Auf offener Straße erstochen

Tödliche Messerstiche: Mutmaßlicher Täter aus Untersuchungshaft entlassen - Ermittlungen dauern an

Einsatzkräfte am Tatort an der Hasselstraße.
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Einsatzkräfte am Tatort an der Hasselstraße.

Es gibt erste Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat. Polizeigewerkschaft fordert Taten gegen Messergewalt, Innenminister härtere Strafen. Verein „Wir in der Hasseldelle“ ist besorgt über Image.

Update, 1. September: Im Fall der tödlichen Messerstiche an der Hasselstraße sitzt der Tatverdächtige nicht mehr in Untersuchungshaft. „Der Haftbefehl gegen den zunächst Festgenommenen wird inzwischen nicht mehr vollstreckt. Die Ermittlungen zu den Tatbeiträgen der Beteiligten dauern an“, so Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt.

Aus Ermittlungsgründen könnten keine weiteren Auskünfte erteilt werden. Polizei und Staatsanwalt hatten nach der Tat erklärt, dass ein 26-jähriger deutscher Staatsbürger am 10. August mit einem Messer auf einen 31-Jährigen gebürtigen Syrer eingestochen habe, der kurz darauf verstarb.

Ein rassistischer Hintergrund wurde ausgeschlossen, die Staatsanwaltschaft sprach in Zusammenhang mit der Tat von einer „Familienfehde“, bestätigte ST-Informationen zu einem Migrationshintergrund des möglichen Täters aber nicht. Die Tat werde nicht in Zusammenhang mit Clan-Kriminalität eingestuft, der Verdächtige sei nicht vorbestraft.

Update: Der 26-jährige mutmaßliche Messerstecher sind in Untersuchungshaft. Ein Richter hat den entsprechenden Beschluss erlassen.

Zu den Hintergründen der Tat gibt es erste Erkenntnisse: Offenbar sei ein verbaler Streit einer fünf- mit einer dreiköpfigen Gruppe auf offener Straße eskaliert, sagte am Freitag ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Anlass waren Zeugen zufolge wohl Beleidigungen.

Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen nicht vorbestraften Deutschen. Er war in der Nähe des Tatorts festgenommen worden. Das Opfer sei in Syrien geboren, hieß es. Der Mann starb trotz Wiederbelebungsversuchen der Rettungskräfte noch am Tatort. Für einen rassistischen Hintergrund der Tat gebe es keine Anhaltspunkte.

Das brutale Tötungsdelikt auf offener Straße sorgte am späten Mittwochabend in der Siedlung Hasseldelle für Erschütterung: Wie die Polizei und Staatsanwaltschaft Wuppertal in einer gemeinsamen Erklärung am Tag nach der Tat mitteilten, hatte mutmaßlich ein 26-jähriger Mann mit einem Messer auf einen 31-Jährigen eingestochen, der kurz darauf seinen Verletzungen erlag.

Der Getötete erlitt zahlreiche Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers. Ersten Erkenntnissen zufolge sollen mehrere Personen an dem Streit der beiden Männer beteiligt gewesen sein. Der junge Mann verstarb trotz Reanimationsversuchen der Rettungskräfte noch vor Ort.

Nach der Tötung eines 31-Jährigen in Solingen sitzt der 26-jährige mutmaßliche Messerstecher wegen Totschlags in Untersuchungshaft.

Polizei: 15-köpfige Mordkommission ermittelt

Die Polizei war am Mittwoch mit einem Großaufgebot vor Ort, sicherte bis in die Nacht hinein Spuren und sperrte den Tatort weiträumig ab. Die Lage war zunächst unübersichtlich, weil immer mehr Angehörige des Getöteten am Tatort eintrafen. Unterstützt wurden die Solinger Kräfte von Polizisten aus Köln, dem Kreis Mettmann, Wuppertal und Remscheid. Auch Seelsorger waren im Einsatz und kümmerten sich am Tatort um die Angehörigen.

Festnahme in der Nähe des Tatorts

Im Zuge der Fahndungsmaßnahmen konnte der 26-Jährige in der Nähe des Tatorts von der Polizei festgenommen werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wuppertal wurde der Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt.

Der genaue Ablauf sowie die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der Ermittlungen, nähere Angaben machten die Behörden gestern nicht. Eine 15-köpfige Mordkommission wurde zur Aufklärung des Verbrechens gebildet. Der genaue Tatablauf und der Hintergrund der Tat seien noch völlig unklar, teilten die Ermittler mit. Die Leiche sollte nach Polizeiangaben obduziert werden.

Zuvor hatte die Polizei von mindestens zwei weiteren Verletzten gesprochen. Angaben dazu und zu weiteren Details konnte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zunächst nicht machen.

Ermittler suchen dringend Zeugen und Hinweisgeber

Weiterhin sucht die Polizei dringend Zeugen und Hinweisgeber, die Angaben zu dem Geschehen oder den Hintergründen machen können. Sie werden gebeten, sich telefonisch an die Leitstelle der Polizei in Wuppertal unter Tel. (0202) 28 40 zu wenden.

Hasseldelle: Verein fürchtet erneut negatives Image

Betroffen über den Vorfall zeigt sich auch Hans-Peter Harbecke, Vorsitzender des Vereins „Wir in der Hasseldelle“. „Ich habe die Befürchtung, dass diese Sache jetzt wieder ein negatives Licht auf die Hasseldelle wirft. Dabei leben hier in unserer Siedlung viele Nationen harmonisch zusammen.“

Ebenfalls an der Hasselstraße hatte eine Mutter im Herbst 2020 fünf ihrer sechs Kinder getötet, woraufhin die Hasseldelle nicht nur einem großen Medienandrang ausgesetzt war, sondern immer wieder als „sozialer Brennpunkt“ stigmatisiert wurde. „Das stimmt einfach nicht. So etwas macht mich wütend“, ärgert sich Harbecke, dessen Verein sich für ein nachbarschaftliches Miteinander in der Siedlung einsetzt.

NRW-Innenminister Herbert Reul fordert härtere Strafen

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte zuletzt eine hohe Zahl an Messerangriffen in NRW kritisiert und forderte härtere Strafen für die Täter. Auch in Solingen war es erst vor wenigen Wochen in einer Ohligser Kneipe zu einem ähnlichen Vorfall gekommen (siehe unten).

Gewerkschaft der Polizei: Bundesweites Lagebild ist nötig - Messerverbot keine Lösung

Um über dieses Deliktfeld ein präziseres Bild zu bekommen, fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein bundesweites Lagebild. Dies würde helfen, in diesem Deliktfeld eine etwas realistischere Einschätzung zu treffen, sagt Björn Lüdtke von der GdP Bergisches Land.

Auch im Polizeialltag sei die Gefahr durch Messerangriffe nicht zu unterschätzen. Er glaube jedoch nicht daran, dass ein Trageverbot von Messern in der Öffentlichkeit, wie Reul es 2018 gefordert hatte, das Problem lösen würde. „So ein Verbot schreckt nicht ab. Prävention wäre weitaus wirkungsvoller.“

Hintergrund

Vorfall: Erst vor einigen Wochen hatte es in einer Gaststätte in Ohligs ebenfalls einen Messerangriff gegeben, bei der ein Mann lebensgefährlich verletzt wurde. Die Beteiligten haben sich inzwischen den Behörden gestellt.

Unsere ersten Meldungen

+++Update, 12 Uhr+++

Solingen. Nach der tödlichen Messerattacke auf offener Straße in Solingen haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstagmittag erste Informationen veröffentlicht. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler kam es am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr auf der Hasselstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen einer größeren Personengruppe.

Ein 26-Jähriger Solinger soll im Zuge der Konfrontation auf das spätere Todesopfer, einen 31-jährigen Mann, eingestochen haben. Er verstarb trotz Reanimationsversuchen der Rettungskräfte noch vor Ort.

Im Rahmen der Fahndungsmaßnahmen nahm die Polizei einen Verdächtiger in Tatortnähe fest. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wuppertal wird er heute dem zuständigen Haftrichter vorgeführt.

Der genaue Tatablauf sowie die Hintergründe sind Bestandteil der weiteren Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei im Rahmen einer 15-köpfigen Mordkommission.

Zur lückenlosen Aufklärung des Tötungsdeliktes, das am Abend auf offener Straße in Solingen verübt wurde, sucht die Mordkommission dringend Zeugen und Hinweisgeber, die Angaben zum Ablauf oder zu Hintergründen des Verbrechens geben können.

Zeugen werden gebeten, sich unter der 0202 284 0 bei der Polizei zu melden.

+++Update, 9.30 Uhr+++

Solingen. Am Donnerstagmorgen war Flatterband am Tatort ein stiller Zeuge dessen, was sich am Abend zuvor an der Hasseldelle ereignet hat. Bei der tödlichen Auseinandersetzung wurden offenbar auch weitere Personen verletzt. Zur Schwere ist derzeit noch nichts bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft haben noch in der Nacht eine Mordkommission gebildet, die nun die Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt übernommen hat.

Unser Artikel von 6.48 Uhr

Solingen. Ein Mann ist am Mittwochabend bei einem Messerangriff an der Hasselstraße in Solingen tödlich verletzt worden. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Ersten Informationen zufolge gerieten am Abend an der Hasselstraße mehrere Personen aus bislang ungeklärter Ursache aneinander. Bei dem Streit war auch ein Messer im Spiel. Ein Mann wurde bei dem Angriff so schwer verletzt, dass er noch vor Ort starb. Offenbar durch einen oder mehrere Messerstiche in den Oberkörper.

Tödliche Messerattacke in Solingen: Auch Seelsorger waren im Einsatz

Die Polizei wurde alarmiert und rückte mit zahlreichen Kräften zur Hasselstraße aus. Die Lage war zunächst unübersichtlich, weil immer mehr Angehörige des Getöteten am Tatort eintrafen. Die Polizei sperrte den Bereich daraufhin weiträumig ab. Unterstützt wurden die Solinger Kräfte vor Ort von Polizisten aus Köln, dem Kreis Mettmann, Wuppertal und Remscheid.

Auch Seelsorger waren am Abend im Einsatz. Sie kümmerten sich um die Angehörigen.

Noch am Abend gab es eine Festnahme. Näheres zu den Umständen ist gegenwärtig noch nicht bekannt. to/ wi

Erst vor einigen Wochen war es in Ohligs zu einer Messerattacke gekommen. Die Tatverdächtigen haben sich inzwischen den Behörden gestellt.

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