Hasselstraße

Fünffacher Kindsmord: Landgericht wartet Gutachten ab

Die Anteilnahme der Solinger war nach der Tötung der fünf Kinder in einer Wohnung in der Hasselstraße groß. Archivfoto: Michael Schütz
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Die Anteilnahme der Solinger war nach der Tötung der fünf Kinder in einer Wohnung in der Hasselstraße groß. (Archivfoto)

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mutter die Tat hätte vermeiden können.

Von Dirk Lotze

Solingen. Im Verfahren wegen Verdachts des fünffachen Kindsmords gegen eine 27 Jahre alte Mutter aus Solingen wartet das Landgericht Wuppertal zunächst das Gutachten eines Gerichtspsychiaters über die Angeklagte ab. Darüber informierte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft hatte das Gutachten angestoßen. Sie geht in ihrer Mordanklage gegen die Frau vorläufig von voller Steuerungsfähigkeit während des grauenhaften Geschehens in der Wohnung der Familie aus. Die Berufsrichter müssen alle Punkte unabhängig prüfen, bevor sie die Anklage zur öffentlichen Verhandlung zulassen.

Am Morgen des 3. Septembers 2020 hatte die Polizei einen Notruf der Großmutter der Kinder erhalten, die außerhalb wohnt: Sie war in schwerster Sorge, nachdem sie Nachrichten aus der Familie erhalten hatte. Die Beamten fanden in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Hasselstraße die fünf toten Kinder: drei Mädchen im Alter von 18 Monaten, zwei und drei Jahren; zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren. Sie waren erstickt. Ein weiterer Sohn im Kindesalter überlebte: Die Mutter hatte ihn mit nach Düsseldorf genommen und von da weiter zur Großmutter geschickt, wo er unverletzt eintraf. Die Mutter versuchte, sich zu töten. Sie überlebte schwer verletzt.

Das Geschehen hatte bundesweit entsetzt und eine Welle der Unterstützung für die überlebenden Teile der Familie ausgelöst. Hunderte Solingerinnen und Solinger versammelten sich zum Gedenken nahe dem Ort des Geschehens.

Fünf getötete Kinder in Solingen: Laut Staatsanwalt keine Hinweise auf psychische Erkrankung

Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar 2021 mitgeteilt, Mordanklage erhoben zu haben. Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt erläuterte auf Anfrage: „Es gibt keinen Hinweis auf eine frühere oder bestehende, psychische Erkrankung.“ Entsprechend gehe er davon aus, dass die Frau ihre Tat hätte vermeiden oder abbrechen können. Seine vorläufige Einschätzung: „Es lag möglicherweise ein emotionaler Ausnahmezustand vor, bei voll erhaltener Steuerungsfähigkeit.“ Eine extreme Belastungssituation ergebe sich durch eine damals laufende Trennung vom Lebenspartner, dem Vater von mehreren ihrer Kinder. Näheres könne nur ein gerichtspsychiatrisches Gutachten klären.

Laut Staatsanwaltschaft hat die 27-Jährige bisher angegeben, ein Fremder sei in die Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder getötet. Diese Version werde aber nicht durch Spuren oder andere Beweise erhärtet.

Mit der ärztlichen Stellungnahme beauftragt ist nun ein Gerichtspsychiater, der zunächst ein vorläufiges, schriftliches Gutachten erstatten wird. Danach entscheidet das Landgericht über die Fortsetzung des Prozesses. Die 27-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft.

Telefonseelsorge: Lassen Sie Personen nicht allein, die Gedanken über Selbsttötung äußern. Die Telefonseelsorge bietet jederzeit Hilfe für alle an und vermittelt in schwierigen Lebenssituationen an Hilfseinrichtungen weiter. Kostenlose Nummern: Tel. (08 00) 111 0 111 und Tel. (08 00) 111 0 222

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