frauenforums. „Wir brauchen eine Gegenstrategie und die muss richtig trainiert sein – anders kriegen wir das nicht hin.“

Solche Hilfsstrategien seien gerade für Privatpersonen vielfältig: Das eigene Unbehagen mit Inhalten mitteilen, nach der Bedeutung eines Kommentars fragen, dem Opfer eine persönliche Nachricht zukommen lassen – oder positive Beiträge unterstützen. Deshalb sei jeder unterstützende Beitrag bedeutsam, besonders online, wie Lehmann hervorhob: „Selbst wenn ich eine Person, die das gerade geschrieben hat, nicht überzeugen kann – vielleicht ja andere.“

Bei der Unterstützung anderer solle in jedem Fall immer auch daran gedacht werden, sich selbst zu schützen, betonte Lehmann: Den eigenen Account in Beweisfotos zensieren, schwierige Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen – auf diese Weise können auch schwerwiegendere Folgen wie die unfreiwillige Veröffentlichung privater Daten durch Dritte vermieden werden.

Hilfe: Zur Unterstützung im Umgang mit digitaler Hassrede stehen Online-Stellen bereit:
hassmelden.de
internetbeschwerdestelle.de
hateaid.de

Fonds: Für Opfer besteht die Möglichkeit finanzieller Hilfestellung durch Fonds.
amadeu-antonio-stiftung.de

Aktion: Das Programm von „Nein! zu Gewalt gegen Frauen“ sowie Informationen zu Gewaltprävention gibt es hier:
gegen-gewalt.solingen.de

Sexualisierte Gewalt: Klinikum und Frauenberatungsstelle ziehen nach einem Jahr Bilanz.

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