Landgericht

Hasseldelle-Prozess: Jugendtherapeut der Angeklagten sagt aus

Die angeklagte Solingerin hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Die angeklagte Solingerin hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Archivfoto: Tim Oelbermann

Die 28-Jährige, die sich wegen fünffachen Mordes vor Gericht verantworten muss, wurde mehrfach in psychiatrischen Einrichtungen aufgenommen.

Von Dirk Lotze

Solingen. Eine 28 Jahre alte Solingerin, die wegen Tötung von fünf ihrer sechs Kinder wegen Mordes angeklagt ist, war als 13-Jährige „immer in Not“ und durchlebte zwischen 2005 und 2008 mehrere Notaufnahmen in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung. Darüber berichtete ein heute 70 Jahre alter Therapeut in dem Prozess als Zeuge vor dem Landgericht Wuppertal. Er habe den Auslöser für die schwere Beeinträchtigung der Angeklagten nicht gefunden, es müsse aber „etwas Dramatisches gewesen sein.“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte am 3. September in ihrer Wohnung die Opfer – drei Mädchen und zwei Jungen im Alter von 18 Monaten bis 8 Jahren – in der Badewanne ertränkt oder erstickt hat. Zuvor habe sie die Kinder mit Medikamenten sediert. Einem Whatsapp-Chat zufolge hatte sich an dem Tag die endgültige Trennung der Frau von ihrem Lebensgefährten abgezeichnet, dem Vater von vier der getöteten Kinder.

Die Angeklagte schweigt im Prozess, sie erlaubt aber ihren Ärzten auszusagen. Der Psychotherapeut berichtete, er habe sie bis 2008 betreut und sei vergeblich der Frage nachgegangen: „Warum ist bei ihr ab 2005 alles schiefgegangen?“ Er habe eine einst gute Schülerin vor sich gehabt, die nach einer Wende der Schule fernblieb und auffälliges Verhalten zeigte. Anfangs habe sie von Mobbing unter Gleichaltrigen berichtet, später von einem zurückliegenden, sexuellen Übergriff. Eine Hilfseinrichtung für Opfer von länger dauerndem, sexuellen Missbrauch sei hinzugezogen worden. Sein Fazit: „Jede Behandlungsstunde gab es etwas Neues.“

Am Freitag will das Gericht einen Arzt befragen, der die Angeklagte im Kindesalter betreute.

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